Antisemitismus-Vorwürfe gegen die documenta fifteen: Stellungnahme von Oberbürgermeister und documenta-Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Geselle


Zu aktuellen Antisemitismus-Vorwürfen gegen die documenta fifteen nimmt jetzt Oberbürgermeister Christian Geselle, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der documenta gGmbH, Stellung.

„Die documenta ist eine internationale Kunstschau, die nicht allein die deutsche Sicht auf Vermittlung künstlerischer Positionen, sondern gerade die internationale Sicht zum Gegenstand hat. Dieser Weg wurde seit der Berufung Okwui Enwezors zum künstlerischen Leiter der documenta 11 im Jahr 2002 entschieden zunehmend beschritten“, erläutert Christian Geselle.

Mit dem indonesischen Künstlerkollektiv ruangrupa kuratierten 2022 zum ersten Mal Vertreter aus Asien die documenta, die auch die Perspektive des globalen Südens berücksichtigen, so Geselle. Dabei seien unter anderem die Hinterfragung von Machtverhältnissen und dekoloniale Ansätze zentrale Gegenstände. „Bei der Berufung von ruangrupa im Jahr 2019 war man sich dessen bewusst und zugleich der Meinung, dass man im Rahmen der documenta fifteen eine öffentliche Auseinandersetzung zu diesen Themen nicht nur aushalten, sondern diese auch dringlich geführt werden muss“, führt Geselle weiter aus. Der Wille sich dieser Herausforderung zu stellen, habe in der Öffentlichkeit ein sehr positives Echo erfahren. Gleichzeitig sei man sich aber einig, dass dies nicht zur Überschreitung roter Linien führen dürfe. In diesem Zusammenhang habe sich ruangrupa für die documenta fifteen klar und deutlich gegen Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus, gewaltbereiten religiösen Fundamentalismus sowie jede Art von Diskriminierung positioniert.

„Die Freiheit der Kunst ist die wichtigste Voraussetzung für die Existenz und weltweite Bedeutung der documenta. Ohne diese ist alles nichts und vor allem keine documenta in Kassel“, stellt OB Geselle heraus. Die Freiheit der Kunst zu wahren und zu verteidigen sei daher Aufgabe aller, die an Werte unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung glauben. Eine Überprüfung oder gar einen Eingriff in die künstlerische Freiheit dürfe es nicht geben; wenn überhaupt nur bei Überschreitung der oben beschriebenen roten Linien. „Die hat es hier aus meiner Sicht bislang nicht gegeben, was auch von renommierten Dritten in dieser nicht sachlich vom Zaun gebrochenen und aufgeheizten Debatte geteilt wird“, so Geselle.

Deutschland habe aus seiner Vergangenheit heraus eine herausragende Verantwortung für Menschen jüdischen Glaubens und den Staat Israel. Das sei Staatsräson für die Bundesrepublik Deutschland und ebenso „Stadträson“ für die Stadt Kassel. „Wir sind mit unserer jüdischen Gemeinde in Kassel, den Menschen in Israel und in unserer Partnerstadt Ramat Gan freundschaftlich eng verbunden und dokumentieren dies auch öffentlich. Meine persönliche Integrität steht diesbezüglich außer Frage. Alle Menschen haben das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde, Freiheit und Frieden“, so Geselle abschließend.

documenta-Stadt Kassel


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