Al-Wazir fordert Beseitigung von Rhein-Untiefen

Tarek Al-Wazir (Grüne), hessischer Wirtschaftsminister. Foto: Bernd von Jutrczenka/Archiv

 

Hessen/Wiesbaden – Angesichts historisch niedriger Pegelstände verlangt Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir Arbeiten an der Fahrrinne des Rheins. „Die Klimaexperten sind sich einig, dass sich Extremereignisse wie die jetzige Rekorddürre häufen werden“, sagte er am Dienstag bei einem Besuch des Hafens Gustavsburg. „Hessen hat mit seinem Klimaschutzplan 140 Maßnahmen festgelegt, um den Treibhausgasausstoß zu drosseln und die Folgen des Klimawandels abzumildern. Dies ist weltweit die größte politische Aufgabe der nächsten Jahre. Die Bundesregierung muss dabei ebenfalls ihrer Verantwortung gerecht werden – auch auf den Bundeswasserstraßen. Das Binnenschiff ist ein denkbar umweltfreundliches Transportmittel, wird jedoch ausgebremst – nicht allein von der Trockenheit, sondern auch, weil notwendige Maßnahmen nicht beherzt angegangen werden.“  

„Binnenschiff als umweltfreundliches Transportmittel wird ausgebremst“

„Man muss nur wenige Untiefen beseitigen, um die Kapazität von Europas wichtigster Wasserstraße beträchtlich zu steigern“, informierte der Minister. „Baggern ist nur an sehr wenigen Stellen erforderlich. Mitunter genügt es, mit Buhnen oder Längsbauwerken den Wasserspiegel zu stützen.“ Al-Wazir wies darauf hin, dass das Frachtaufkommen auf dem Rhein seit Jahren nahezu stagniert, obwohl der Güterverkehr insgesamt wächst. 

Fahrrinne begrenzt Tiefgang und damit Ladekapazität

Der Minister erinnerte an eine Resolution der vier Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen vom Frühjahr. Die vier Rheinanlieger hatten sich darin für die sogenannte „Abladeoptimierung“ am Mittelrhein zwischen Wiesbaden und St. Goar ausgesprochen. Wegen sechs schwieriger Stellen kann in diesem ca. 50 Kilometer langen Abschnitt nur eine Fahrrinne von 1,90 m Tiefe garantiert werden – so wenig wie nirgends sonst im schiffbaren Flussverlauf. Dies begrenzt den Tiefgang der Schiffe und damit ihre Ladekapazität.  

„Mit punktuellen Maßnahmen Fahrrinne vertiefen“

„In der jetzigen Situation droht die Gefahr, dass Containerfracht auf den Lkw verlagert wird und dann nur schwer wieder für das Schiff zurückgewinnen ist“, erläuterte Al-Wazir. „Dabei können wir mit punktuellen Maßnahmen die Fahrrinne auf 2,10 Meter vertiefen, so dass von der französischen Grenze bei Iffezheim bis Koblenz ein einheitliches Niveau herrscht. Ein Güterschiff kann dann im Normalfall über 200 Tonnen, ein Großcontainerschiff sogar 450 Tonnen mehr laden. Die Kapazität zwischen Basel und Rotterdam würde auf einen Schlag um zehn Prozent steigen, ohne dass ein Schiff zusätzlich fahren müsste, und auch bei Niedrigwasser müsste die Fracht nicht so drastisch reduziert werden wie in den letzten Wochen.“  

Der Minister besuchte in Gustavsburg das an der Mainmündung gelegene Containerterminal, das von dem Duisburger Unternehmen Contargo betrieben wird. Contargo bedient von Gustavsburg aus die Seehäfen Rotterdam und Antwerpen. „Das Binnenschiff ist das klimaschonendste Transportmittel und sollte daher angesichts der Klimaziele Vorrang bekommen“, sagte Christian Eichmeier, Managing Director der Contargo Rhein-Main GmbH. „Um angesichts der auch künftig zu erwartenden Kleinwassersituation angemessen agieren zu können, ist eine gezielte Vertiefung der Engpässe im Rhein eine sinnvolle Maßnahme. Denn gemeinsames Ziel sollte es sein, eine Verlagerung der Verkehre auf Lkw zu vermeiden.“  

Die Vertiefung ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 vorgesehen, ist aber erst im Vorplanungsstadium. Al-Wazir forderte die Bundesregierung auf, umgehend mit der Umsetzung zu beginnen: „Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist höher als 1:30. Für Verkehrsprojekte ist das geradezu astronomisch, es gibt kein einziges Projekt im Bundesverkehrswegeplan mit einem besseren Kosten-Nutzen-Verhältnis. Sinnvoller kann man Geld nicht ausgeben.“

 

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