3. Oktober: Mehr als nur ein Feiertag

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In Sachsen-Anhalt feiert Deutschland dieses Jahr 31 Jahre Deutsche Einheit. Menschen aus dem Land berichten, warum sie die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit auch heute noch wichtig finden.

„Wir sind das Volk“: vier Worte, ein Sprechchor, unvergleichliche Durchschlagskraft. Bei den friedlichen Montagsdemonstrationen, mit denen sich die Bürgerinnen und Bürger 1989/1990 gegen die DDR-Regierung wandten, wurden sie beinahe so wichtig wie die Revolution selbst. Unter dieser Parole wurden aus zwei Staaten wieder einer: die Bundesrepublik Deutschland. Am 3. Oktober wird diese Wiedervereinigung gefeiert – in diesem Jahr in Halle (S.).

Was ist passiert am 3.10.1990?

Mehr als 40 Jahre war Deutschland geteilt. Am 9. November 1989 fiel mit der Verkündung der Reisefreiheit die innerdeutsche Grenze – und die Wiedervereinigung wurde plötzlich zu einer realen Option.

Am 23. August 1990 beschloss die Volkskammer der DDR dann den Beitritt zum Geltungsbereich des bundesdeutschen Grundgesetzes nach Artikel 23 des Grundgesetzes. Diese Beitrittserklärung legte den rechtlichen Grundstein für die Wiedervereinigung am 3. Oktober. Mit dem offiziellen Beitritt zur Bundesrepublik hörte die DDR auf zu existieren – und das Land wuchs wieder zusammen.

Wie wird der Tag gefeiert?

Im Zuge der Bundesratspräsidentschaft, die jedes Jahr im Turnus von einem anderen Bundesland übernommen wird, werden die Feierlichkeiten 2021 von Sachsen-Anhalt ausgerichtet.

Wie schon im vergangenen Jahr wird auch 2021 das traditionelle Bürgerfest coronabedingt von einer Open-Air-Ausstellung, der EinheitsEXPO, ersetzt. Rund zwei Wochen findet die Ausstellung, in der sich die Länder und Staatsorgane präsentieren, in der halleschen Innenstadt statt. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der zentrale Festakt am 3. Oktober, an dem neben Bundesratspräsident Dr. Reiner Haseloff auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble und Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel teilnehmen werden.

Warum ist der Tag der Deutschen Einheit heute noch wichtig?

Auch wenn der Feiertag dieses Jahr sein 31. Jubiläum feiert, gibt er doch dem Gastgeberland jedes Jahr aufs Neue die Chance, ein Zeichen für die Deutsche Einheit und die Bewahrung von Freiheit und Demokratie zu setzen.

So steht Sachsen-Anhalt in diesem Jahr für Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit ein und zeigt klare Kante gegen Rassismus, Gewalt und Hass. Gemeinsam mit allen Bundesländern will Sachsen-Anhalt die Zukunft formen – das Motto der diesjährigen Feierlichkeiten.

Was denken Menschen aus Deutschland über die Feierlichkeiten und die Deutsche Einheit?

Abseits vom historischen Stellenwert beschäftigt der Tag der Deutschen Einheit auch heute noch die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland. Zum einen sehen sie im Feiertag das Erinnern und Gedenken an die Zeit der deutsch-deutschen Trennung. Zum anderen nutzen sie die Feierlichkeiten, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Probleme zu diskutieren und näher zusammenzurücken.

Katrin Schultz (57) aus Schöneiche in Brandenburg:

„Ich finde den Feiertag sehr gut. Nicht wegen des freien Tages, das juckt mich nicht mehr. Einfach, weil es ein historisches Ereignis war. Wir, mein Mann und ich, sind absolute Gewinner der Einheit. Uns ging es vorher gut, aber danach noch viel besser. Mir kommen heute noch die Tränen, wenn ich an die Rede von Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft denke. In der Nacht, als die Mauer fiel, sind wir spontan zum Checkpoint Charlie gefahren und haben eine tolle Frau aus Westberlin kennengelernt. Daraus ist eine ganz liebe Freundschaft entstanden, leider ist Suse inzwischen verstorben. Der Tag der Deutschen Einheit ist für mich auch ein Gedenktag an sie und ich freue mich, dass er dieses Jahr in Halle (S.) gefeiert wird.“

Mirko Tietbölaus (47) aus Sassnitz in Mecklenburg-Vorpommern:

„Ich arbeite in Dänemark mit Menschen sowohl aus der ehemaligen DDR als auch aus dem Westen zusammen. Ich merke, dass es noch ganz viele Vorurteile gibt, dass die Menschen im Osten nicht arbeiten wollen zum Beispiel. Es braucht Kraft und Geduld, mit diesen alten Stereotypen aufzuräumen. Mehr Dialog zum Tag der Deutschen Einheit ist da auf jeden Fall wünschenswert. Und ich glaube, dass sich die Feierlichkeiten in Halle (S.) besonders gut dazu eignen.“

Hannah Bethge (19) aus dem Harz in Sachsen-Anhalt:

„Ob man jetzt aus Ost- oder Westdeutschland kommt, ist heutzutage nicht mehr wichtig, weil die Unterschiede einfach nicht mehr so groß sind, wie das noch vor einigen Jahren war. Das Einzige, was vielleicht noch eine Rolle spielt, ist das Einkommen, was im Westen ja schon noch höher ist, wo man sich vielleicht auch als junger Mensch Gedanken macht, ob man dann später vielleicht beruflich eher in den Westen gehen würde. Ich freue mich aber, dass die Einheitsfeier in meiner Heimat Sachsen-Anhalt stattfindet.“

Jimmy Häder (31) aus Vierkirchen in Bayern:

„Ich finde es gut, dass wir den Tag der Deutschen Einheit feiern – an diesem Tag wird ganz Deutschland bewusst, dass so etwas nicht nochmal passieren darf. Noch besser fände ich es, wenn wir den Tag so ausführlich feiern würden, wie die USA den Independence Day zum Beispiel. Die Feierlichkeiten in Halle (S.) werde ich dieses Jahr wohl digital verfolgen – wenn Corona vorbei ist, bin ich mal bei einem Bürgerfest dabei.“

 

Ov von Tag der Deutschen Einheit

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