25 Jahre Museum für Sepulkralkultur

Am 24. Januar 2017 wurde das Museum für Sepulkralkultur 25 Jahre alt.

Das Museum für Sepulkralkultur wurde als Kultureinrichtung von bundesweiter Bedeutung 1992 eröffnet, mit der Aufgabe, die Geschichte des Todes und seiner Vergegenständlichung aufzuarbeiten und den gesellschaftlichen Wandel der Abschieds- und Bestattungskultur durch die Zeiten zu dokumentieren und medial/museal aufzubereiten.

Auch zeitgenössische Entwicklungen sowie andere Kulturen und verschiedene Weltanschauungen stehen im Fokus. Und dieses immer auf wissenschaftlichem Fundament und ausgerichtet auf ein breit gefächertes Publikum.

Dass Sterben, Tod, Trauer viele Menschen verunsichert, das war in den ersten Jahren des Museums deutlicher zu spüren als heute, erinnert sich der derzeitige kommissarische Leiter Gerold Eppler.

„Damals kamen beispielsweise Kommentare wie ‚Da geht’s doch nur ums Sterben, das sehe ich mir nicht an’.“ Dabei entstand die Einrichtung auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal gerade, um Menschen die Berührungsängste zu nehmen. Man war sich bewusst, dass es bis dahin speziell für die Vermittlung der Sepulkralkultur kaum moderne Ansätze gab. Somit war die Gründung des Museums von Dr. Hans-Kurt Boehlke ein echter Quantensprung und zugleich eine große Herausforderung. Einzelne größere Ausstellungen wie beispielsweise „Die letzte Reise …“ (1984, Stadtmuseum München) gab es bereits Mitte der 80er Jahre, auch verschiedene Zeugnisse der Sepulkralkultur waren durchaus Bestandteil bedeutender Sammlungen, aber es gab kein Museum, welches sich dauerhaft dem Themenkomplex Sterben, Tod, Bestatten und Erinnern verschrieb.

Viele gesellschaftliche Faktoren, die in den 80er und 90er Jahren zu einem gesellschaftlichen Wandel in der Einstellung gegenüber Sterben und Tod geführt haben, nicht zuletzt die aus England kommende Hospizbewegung, machten den Weg frei für ein Museum für Sepulkralkultur. Nach 25 Jahren hat sich das Museum zu einer international anerkannten, unabhängigen Kultureinrichtung entwickelt.

Die Arbeitsgemeinschaft
Die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. ist Träger des Museums
für Sepulkralkultur. Seit ihrer Gründung 1951 gilt die Arbeitsgemeinschaft als die führende kulturelle Institution im Bereich der Friedhofs- und Bestattungskultur in Deutschland. Durch ihre 60-jährige Erfahrung und eine Mitgliederstruktur, die eine große Bandbreite an Professionen aufweist, ist die Arbeitsgemeinschaft zu einem einzigartigen Netzwerk geworden und verfügt über herausragende Kompetenzen. Die Mitglieder sind in Forschung und Wissenschaft, Garten- und Landschaftsplanung, Grabmal- und Grabstättengestaltung, im Bestattungswesen, in der Friedhofsverwaltung, im Sozialwesen und im Bereich der Palliativ- und Hospizarbeit tätig.

Die Entwicklung der Museumsarbeit und ein Paradigmenwechsel
Die Zielrichtung des Museums entwickelte und veränderte sich im Laufe der Jahre. Anfänglich wurde an einer eher volkskundlich-thematischen Ausrichtung festgehalten. Ausgestellt wurden bis ins Jahr 2000 kulturgeschichtliche Zeugnisse der Bestattungs- und Trauerkultur, nicht das Sterben, nicht der Tod, auch keine Toten (in Abbildungen oder etwa als Mumien). Die Übernahme der Ausstellung „Last minute“ 2000/2001 aus dem Schweizer Stapfehaus in Lenzburg ist durchaus als ein Einschnitt zu verstehen, da hier erstmals der Versuch unternommen wurde, mittels inszenierter Raumbilder mit zahlreichen Hör- und Videostationen Sterben, Bestatten und Trauern emotional erfahrbar zu machen. Die Ausstellung führte mitten in die Gegenwart und regte zur persönlichen Auseinandersetzung mit Sterben und Tod an. Bewusst entschieden sich die Ausstellungsmacher gegen eine historische Ausrichtung.
Auch die Ausstellung mit begleitender Publikation „Noch mal leben“ im Jahr 2005 war für die Besucherinnen und Besucher sehr bewegend und hat sie in unmittelbarer Weise mit Sterben und Tod konfrontiert. Fotograf Walter Schels und Journalistin Beate Lakotta baten unheilbar Kranke, sie in ihren letzten Tagen und Wochen in einem Hospiz begleiten zu dürfen.

Die Ausstellung berichtete von den Erfahrungen, Ängsten und Hoffnungen der Sterbenden und ließ sie noch einmal zu Wort kommen. Alle waren einverstanden, sich kurz vor und unmittelbar nach dem Tod porträtieren zu lassen. Und wer in ein Hospiz einzieht, weiß, dass ihm nur eine kurze Spanne bleibt, um Bilanz zu ziehen, Frieden mit sich und anderen zu schließen, sich mit dem Tod zu befassen und mit der Frage nach dem Danach. Trotz anfänglicher Skepsis erfuhren beide Ausstellungen eine überwältigende Resonanz, welche auch als Folge einer sich wandelnden gesellschaftlichen Einstellung zu Sterben, Tod und Trauer zu verstehen war.

Bei über 100 Sonderausstellungen und weit über 200 Veranstaltungen bleibt das Herzstück des Museums dennoch die Schausammlung. Särge und Leichenwagen, Trauerkleidung und Grabsteine, aber auch Kunst, Fotografie und vieles mehr sind dort zu sehen. Im Frühjahr 2014 wurde sie erweitert: Ein eigener Bereich befasst sich mit den Bestattungsriten verschiedener Religionen. Die Frage, wie Migranten auf deutschen Friedhöfen beigesetzt werden, hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Abteilung informiert sowohl über religiöse Traditionen und Rituale als auch über die konkreten Bedingungen, unter denen Angehörige verschiedener Religionen in Deutschland ihre Toten bestatten und betrauern können.

Vorhaben für die nächste Zeit
Der gesellschaftliche Wandel im Umgang mit Sterben, Tod und Bestatten macht es nach 25 Jahren dringend notwendig, die Schausammlung einer kompletten Überarbeitung zu unterziehen.
In der Neukonzeption soll dem Publikum das facettenreiche Verhältnis des Menschen zum Tod vermittelt werden, das sich u. a. durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse, demographische Entwicklungen und die Zuwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen sukzessiv in den letzten Jahren veränderte. Die aktuellen ethischen, soziologischen, medizinischen und naturwissenschaftlichen Fragestellungen im Umgang mit Sterben und Tod sollen verstärkt in die neuen Ausstellungsbereiche einfließen. Sie sollen interaktiv für die unterschiedlichen Besuchergruppen verschiedenen Alters oder unterschiedlicher Herkunft präsentiert werden.
„Dass die Menschen länger leben, verändert unseren Umgang mit dem Tod: Wir reagieren anders, wenn ein alter Mensch stirbt, als wenn jemand jung aus dem Leben gerissen wird,“
so Gerold Eppler. Auch die Rolle der Medien, ihre Berichte über Todesfälle, aber auch der Wandel der Gedenkkultur, sollen künftig stärker thematisiert werden. Ein Rahmenkonzept für die Neufassung ist derzeit in Arbeit.
„Die Endlichkeit des Lebens mag auf den ersten Blick bedrückend sein, aber sie verleiht ihm auch seine unwiederbringliche Einmaligkeit,“ so Gerold Eppler.

Gerold Eppler hat nach Prof. Dr. Reiner Sörries, der im Jahr 2015 das Haus verließ, und nach dem vorzeitigen Ausscheiden des Nachfolgers die kommissarische Leitung des Hauses inne. Derzeit läuft die Suche nach einer neuen Direktorin, einem neuen Direktor Wenn die Leitungsstelle neu besetzt ist, so deutet Gerold Eppler an, könnte das Jubiläumsjahr begangen werden. „Das wäre ein guter Anlass.“

Gefördert wird das Museum von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Hessischen Ministerium
für Wissenschaft und Kunst, der Stadt Kassel, der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Adresse: Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., Stiftung Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur | Weinbergstraße 25–27 | 34117 Kassel | www.sepulkralmuseum.de | info@sepulkralmuseum.de | T. 0561 91893 0 | Fax 0561 91893 10

Aktuelle Sonderausstellung: VITA DUBIA. Über die Ungewissheit des Todes und die Angst, lebendig begraben zu werden Bis 16. April 2017

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