Landwirte erhalten Klimaschutzpreis für ihre Teilnahme am Rebhuhn-Projekt um Bad Zwesten

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Seit dem Jahr 2018 wird jährlich der Klimaschutzpreis für Projekte von Schulen, Vereinen, Gewerbebetrieben und Bürgern im Schwalm-Eder-Kreis verliehen, um herausragende Leistungen zu würdigen und zu fördern. Mit dem Klimaschutzpreis möchte der Schwalm-Eder-Kreis einen zusätzlichen Anreiz für Leistungen schaffen, die im besonderen Maße zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung im Kreisgebiet beitragen. Am vergangenen Montag den 01.02.2021 wurde im Kreistag über die diesjährigen Preisträger entschieden.

„Mit tut es leid, dass die Landwirte oft die Prügelknaben der Nation sind. Umso mehr freue ich mich, dass das großartige Engagement unserer heimischen Landwirte durch den Klimaschutzpreis gewürdigt wird. Ihr vorbildliches Engagement sorgt für biologische Vielfalt und steht uns als Kurort gut zu Gesicht“, betont Bürgermeister Michael Köhler voller Freude.

Kulturlandschaft als Lebensraum

Unsere Landschaft, wie wir sie heute kennen, ist durch die jeweilige Form der menschlichen Landnutzung über Jahrtausende hinweg entstanden. Ohne Landwirtschaft stünden wir heute fast überall im Wald!

Als sogenannte Kulturfolger waren Rebhühner – ehemalige Steppenbewohner – seit Jahrhunderten häufige Charaktervögel der offenen Kulturlandschaft. Diese Situation hat sich inzwischen grundlegend verändert: In ganz Europa sind die Rebhuhn-Bestände dramatisch eingebrochen. Vielerorts ist das Rebhuhn bereits seit Jahrzehnten ausgestorben.

Verlust von Strukturen

Besondere Bedeutung scheint in diesem Zusammenhang der Verlust von Strukturen wie Hecken, Feldgehölzen, Brachen, Rainen und Säumen zuzukommen. Die Beseitigung dieser Strukturen führte meist zur Zusammenlegung von Flächen zu größeren Bewirtschaftungseinheiten. Rückgänge der Insektendichten führten zu schlechter Nahrungsversorgung der Rebhuhn-Küken, welche in den ersten drei Lebenswochen zu hundert Prozent auf Insektennahrung angewiesen sind.

Landwirte sorgen für mehr Strukturvielfalt

Um Bad Zwesten und den angrenzenden Bereichen leben heute noch mehrere Familienverbände der Rebhühner – ein echter Naturschatz, den es streng zu hüten gilt. Hierfür wurde im Jahr 2018 durch die Hessische Biodiversitätsstrategie eigens ein Feldflurprojekt zu ihrem gezielten Schutz ins Leben gerufen.

Seit Beginn des Projektes konnten elf ortsansässige Landwirte gewonnen werden, welche auf ihren Ackerflächen mehrjährige Blühflächen für Feldvögel angelegt und durch diese Maßnahmen einen wertvollen Beitrag zum Biotop- und Artenschutz geleistet haben.

Besondere Blühflächen für die Feldhühner

Ein wesentlicher Baustein der Projektaktivitäten ist die Anlage von mehrjährigen, strukturierten Blühflächen für Bodenbrüter auf landwirtschaftlichen Ackerflächen. Diese Blühflächen unterscheiden sich deutlich von bisher üblichen, meist nur wenige Monate bestehenden Blühflächen in der Landwirtschaft.

Rebhuhn-Blühflächen entsprechen in ihrer Funktion blütenreichen Brachen, wie sie früher fester Bestandteil der Fruchtfolge waren. Für den Landwirt bedeutet die Bewirtschaftung einer solchen Fläche wesentlich weniger Dieselverbrauch durch verringerte Bewirtschaftungsaktivitäten. Die Blühflächen werden nicht jährlich gepflügt, aufwändig das Saatbeet bereitet und wieder eingesät. Stattdessen wird jeweils jährlich nur auf der Hälfte der Fläche eine flache Bodenbearbeitung mit direkter Einsaat der Blühmischung vorgenommen, die andere Flächenhälfte und ihr Aufwuchs bleiben unberührt – dies spart je nach eingesetzter Zugmaschine viele Liter Treibstoff und unterstützt gleichzeitig den Schutz des Bodens vor Erosion.

Auf den Blühbrachen kommen weder Pflanzenschutz- noch Düngemittel zum Einsatz. Dieser Verzicht spart wiederum wertvolle Ressourcen, schont unser Grundwasser und fördert viele Insektengruppen sowie über ein aktives Bodenleben den Humusaufbau im Boden.

Neue Form der Blühfläche etabliert sich hessenweit

Die damaligen Vorgaben und Auflagen im landwirtschaftlichen Förderrecht ließen es bisher nicht zu, mehrjährige, strukturierte und somit für Bodenbrüter optimierte Blühflächen anzulegen, ohne gegen landwirtschaftliches Fachrecht zu verstoßen und finanzielle Sanktionen zu riskieren. Durch die Aktivitäten des Feldflurprojektes um Bad Zwesten konnte eine inzwischen hessenweit einsetzbare Lösung für die interessierten Landwirte gefunden werden.

Inzwischen rund 30 Hektar Blühbrachen

Heute blühen im Projektgebiet zwischen Jesberg, Bischhausen und Kerstenhausen auf rund dreißig Hektar Ackerland mehrjährige, strukturierte Blühflächen für Feldvögel, Feldhasen und Insekten.

Die positiven Effekte der Blühbrachen konnten durch ein wiederholtes Vogel-Monitoring eindrucksvoll bestätigt werden: Von den zu Projektbeginn nachgewiesenen acht Rebhuhn-Revieren ist der Besatz auf mittlerweile stolze fünfzig Rebhuhn-Reviere angewachsen. Rund vierzig weitere Vogelarten sowie der Feldhase profitieren direkt oder indirekt von den Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung.

Der Wunsch, nachhaltige und wirkungsvolle Lebensraumverbesserungen in der Agrarlandschaft zu erreichen war damals wie heute die Triebfeder aller Bemühungen um den Schutz der Rebhühner.

Unterstützung durch die Gemeinde Bad Zwesten

Die Gemeinde Bad Zwesten konnte dahingehend beraten werden, dass sie ihr Mäh- und Mulch Verhalten entlang von Wegen, Säumen und sonstigen Gemeindeflächen deutlich reduziert, bzw. zeitlich nach hinten verschoben hat. Durch dieses vorbildliche Verhalten können weitere Bruthabitate sowie Versteckmöglichkeiten für eine Vielzahl kleiner Lebewesen erhalten bleiben; dies ist besonders in der kritischen Zeit direkt nach der Ernte vielfach überlebenswichtig.

Auf Streifen und Flächen, welche sogar über Winter ungemulcht stehen bleiben dürfen, können sich verschiedene Insekten entwickeln bzw. überwintern. Dies soll gleichzeitig auch Vorbild für privates Verhalten sein, wieder etwas mehr Wildnis und Unordnung zuzulassen und durch gezieltes Nichts- bzw. Weniger Tun die biologische Vielfalt zu fördern.

Freiwilligkeit und Vernetzung als Erfolgsfaktoren

Alle Teilnehmer sind über die Projektkoordinatorin eng vernetzt mit dem Fachdienst Landwirtschaft, dem Regierungspräsidium Kassel, der unteren Naturschutzbehörde, den Kommunen sowie den örtlichen Jägern, Imkern und der Bevölkerung.

Im Rebhuhn-Projekt werden somit amtliche und ehrenamtliche Maßnahmen und Aktivitäten effektiv miteinander kombiniert. Als besonders herausragend ist die freiwillige Teilnahme am Projekt und das Engagement der örtlichen Landwirte zu nennen, gerade sie haben ein großes Interesse an der Erhaltung der regionalen Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft.

Beitrag zum Klimaschutz

Das Feldflurprojekt um Bad Zwesten trägt somit einerseits durch vorbildliche, effektive und nachhaltige Maßnahmen zum Natur- und Artenschutz bei, andererseits trägt es bei zur Verringerung der CO2-Emissionen, zum Ressourcen-, Boden- und Grundwasserschutz sowie auch zur Umwelt- und Bewusstseinsbildung.

Ohne die engagierte Mitarbeit der örtlichen Landwirte wäre die Umsetzung eines solchen Artenschutz-Projektes nicht möglich.

Die Verleihung des Klimaschutzpreises stellt eine große Wertschätzung seitens des Schwalm-Eder-Kreises gegenüber den Aktivitäten von uns Landwirten im Bereich Natur- und Artenschutz dar“ freut sich Ortslandwirt Matthias Michel aus Bad Zwesten, welcher stellvertretend für alle teilnehmenden Landwirte die Bewerbung beim Landkreis eingereicht hatte.

 

Leider konnte die Preisverleihung des Klimaschutzpreises in diesem Jahr nur ohne öffentliche Feierstunde stattfinden.

 

OC von  Gemeinde Bad Zwesten

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