2021 über 300.000 Reptilien nach Deutschland importiert – PETA kritisiert Bundesregierung: „Legaler und illegaler Tierhandel florieren und Deutschland trägt maßgeblich dazu bei”

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PETA kritisiert Bundesregierung: „Deutschland macht sich mitverantwortlich für den Ausverkauf der Natur“

 

Stuttgart, 13. Mai – Neuesten EUROSTAT-Daten zufolge ist die Anzahl der nach Deutschland importierten Reptilien trotz der Coronapandemie noch immer auf einem erschreckenden Hoch: Demnach wurden 2021 insgesamt mindestens 304.043 Reptilien aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland eingeführt. In den Jahren 2018 und 2019 waren es noch rund 170.000 bis 180.000. 2020 sprang die Zahl auf 357.000 Tiere an. PETA übt scharfe Kritik an der Bundesregierung, weil sie weiterhin massenhaft Importe von exotischen Tieren zulässt, darunter neben Reptilien beispielsweise auch Affen, Stinktiere oder Weißbauchigel. Viele von ihnen – Schätzungen zufolge mindestens ein Drittel – sind „Wildfänge“, die direkt aus ihrem natürlichen Lebensraum entführt werden und in deutschen Wohnzimmern landen. Damit steigt auch die Gefahr der Einschleppung gefährlicher Zoonosen. Die Tierrechtsorganisation fordert die Bundesregierung auf, den legalen und illegalen Handel mit exotischen Tieren endlich zu bekämpfen und als ersten Schritt jegliche Wildtierimporte unverzüglich zu verbieten. 

„Der legale und illegale Handel mit exotischen Tieren floriert weiterhin auf Höchstmaß. Die letzten artenreichen Gebiete unserer Erde werden Tag für Tag weiter dezimiert. Die Bundesregierung darf die Interessen der Reptilienbranche nicht weiter bedienen, sondern muss endlich handeln und der Plünderung der Natur einen Riegel vorschieben“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Wir dürfen angesichts dieser besorgniserregenden Entwicklung keine Zeit mehr verlieren – ein Haltungsverbot von exotischen Tieren in Privathand ist dringend notwendig, auch um künftig Pandemien wie Corona zu verhindern.“

 

Pandemierisiko Wildtierhandel

75 Prozent der neu auftretenden Infektionskrankheiten haben einen tierischen Ursprung. [1] Mit 72 Prozent resultiert der größte Teil dieser Zoonosen aus dem Kontakt zu wildlebenden Tierarten. [2] Weitere Beispiele für gefährliche Viren, die in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten von Tieren auf Menschen übertragen wurden, sind SARS, MERS, Ebola, HIV, Bornaviren, Affenpocken und die Vogelgrippe.
 
Zudem bedroht der Wildtierhandel die Artenvielfalt: Laut dem Weltbiodiversitätsrat (IPBES) ist die direkte Ausbeutung der Natur einer der Hauptgründe für das Artensterben. Bei einem großen Teil der gehandelten exotischen Tiere handelt es sich um „Wildfänge“ aus Asien, Afrika und Südamerika. Sterberaten beim Fang und Transport von bis zu 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich. [3] Bereits 2013 wurde zumindest für Wildfang-Importe ein Verbot von der damaligen Großen Koalition im Koalitionsvertrag vereinbart, jedoch nie umgesetzt.

Tiere wie Affen, Schlangen oder Schildkröten sind zudem häufig mit ansteckenden Darmparasiten wie Würmern oder Giardien infiziert, die auch auf den Menschen übertragbar sind. Die meisten Reptilien übertragen Studien zufolge gesundheitsgefährdende Salmonellenarten; geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod führen – vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von exotischen Tieren her. [4]

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
 

[1] One Health: OIE – World Organisation for Animal Health. Online abrufbar unter: www.oie.int/en/for-the-media/onehealth/. (10.05.2022).
[2] Global trends in emerging infectious diseases. – PubMed – NCBI. Online abrufbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18288193. (10.05.2022).
[3] Toland, Elaine / Warwick, Clifford / Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist, Vol. 59 No. 3.

[4] Robert Koch-Institut (2018): Neue Zahlen zu Krankheitslast und Todesfällen durch antibiotikaresistente Erreger in Europa. Online abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Antibiotikaresistenz/Uebersichtsbeitraege/AMR_Europa.html. (10.05.2022).

 

Weitere Informationen:

PETA.de/Neuigkeiten/Corona-Exoten-Import
PETA.de/Themen/Reptilienhandel

 

 

PETA Deutschland e.V. ist mit über 1,5 Millionen Unterstützenden die größte Tierrechtsorganisation des Landes und setzt sich durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise dafür ein, jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen.


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