MT-Nationalspieler verzichtet auf mögliche WM-Teilahme

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Der Kader der deutschen Nationalmannschaft für die im Januar in Ägypten stattfindende 27. Handball-Weltmeisterschaft wird zusehends kleiner. Nach der Absage von Kiels Patrick Wincek und den verletzungsbedingten Ausfällen von Tim Suton, Franz Semper und Fabian Wiede muss Bundestrainer Alfred Gislason auf weitere Eckpfeiler verzichten.

Jetzt hat auch MT-Kapitän Finn Lemke dem Deutschen Handballbund (DHB) mitgeteilt, dass er nicht für die Weltmeisterschaft in Ägypten (13.-31. Januar 2021) zur Verfügung steht. Der Abwehrspezialist gab ähnliche Gründe an, wie Kiels Patrick Wiencek, der aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie bereits vor einer Woche seine Entscheidung bekannt gegeben hat. Hinzukommen nun mit den Kielern Henrik Pekeler und Steffen Weinhold weitere Absagen, wie der DHB am Dienstag bekannt gab.

Finn Lemke, der nach längerer Abstinenz zu den EM-Qualifikationsspielen Anfang November in den Kader zurückgekehrt war, nannte private Gründe. „Ich habe lange mit mir gerungen, aber mit Blick auf meine Familie habe ich mich in der aktuellen Situation schweren Herzens gegen eine mögliche WM-Teilnahme entschieden“, sagt der 28-jährige Abwehrspezialist der MT Melsungen. „Unserer Nationalmannschaft wünsche ich maximalen Erfolg und hoffe, dass das gesamte Team gesund zurückkehrt.“

Im erweiterten, 35-köpfigen Kader der Nationalmannschaft stehen von der MT Melsungen mit Julius Kühn, Kai Häfner, Tobias Reichmann, Timo Kastening und Silvio Heinevetter noch fünf weitere Spieler. Generell möchte Alfred Gislason bis zum 21. Dezember von allen Kandidaten wissen, mit wem er für Ägypten planen kann, um dann den endgültigen WM-Kader festlegen zu können.

In Ägypten werden erstmalig 32, statt wie bisher 24 Teams an den Start gehen. Zudem kann ein Nationalmannschaftskader jetzt bis zu 20 Spieler (bisher 16) umfassen. Das Turnier soll nach einer Pressemeldung der Internationalen Handball Federation (IHF) vom 3. Dezember sogar mit Zuschauern bis zu 30 Prozent der jeweiligen Hallenkapazitäten in Kairo, Alexandria und Giza stattfinden.

Mit Patrick Wiencek, Finn Lemke und Hendrik Pekeler fehlt Gislason der komplette Innenblock der Abwehrformation und mit Steffen Weinhold ein wertvoller 1-gegen1-Spieler im rechten Rückraum. Große Chancen, bei dem Weltturnier im Land der Pharaonen dabei zu sein, hatten außerdem Berlins Fabian Wiede (Rückraum rechts), der sich noch mit den Nachwirkungen einer Schulterverletzung plagt, sowie Flensburgs Franz Semper (Rückraum rechts) und Lemgos Tim Suton (Rückraum Mitte), die nach Kreuzbandrissen mehrere Monate ausser Gefecht sind.

Geerken: „Wir empfehlen diese Reise nicht“

“Angesichts des ab Mittwoch geltenden deutschlandweiten Lockdowns und der WM-Absagen einiger Spieler ist damit zu rechnen, dass jetzt weitere Spieler ihre ursprünglich signalisierte Bereitschaft noch einmal überdenken”, mutmaßt Axel Geerken. Der MT-Vorstand zeigt Verständnis: “Die Nationalmannschaft hat zweifelsohne die größte Strahlkraft für unsere Sportart. Aber man muss auch die jetzige, weltweite Pandemiesituation zur Kenntnis nehmen. Und so ist es nur allzu verständlich, wenn die Spieler nun abwägen zwischen dem großen sportlichen Anreiz, an einer WM teilzunehmen, und der Inkaufnahme eines erhöhten Infektionsrisiko mit möglichen Auswirkungen auf die eigene Gesundheit. Wir als Verein raten deshalb von einer Reise in ein Land ab, welches die Weltgesundheitsorganisation hinsichtlich der COVID-19 Ausbreitung nach wie vor als ‘stark betroffenes Risikogebiet’  einstuft”.

Gislason: „Jede Absage ist auch eine Chance“

In der DHB-Meldung vom Dienstag äußern sich auch Bundestrainer Alfred Gislason und DHB Sportvorstand Axel Kromer zur neuen Lage der Nationalmannschaft.

„Sportlich schmerzen uns natürlich die weiteren Absagen von Finn Lemke, Steffen Weinhold und Hendrik Pekeler. Alle haben mir im persönlichen Gespräch ihre Beweggründe erklärt. Dafür habe ich Verständnis, allerdings ergibt sich daraus auch ein klares Bild für unsere weitere Arbeit“, sagt Gislason. „Wir werden jetzt mit anderen Spielern planen und investieren weiterhin alles, um bei der Weltmeisterschaft in Ägypten das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Ich sehe das pragmatisch: Jeder Verlust ist auch eine Chance.“

„Wir haben unsere Nationalspieler gebeten, sich zu einer WM-Teilnahme zu positionieren und können uns nur wiederholen: Wir respektieren die jeweiligen Entscheidungen. Wir freuen uns aber auch, dass es zahlreiche zustimmende Rückmeldungen gegeben hat, und gehen weiterhin davon aus, eine starke und erfolgshungrige Nationalmannschaft stellen zu können“, sagt Axel Kromer, Vorstand Sport des Deutschen Handballbundes.


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