Hessische Polizei unter Generalverdacht – Landespolizeichef tritt zurück

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Lesedauer 3 min

Die hessische Politik und Justiz werden gerade durch einen Vorfall umgetrieben, der ehrlich gesagt unschön ist. Eigentlich schon eine bedenkliche Seite zeigt. Die Politikerin der Linken Janine Wissler hat eine Drohmail erhalten. Und als wenn das nicht schlimm genug wäre, wurde diese Mail vermutlich auf Basis von kurz vorher bei der Polizei abgerufenen personenbezogenen Daten verfasst. Von einer IP abgerufen, die einem Polizeirechner zugehörig war.
Nun liegt der Verdacht auf der Hand, dass eben nur ein Polizist für diese Mail verantwortlich sein kann, ergo die hessische Polizei rechtsextrem sein muss und alle hessischen Polizisten ein Fall für den Staatsschutz wären.

So der allgemeine Tenor, der auf dem ersten Blick nicht von der Hand zu weisen ist. Immerhin stehen vernetzte Polizeirechner mit Recherchefunktion nicht unbedingt in jeder Tiefgarage oder jedem Park. Hier gewisse Zusammenhänge verleugnen zu wollen, verbietet die Logik. Daher muss hier jemand mit Zugang zum Rechner eben diese Rechercheabfrage gemacht haben. Möglicherweise auch ein Polizist. Zumindest jemand, der wie auch immer Zugang zu diesem Rechner hatte. Denn der, dem der Rechnerzugang gehörte, war es nicht wie das LKA in Wiesbaden herausfand.
Und das ist eigentlich unmöglich, außer für denjenigen, der gerade angemeldet war oder ist. Und sollte der mal weg sein, dann kommt die Sperre nach einer gewissen Zeit. Oder man meldet sich ab. Wenn das so gehandhabt wird, dann kann auch nur derjenige am Rechner arbeiten, der angemeldeter Nutzer ist. So die saubere Logik. So die stilvollendete Theorie. So die Vorschrift.

In der Praxis sah und sieht das vielerorts aber etwas anders aus. Mitunter ganz anders. Da bleibt der Rechner für alle offen, damit durch die dienstliche Hektik immer jeder und jederzeit an den wichtigen Rechner kann. Denn nicht jeder hat einen… Und hier versagen dann Theorie, Logik und Vorschrift. Nicht nur bei der Polizei. Auch anderswo. Und wenn wir ehrlich sind, kennt jeder diese Art von laissez faire in Sachen IT-Sicherheit.

Und dann ist da die Theorie vom sicheren Password. Gerne so geschrieben: 1234, Juli-2020 oder Neues-Passwort-54. Je nach Vorgabe. Manchmal sagt das System das Passwort auch vor: „Geben sie Password ein“!
Und wenn es wirklich kompliziert wird, dann schreibt man es auch gern mal unter die Maus oder die Tastatur. Natürlich stets aktuell. Denn niemand will den Admin anrufen, weil man sich mal selbst wieder ein Bein gestellt hat.

Darf nicht vorkommen. Sollte auch nicht vorkommen. Kommt aber vor. Auch bei der Polizei.

Dass die Putzfrau einen offenen Rechner für Recherchen nutzt, ist möglich, nicht ausgeschlossen aber eher unwahrscheinlich.
Dass ein Besucher, Zeuge, Sonstwer den Rechner genutzt hat ist genauso einzustufen. Auch Handwerker fallen hier eher in die gleiche Wahrscheinlichkeitskategorie.
Dass ein im Revier ständig ein- und ausgehender Beamter das könnte, ist eher wahrscheinlich, nicht auszuschließen und könnte sehr wahrscheinlich wirklich wahr sein. Soviel Ehrlichkeit muss sein!
Nur beweisen kann man es nicht. Und hier fängt es an spannend zu werden, denn es beginnt das übliche Polizei-Bashing. Leider auch beflügelt von anderen Vorkommnissen.

Natürlich kann man nun den Beamten vorwerfen selbst schuld zu sein. Passwörter haben ihren Grund. Und dass jeder nicht das gleiche hat ist auch irgendwie begründet. Doch hier hilft der Blick in den Spiegel.
Jetzt zu sagen, dass alle Polizisten solche Recherchen anstellen ist wieder dem Zeitgeist geschuldet. Genauso wie beim KSK in Calw gibt es eine geneigte Lobby, die gern alle Uniformträger unter Generalverdacht stellt. Sie allesamt zu schwarzen Schafen macht. Alle diffamiert. Und das läuft auch gerade bei der hessischen Polizei.

Dass so ein Feigling seine Tat auf Kosten von Kollegen machen konnte, ist schlimm genug. Eine wahre Zierde für Charakter, Haltung und Ehre. Ein Kollege, den man gern um sich hat. Dem man allseits nur das Allerbeste wünscht. Und den man allabendlich dafür in seine Gebete einschließt so etwas vollbracht zu haben. Als Tat an sich wie auch vom Tathergang her.
Wenn es helfen würde diesen Täter jetzt vom Blitz treffen zu lassen, wären wohl reichlich Spenden da, um eine Zweizentnerkerze zwecks Fürbitte in die Kirche zu rollen…

Allein die Betroffenheit unter den hessischen Polizisten, die nun eine wahrhaftige Orgie von IT-Sicherheitsbelehrungen und –schulungen über sich ergehen lassen müssen, ist eigentlich ein deutliches Zeichen, dass der Generalverdacht absurd ist.
Es ist aber auch ein Indiz dafür, dass sich jeder hessische Polizist nun durch eben diese Maßnahmen gemaßregelt sieht. Sich in Sippenhaft sieht. Zu Unrecht diffamiert.

Wenn man mal ausschließt, dass eine ganze Polizeiwache kollektiv diese Recherche gemacht und verwendet hat, dann ist die Zahl der Täter in diesem Fall gleich die Summe aller hessischen Polizisten minus eins (1)! – Sic!

Natürlich muss man auch ins Kalkül ziehen, dass es mehrere Täter gibt. Denn auch in anderen Fällen haben Drohmailschreiber auch auf Polizeidaten zugegriffen. Das ist dokumentiert. Leider nicht personenbezogen dokumentiert. Hier war wohl die Kontroll-Software wieder einmal zu teuer.
Und dass das so nicht sein darf, ist unbestritten. Nur darf es nicht dazu führen, eine gesamte Landespolizei zu diffamieren. Niemals!
Es würde reichen Geld in die Hand zu nehmen und die nötige Software zu installieren. Landesweit, einheitlich und gleichzeitig. Komischerweise wollte man das aber nicht.
Und dass nun der Landespolizeichef Udo Münch zurücktritt, ist das falsche Signal. Es ist mal wieder der Kniefall vor Leuten, die nicht wissen was sie selbst tun können, sollen oder müssten.
Denn eins ist klar. So wird sich das innere Gefüge nicht wieder auf die Bahn bringen lassen. Im Gegenteil. Das ständige unsachgemäße Polizei-Bashing führt zum Schulterschluss aller Polizisten. So wird sich keine neutrale Fehlerkultur und –selbstkorrektur aufbauen lassen. Eher das Gegenteil wird der Fall sein.

Zum Schluss noch zwo Anmerkungen:

  • IT-Sicherheit hat schon eine gewisse Existenzberechtigung, oder? Sie dient auch dem Eigenschutz. Und besonders dem Schutz der Gemeinschaft.

Liebe(r) Rechercher*in, liebe(r) Mailschreiber*in. Bei meinem nächsten Besuch im Kölner Dom werde ich eine Kerze für Dich aufstellen. Mit der ausdrücklichen Bitte, dass Dich der Blitz beim Sch… treffen möge.
Oder, dass Du die Einsicht findest, Dich selbst zu melden. Da Du gerne schreibst, wäre doch so ein Artikel wie dieser viel besser für Dich als anonyme Mails zu verfassen. Satire, Glosse und andere kreative literarische Kunstwerke sind doch viel besser geeignet als so eine hastig hingetippte Mail und Schweiß auf der Stirn bei der Recherche an sich. Da kannst Du aus dem Vollen schöpfen. Mit ein wenig richtiger Recherche gewisse Zeitgenossen da treffen, wo es weh tut. Und die können sich noch nicht mal wehren, wenn Du bei der Wahrheit bleibst. Und da hätte Dein prominentes Opfer so viele Ansatzpunkte zu bieten gehabt. Tztztz…traurig, wenn man sein andersartig gelegenes Talent womöglich(!!) fürs Polizeidasein opfert. Denn in der Polizei hast Du leider rein gar nichts verloren.
Möge Dir ein Licht aufgehen! – Oder der Blitz zuschlagen… ist mir eigentlich wurscht, wie man in Hessen sagt.


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