Bundeswehr im Hochwassergebiet: Überall sichtbar und überall bereit zu helfen

Überfluteter Friedhof

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Beim Hochwasser in NRW und Rheinland-Pfalz werden immer noch Opfer gesucht und geborgen. Die zivilen Rettungs- und Einsatzkräfte ringen um jedes Leben kommen aber zunehmend an ihre Grenzen. An menschliche, technische oder auch an mit ihren Mitteln machbare Grenzen. Denn auch der sog. Zivilschutz, an dem leider seit Jahren gespart wurde, hat keine unendlichen Mittel und Möglichkeiten. Das wird auch jetzt im Hochwasser wieder deutlich.

Für diesen Fall sieht unsere Verfassung auch den Einsatz der Bundeswehr im Inneren vor. Immer dann, wenn Landräte, Oberbürgermeister oder Länderchefs eben diese Bundeswehr als Hilfe anfordern.

Für diesen Fall hat das BMVtg seit fast zwanzig Jahren vorgesorgt. Erst kürzlich wurde die Kommandoorganisation nochmals optimiert und mit den Landeskommandos auf eine schlagkräftigere Einsatzebene gebracht. Diese Kommandos koordinieren und führen den Einsatz aller angeforderten und zugeführten Bundeswehreinheiten mit den jeweiligen Einsatzstäben der Länder und Kreise.

Was kommt und eingesetzt wird obliegt dabei dem, was Kreise und Länder anfordern. Und was sie anfordern können, was die Bundeswehr überhaupt hat, können sie bei ihren Kreisverbindungskommandos erfragen, die den Landeskommandos direkt untergeordnet sind.
Die Kreisverbindungsoffiziere mit ihren Teams, allesamt aus Reservisten bestehend, die durch gemeinsame Übungen ihren jeweiligen Pendants in Kreisen und Ländern bestens bekannt sind, beraten hier fachkundig.
Jetzt zeigt sich der Wert einer schon im Vorfeld aufgebauten, mit den jeweiligen Einsatzstäben vor Ort schon verzahnten und über Jahre gewachsenen (auch persönlichen) Beziehung zu Entscheidungs- und Bedarfsträgern.

Natürlich müssen die Verbindungsoffiziere aufgrund dem dann überall sprunghaft steigenden Bedarf und die damit einhergehenden Hoffnungen auch Erwartungen dämpfen. Die Bundeswehr hat keine 500.000 Mann mehr, ist nicht mehr überall vor Ort präsent und das wirklich nutzbare Gerät in zivilen Kriseneinsätzen ist auch stark reduziert worden. 

Was aber oft sofort geschickt werden kann ist „Manpower“. Dicht gefolgt von Pioniergerät und geländegängigen Fahrzeugen, die watfähig sind. Auch durch tiefes Wasser fahren können. Selbst in übelst verschlammten Gegenden noch durchkommen.
Dazu kommen Hubschrauber und alles, was sich mit ihnen transportieren lässt. Oder auch abtransportieren und bergen lässt – unabhängig von den Zufahrtswegen.
Letzteres wurde erstmals im größeren Stil vom damaligen Innensenator von Hamburg, Helmut Schmidt initiiert. Er forderte damals einfach – ohne Rechtsgrundlage – im Elbhochwasser Hubschrauber der NATO an.
Seit diesem Tag waren und sind sie ein gewohnter Anblick in Krisengebieten. Oft die letzte Rettung für Mensch und auch Tier.

Sehr begehrt, aber nicht überall und auch nicht unbedingt schnell verfügbar, sind die Pionier- und Bergepanzer der Pioniertruppen, die notfalls auch mit Tauchschächten versehen in vier Meter tiefen Wasser, quasi „getaucht“ arbeiten können. BÜFFEL und DACHS räumen dort die Straßen, Wege und Flächen, wo kein Bagger mehr hinkommt. Können sich selbst in starken Strömungen noch mit ihren 60-Tonnen-Eigengewicht halten und weiterarbeiten. Dämme stabilisieren oder Löcher flicken.

Dazu kommen Sanitäter und Rettungskräfte, die mit dem fast schon berühmten UNIMOG (Abk. für Universelles Motorgerät…) tiefwatend die Straßen abfahren und dort helfen, wo sie gebraucht werden. Viele der nun sichtbaren kastenartigen KrKw der Sanitätstruppe sind über 40 Jahre alt. Vielleicht ein Punkt, über den man einmal reden sollte. Auch hier ist die Bundeswehr nicht mehr „state of the art“. Nur sieht es hier der Bürger einmal mit eigenen Augen.

Nun sind hunderte von Soldaten im Einsatz. Viele meiner Kameraden aus der Reserve und aktiven Dienst stehen nun wieder Seite an Seite mit denen, die immer schon diese Aufgabe hatten. Und dazu musste man sie oft noch nicht einmal auffordern. Sie meldeten sich bei den zuständigen Dienststellen freiwillig und sofort als nötige Hilfe für sie sichtbar wurde.
Zuständige Verbindungselemente waren zum Teil schon vor der offiziellen Aktivierung durch die Landeskommandos unterwegs zu „ihren“ Kreisen.

Diese im Schatten der Auslandseinsätze aufgebaute Organisation zur Katastrophenhilfe im Inland war nie im Fokus der Medien und daher weitgehend unbeachtet in der Öffentlichkeit. Dennoch hat die Bundeswehr hier erhebliche vorbereitende Anstrengungen unternommen, um exakt solche Fälle wie jetzt in NRW und RP unterstützen zu können.
In Standorten waren Alarmordner mit Blankofahrbefehlen. Es gibt umfangreiche Datenbanken zu Risikoobjekten und zur Straßenlage. Die örtliche Verfügbarkeit von geeigneten und einsatzfähigem Großgerät ist hochaktuell für Stäbe einsehbar. 

Dazu kommt die Motivation hier nicht in fernen Ländern irgendwem zu helfen, sondern den eigen Leuten im Land. Ihre Not abzufedern und zu lindern. Ihre Eigentum zu sichern. Ihre Familien zu retten. Gern auch mit Hund und Katze, soweit Kapazitäten verfügbar sind.

Dazu kommen tausende Nutztiere, die in Priorität Zwo, nach dem Menschen, zu retten und zu bergen sind. Oder auch deren Kadaver schnell zu beseitigen sind, bevor Seuchen ausbrechen. Gerade bei sommerlichen Temperaturen.

Und wenn das dann alles steht, kommt auch noch die ABC-Abwehrtruppe und hilft bei der verstopften Kanalisation, richtet Wasserfilteranlagen ein und/oder sichert die Trinkwasserversorgung auch dort, wo sonst nichts mehr fließt.

Wieder einmal zeigt sich, dass die Bundeswehr immer dann sofort und mit Masse verfügbar ist, wo sie gebraucht wird. Als einzige Option schnell und kompetent Hilfe in der Fläche anbieten zu können. Den Staat als Helfer sichtbar werden zu lassen.
Zusammen mit Feuerwehr, Polizei, DRK, THW und Zivilschutz bildet die Bundeswehr ein starkes Gespann zum Schutze aller, die in Not geraten. Egal ob zuviel Wasser, Schnee oder Wind. Oder bei Großfeuern. Die Bundeswehr hält Personal und Material bereit, um dort zu helfen, wo der Bürger in Not ist. Gefahr für Leib und Leben besteht.
Und das, wie das Freiwilligenaufkommen der Reserve zeigt, nicht nur mit aktiven Soldaten.

 

Semper Fidelis, Kameraden. Und ein dickes DANKE!

 

Hier Fotos aus dem Einsatz, die uns von Soldaten vor Ort erreichten. Danke dafür!

 

 

 

 

 

 

 

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