Gedenken an Pogromnacht 1938: Kassel stellt sich Geschichte

Kranzniederlegung auf dem Alten Jüdischen Friedhof, Fasanenweg, Bettenhausen, am Jahrestag der Reichsprogromnacht (09.11.1938). Aufnahmedatum: 09.11.2020 Hier: Oberbürgermeister Christian Geselle

image_pdfimage_print

Kranzniederlegung auf dem Alten Jüdischen Friedhof, Fasanenweg, Bettenhausen, am Jahrestag der Reichsprogromnacht (09.11.1938).
Aufnahmedatum: 09.11.2020
Hier: Oberbürgermeister Christian Geselle

Im Gedenken an die Pogromnacht 1938 haben Stadt und Jüdische Gemeinde auf dem alten jüdischen Friedhof im Fasanenweg am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus Kränze niedergelegt. „Wenn wir uns an diese schrecklichen Geschehen erinnern, können uns nicht davor verschließen, dass unsere Stadt damals aktiv an diesen Verbrechen beteiligt war bzw. sie geduldet hat“, machte Oberbürgermeister Christian Geselle zu diesem Anlass deutlich.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland hunderte Synagogen. Von der NSDAP initiiert, wurden zudem tausende jüdische Geschäfte zerstört und Friedhöfe geschändet. Viele Jüdinnen und Juden wurden verschleppt und ermordet. Die Pogromnacht gilt als Auftakt der systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland und Europa. Rund sechs Millionen Jüdinnen und Juden verloren im Holocaust ihr Leben.

In Kassel fanden die Ausschreitungen allerdings schon am 7. November 1938, also zwei Tage vorher statt. Gewalttäter drangen in die Synagoge ein, brachen den Thora-Schrein auf und steckten Gebetsrollen und Kultgegenstände in Brand. Das Gebäude blieb zunächst unversehrt, allerdings nicht lange: Die im Nationalsozialismus gleichgeschaltete Stadtverwaltung ließ die Synagoge kurze Zeit später „abtragen“, um dort einen Parkplatz zu errichten. Die Gemeinde wurde zerschlagen.

„Weshalb widersprachen damals so wenige Menschen, warum sahen sie weg, warum erhob sich kein Protest, als die Juden in Deutschland verhöhnt, isoliert, drangsaliert, enteignet, verfolgt und ermordet wurden?“, fragte der Oberbürgermeister. Heute indes, 82 Jahre später, stellten wir uns diesen Verbrechen und dem Schrecken der Vergangenheit, genauso wie den daraus folgenden Verpflichtungen für die Gegenwart und Zukunft. Diese Verpflichtungen und das Gedenken an die sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden verbänden uns heute. Beschämend sei, dass Synagogen und andere jüdische Einrichtungen immer noch und wieder verstärkt beschützt werden müssten. Und nicht zulassen werde man, „dass die Corona-Pandemie, die uns alle, unsere Stadt, unser Land, ja die ganze Welt vor große Herausforderungen stellt, missbraucht wird, um Antisemitismus zu befeuern und unsere Gesellschaft zu spalten.“ Mehr denn je würden Solidarität und Zusammenhalt gebraucht, so der Oberbürgermeister abschließend.

Aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen wegen der Pandemie hatte es in diesem Jahr keine öffentliche Gedenkveranstaltung gegeben.

documenta-Stadt Kassel


Posts Grid

Verkehrstote im September 2020: Kaum Veränderung gegenüber September 2019

WIESBADEN – Im September 2020 sind in Deutschland 271 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben gekommen. Wie…

Fernseher gegen geparkten Streifenwagen vor Revier Ost geworfen: Zeugen gesucht

(ots) Kassel-Bettenhausen: Eine ungewöhnliche Sachbeschädigung ereignete sich in der Nacht von Freitag auf Samstag vor…

Stadtbus Melsungen mit Elektroantrieb unterwegs – Erster Elektrobus in Nordhessen im Linienbetrieb

Seit einigen Wochen ist in Melsungen der neue, jetzt elektrisch betriebene Stadtbus auf der Linie…

Bei Suche nach vermisstem Mädchen: Unverkennbarer Geruch macht Streife auf Cannabisplantage in Wohnung aufmerksam

(ots) Kassel-Wesertor: Bei der Suche nach einer vermissten Zwölfjährigen überprüfte eine Streife des Polizeireviers Mitte…

Internationale Begegnung in den Zeiten von Corona

Internationale Begegnungen eröffnen neue Horizonte. Auch in den schwierigen Zeiten der Pandemiebewältigung bietet das Kommunale…

MT Melsungen blickt ungewiss aufs kommende Spiel

Die Bundesliga-Handballer der MT Melsungen, bis einschließlich Dienstag, 24. November, in häuslicher Isolation, sollten eigentlich…

Warnung vor betrügerischen Phishing-Mails

(ots) Durch gefälschte E-Mails, auf dem Postweg oder am Telefon versuchen Internetbetrüger an Zugangsdaten von…

Fahrrad-, Spielstraße, verkehrsberuhigter Bereich: Das gilt für Autofahrer, Fußgänger und Co.

Fahrradstraße, verkehrsberuhigter Bereich oder Spielstraße – die Begriffe kennt jeder, doch welche Beschilderung gibt es…

Haftung bei Kollision einer Kuh mit geparktem Fahrzeug

Koblenz/Berlin (DAV). Werden Kühe von einer Weide auf die andere getrieben, muss der Landwirt vorsichtig…

„Bei dieser Wahl zähl‘ ich! Mit Dir?“: Stadt Kassel wirbt um 2.200 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer

Endlich wählen! Nicht nur der Erwerb des Führerscheins, sondern auch das aktive und passive Wahlrecht…

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu. Datenschutzerklärung