Schule unter Pandemie-Bedingungen: Wie die neue Normalität Lehrer und Schüler belastet

Bildunterschrift: In diesem Jahr bereitet die Pandemie den Schülern zusätzlichen Stress. Copyright: www.oberbergkliniken.de Fotograf: julia-m-cameron Pexels / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/134684 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Oberberg Kliniken/Fotograf_julia-m-cameron_Pexels"

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(ots) Die Corona-Pandemie hat auch die gewohnten Schulstrukturen von heute auf morgen aufgebrochen und sorgt mit steigenden Infektionszahlen weiter für Besorgnis: 100 Prozent Fernunterricht führte vor allem zu überforderten Eltern und Kindern und Jugendlichen. Teils gestresste und verunsicherte Lehrer fühlten sich mit dem Digitalisierungsdruck durch Homeschooling überfordert und alleingelassen. Die Rahmenbedingungen verändern sich durch neue Aufgaben, Vertrautes muss aufgegeben werden. Auch wenn gerade viele Eltern aufatmen, dass die Schulen wieder starten, ist für Lehrer sowie Schüler keine Entspannung in Sicht. Im Gegenteil. Zurück zur „neuen Normalität“ bedeutet für sie weitere Herausforderungen und Belastungen, die im extremen Fall bis zum Burnout bei Lehrern oder Belastungssymtomen bei Kindern führen können: Maskenpflicht, Hygienepläne, Abstandsregeln, Raumenge, Gruppendichte, Lehrplanerfüllung oder Lernstoffaneignung… Besonders die Unsicherheit, wie man am besten sowohl dem zu Lehrenden und zu Lernendem als auch den präventiven Hygieneempfehlungen genügen kann, d. h. möglichst „normale“ Schulabläufe ohne erhöhtes Infektionsrisiko für sich und andere realisieren kann, wird viele Lehrerinnen und Lehrer sowie Kinder und Jugendliche stark belasten.

Warum gerade Lehrer häufig im Burnout landen

Schon vor der Pandemie und ihren zusätzlichen Herausforderungen war die Situation für Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland schwierig. Durch die Pandemie wird sie nun noch verschärft. Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Matthias J. Müller, Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer der Oberberg Gruppe, weiß: „Der Anspruch an sich selbst, Schülern möglichst viel beizubringen, verpassten Stoff aufzuholen in der Pandemiezeit, bedeutet eine Belastung. Genauso der Druck durch die Schließung der Präsenzschulen – häufig unvorbereitet – Ersatzprogramme zu etablieren und jetzt der Druck, die Schulen neben anderen Bildungseinrichtungen wieder zu öffnen.“

Darüber hinaus führen außergewöhnlich hohe Interaktionsdichte zwischen Schülern und Lehrern, manchmal mangelnde Kooperation unter Kollegen und Kritik an der eigenen Arbeit schnell zu dauerhaftem Stress, der schließlich die Gesundheit gefährden kann. „Nicht unterschätzen sollte man zudem die seit Jahren rückläufige öffentliche Akzeptanz des Lehrerberufs, die vielerorts schlechten personellen und strukturellen Ausstattungen von Schulen und die häufig fehlenden klaren Kommunikationen auf Länderebene“, so der Oberberg-Experte.

Wie sich die Pandemie auf Kinder und Jugendliche auswirkt

Kinder und Heranwachsende sind in Zeiten einer Pandemie seelisch mehr verwundbar. Der neue Schulalltag führt zu verschiedenen Unsicherheiten. „Mit Beginn des neuen Schuljahres stehen neben der Sorge um das zu Lernende und die Wissensvermittlung vor allem Unsicherheiten und Ängste hinsichtlich neuer Abstandsregeln und Hygienevorschriften im Fokus der Schüler. So wurde zunächst eine Maskenpflicht in vielen Schulen eingeführt, die dann wieder wegfiel. Die Befürchtung, etwas falsch zu machen, stresst viele zusätzlich. Ebenso wie der Entfall von Lehrerinnen und Lehrern, die zur Risikogruppe gehören und bisher ihre Bezugs- und Vertrauenspersonen darstellten. Schließlich kommt noch die Angst hinzu, selbst zu erkranken“, erklärt Dr. med. Ewa Cionek-Szpak, Chefärztin der Oberberg Fachklinik Wasserschlösschen.

Symptome, die auf ein Burnout hinweisen können

Der Begriff „Burnout“ geht einher mit einem dauerhaft hohen Stresspegel und Überlastung und wird mit den Menschen in Verbindung gebracht, die sich durch hohes Engagement und starken Leistungsdruck auszeichnen. Wie sich ein Burnout schließlich bemerkbar macht, kann unterschiedlich sein: Psychische Symptome wie Lustlosigkeit, Gereiztheit und Versagensängste sowie körperliche Merkmale wie Konzentrations- und Schlafstörungen, Nacken- und Rückenprobleme, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden können Zeichen sein. Das Gefühl von Erschöpfung und Leere sowie der Wunsch nach Zurückgezogenheit sind außerdem häufig erste Warnzeichen. Unbehandelt kann Burnout zu manifesten Erkrankungen führen, wie zum Beispiel zu Depression.

Wie sich Stress bei Kindern zeigt

Erste Studien zeigten eine Reihe an emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten. Ob sich daraus Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und Depression entwickeln werden, muss in kommenden Monaten untersucht werden. Ziehen sich Kindern plötzlich zurück, sind sie häufiger niedergeschlagen, klagen sie über körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen oder leiden sie unter Einschlaf- und Konzentrationsstörungen, können dies erste Überforderungs- und Stressanzeichen sein.

Rechtzeitig vorbeugen

Doch es gibt Strategien, um vorzubeugen. So hat ein Team aus Experten in der Oberberg Fachklinik Düsseldorf Kaarst ein Frühinterventionsprogramm für stressbedingte psychische Störungen entwickelt. „Unser evidenzbasiertes Programm ermöglicht anamnestische Untersuchungen und Tests zur Burnout-Diagnostik sowie eine engmaschige Anbindung an Psychotherapie, Sport und Bewegung, Achtsamkeits- und Entspannungsübungen für eine optimale Genesung“, so Prof. Dr. Christian Lange-Asschenfeldt, ärztlicher Direktor und Chefarzt der Oberberg Fachklinik Düsseldorf Kaarst. Ziel ist es, mit den Betroffenen Strategien zur besseren Bewältigung und Linderung der psychischen Belastung zu erarbeiten. Werden Warnzeichen rechtzeitig erkannt und können entsprechende Bewältigungsstrategien angewendet werden, kann die Rückfallquote reduziert werden.

Sollten Stress- und Überforderungssymptome bei Kindern und Jugendlichen über längere Zeit bestehen oder im Laufe der Zeit deutlich zunehmen, kann es sinnvoll sein, einen Experten zu Rate zu ziehen. Neben klassischen werden auch alternative Fachtherapien und Entspannungsverfahren bei den Oberberg Fachkliniken angewandt. „Wir machen die Erfahrung, dass vorhandene Kompetenzen junger Menschen durch kreative Angebote wie Kunst- und Gestalttherapie, Entspannungsverfahren und Tiergestützte Therapien gestärkt werden können, was sich positiv auf die Handlungsfähigkeit im Alltag auswirkt“, so Dr. med. Ewa Cionek-Szpak. Außerdem haben die Patienten die Möglichkeit auf individuell abgestimmten Schulunterricht, so dass der Anschluss an den Stoff der Schulklasse nicht verloren geht.

Über die Oberberg Gruppe: Die Oberberg Gruppe mit Hauptsitz in Berlin ist eine vor mehr als 30 Jahren gegründete Klinikgruppe mit verschiedenen Kliniken im Bereich Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie an unterschiedlichen Standorten verteilt über ganz Deutschland. In den Kliniken der Oberberg Gruppe werden Erwachsene, Jugendliche und Kinder in individuellen, intensiven und innovativen Therapiesettings behandelt. Darüber hinaus existiert ein deutschlandweites Netzwerk aus Oberberg Tageskliniken, korrespondierenden Therapeuten und Selbsthilfegruppen.

 

Original-Content von: Oberberg Kliniken

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