Mülltrennung: So kommt der Hausmüll auf den richtigen Entsorgungsweg

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Das Umweltbundesamt hat eine sehr spannende Studie veröffentlicht. 2.800 quer über das Land verteilte Restmülltonnen wurden stichprobenartig per Hand sortiert.

Ein positives Ergebnis dieser großen Studie war, dass im Jahr 2020 im Gegensatz zu 1985 nur noch ca. halb so viel Restmüll anfällt. Die aktuelle Studie belegt, dass pro Person ca. 130 kg Restmüll im Jahr anfallen. 1985 waren es noch ca. 240 kg pro Person und Jahr.

Leider belegte die Studie auch eine sehr mangelhafte Trenngenauigkeit, die leider auch in unserem Landkreis durchaus festzustellen ist, merkt Umweltdezernent Dr. Wallmann an.

Im Bundesdurchschnitt bestehen die Abfälle in der Restmülltonne zu ca. 50% aus Wertstoffen, für die es auch getrennte Entsorgungswege gibt. Im Werra-Meißner-Kreis besteht ein sehr gutes Angebot Wertstoffe und Schadstoffe den Vorgaben entsprechend und umweltschonend komfortabel zu entsorgen. Daher muss ein so hoher Wertstoffanteil in der Restmülltonne nicht sein.

Um die Zuordnung der Wertstoffe zu den Sammelsystemen zu erleichtern, hat der Werra-Meißner-Kreis eine kleine Übersicht über die Abfallsorten und ihre Entsorgung zusammengestellt:

 

Was ist Restmüll?

Restmüll wird in den meisten Fällen thermisch verwertet. Aus dem Restmüll des Werra-Meißner-Kreises wird zunächst ein sogenannter Sekundärbrennstoff hergestellt, der Primärbrennstoffe wie Öl oder Gas ersetzt und im Heizkraftwerk der B +T Energie GmbH in Witzenhausen zur Energiegewinnung eingesetzt wird.

Wertstoffe werden hingegen recycelt, ersetzen Rohstoffe und stellen so einen wichtigen Beitrag zum Ressourcenschutz dar. Die stoffliche Verwertung der Wertstoffe, d.h. die Herstellung neue Produkte ist daher in jeden Fall der thermischen Nutzung vorzuziehen.

Mit genauerem Abfalltrennen könnte die Restmüllmenge also nochmal um die Hälfte verringert werden, gibt Dr. Wallmann zu bedenken.

Würde man alle Wertstoffe sauber trennen, was bliebe dann noch von der Definition als Abfall übrig?

  • Hygieneartikel wie z.B. Windeln oder Wattepads,
  • Feinmüll wie z.B. Straßenkehricht, Staubsaugerbeutel, Zigarettenreste oder Asche,
  • Haustierkot,
  • Gebrauchsgegenstände ohne Akku oder Kabel wie zum Beispiel Haushaltsdekoration, Bürsten, Zahnbürsten, Kinderspielzeug, Regenschirm, Porzellan und Keramik,
  • Reste vom Renovieren wie z.B. abgetragene Tapeten, ausgetrocknete Dispersionsfarben, Malerfolie oder Klebeband.

 

Was wird im Gelben Sack/ gesammelt?

In die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack gehören nicht alle Wertstoffe, sondern nur Verpackungen. Was genau ist darunter zu verstehen ist, ist gar nicht so einfach, berichtet die Umweltberaterin des Werra-Meißner-Kreises, Frau Maxisch.

Die Faustregel: Im Grunde lässt sich sagen, Verpackungen, die nicht aus Papier und Glas sind, gehören in die Gelben Tonne oder den Gelben Sack! In der Abfallwirtschaft spricht von sogenannten Leichtverpackungen, also alles, was aus Kunststoff, Metall oder Verbundstoffen besteht und ein Produkt schützt.

Um den Verbrauchern die Mülltrennung zu erleichtern, wurden bestimmte Symbole eingeführt, die zeigen sollen, welcher Gegenstand wo entsorgt werden soll. Hierzu zählte bei Einführung dieses Sammelsystems beispielsweise der Grüne Punkt. Es gibt jedoch noch weitere Symbole und manche Verpackungen haben keine spezifischen Zeichen. Somit gehören nicht nur Verpackungen mit dem Grünen Punkt in den Gelben Sack. Auch andere Einwegverpackungen müssen hier entsorgt werden.

Die Verpackungen sollten möglichst komplett leer sein, als Orientierung heißt es immer: Restentleert und löffelrein. Sie sollten aber nicht ausgespült werden. Denn der Wasser- und Spülmittelverbrauch belastet die Umwelt unnötig. Wichtig ist laut Umweltbundesamt auch: Einzelne Becher nicht fest ineinander stecken, denn die Verpackungen müssen getrennt die Sortieranlage für Wertstoffe durchlaufen können.

Verpackungs-Papier gehört, wenn es mit Kunststoff beschichtet ist, in die Gelbe Tonne. Es sollte in diesem Fall nicht im Altpapier entsorgt werden.

Typischerweise gehören in den Gelben Sack/Gelbe Tonne zum Beispiel:

Getränkekartons, Menüschalen von Fertiggerichten, Shampoo oder Spülmittelflaschen (Kunststoff), Styroporverpackungen, z.B. von Elektrogeräten, Lebensmittel- oder Tierfutterdosen, Zahnpastatuben, Spraydosen, Joghurtbecher(bitte Deckel abreißen und einzeln in den Sack/dieTonne geben!).

Nicht in den Gelben Sack/Gelbe Tonne gehören zum Beispiel:

Kinderspielzeug, Windeln, Zahnbürsten, Papier oder Karton (egal ob es sich um eine Verpackung handelt oder nicht). Feuerzeuge, CDs und Disketten, Einweghandschuhe und Masken, Kugelschreiber, Luftmatratzen, volle Verpackungen.

Ein oft genanntes Vorurteil als Grund für schlechte Mülltrennung ist die Behauptung, die Inhalte des Sackes /Tonne würden sowieso verbrannt. Hier ist durch das Inkrafttreten des neuen Verpackungsgesetzes seit dem 01.01.2019 eine deutliche Trendwende zu erkennen. Früher lag die Recyclingquote dieses Sammelsystems bei unter 50 %. Die Quote muss sich mit Inkrafttreten des Verpackungsgesetzes auf 80% z.B. bei Aluminium und 75% bei Getränkeverpackungen steigern.

 

Was genau gehört eigentlich in die Biotonne?

Die Biotonne ist ein Sammelsystem für organische Abfälle aus Haus und Garten. Was sich einfach anhört scheint in der Realität sehr schwierig zu sein.

Aus Bioabfall können Komposte und Gärreste für die Landwirtschaft oder den Gartenbau gewonnen werden. Sie sind wertvolle Bodenverbesser in der Landwirtschaft und ersetzen Mineraldünger und Torf. Das schont Rohstoffe. In der Vergärungsstufe wird zudem aus Bioabfall Biogas gewonnen, das zur Energiegewinnung genutzt wird. Dafür muss Bioabfall aber sortenrein gesammelt werden.

Die Biotonnen, die im Werra-Meißner-Kreis gesammelt werden, haben jedoch einen hohen Anteil an Störstoffen. Die Inhalte der Biotonnen werden in Lohfelden, Landkreis Kassel, verwertet und sind in der Kompostanlage mit vorgeschalteter Vergärung, ein großes Problem.

Teilweise können ganze Ladungen von Müllfahrzeugen aus unserem Kreis aufgrund des hohen Störstoffgehaltes nicht in der Vergärungs-/Kompostierungsanlage verwertet werden, sondern müssen einer externen Abfallbehandlungsanlage zugeführt werden. Das ist teuer und macht eine Gebührenerhöhung des Werra-Meißner-Kreises zum 01.01.2021 erforderlich.

Der häufigste Störstoff sind Plastiktüten, in dem der Bioabfall gesammelt wird, berichtet die Umweltberaterin des Kreises, Gabriele Maxisch. Der Bioabfall muss aus den Tüten in die Biotonne ausgeschüttelt werden, die Plastiktüte darf nicht mit in die Tonne gelangen.

Will man das Ausschütteln nicht, ist es eine Alternative die Bioabfälle in Zeitungspapier einzuwickeln (Druckerschwärze enthält keine Schadstoffe), Papiertüten zu verwenden oder die 100 % abbaubaren Biobeutel aus Maisstärke mit dem Keimblattlogo zu verwenden. Sie werden in der Anlage problemlos abgebaut.

Leider nutzen einige BürgerInnen die Biotonne als zusätzliches Restmüllgefäß und geben dort sogar Staubsaugerbeutel, Asche, oder Zigarettenreste rein. Auch tote Tiere, Kleintierstreu oder Hundekot sind bedauerlicherweise häufige Störstoffe in der Biotonne, bedauert die Umweltberaterin.

Typischerweise gehören in die Biotonne zum Beispiel:

 
Garten Rasenschnitt (möglichst angetrocknet), Moos
  Pflanzen (auch mit Wurzelballen), Schnittblumen, Unkraut
  Blätter (Laub- und Nadelholz)
  Fallobst
   
  Holz, Holzwolle, Holzspäne (nur von unbehandeltem Holz)
   
Küchenabfälle Verdorbene Nahrungsmittel (ohne Verpackung)
  Speisereste (gekocht, ungekocht) inkl. Knochen in haushaltsüblichen Mengen
  Reste von Käse und Wurst, Eierschalen, Milchprodukte
  Reste von Salat, Gemüse
  Reste von Brot und Backwaren
  Obst inkl. Schalen und Kerne, Süd- und Zitrusfrüchte, Nussschalen
  Kaffeefiltertüten, Kaffeesatz
Kaffeepads (nur aus Filterpapier und Kaffeesatz bestehend)
Teebeutel (ohne Kunststoffanteile oder Metallklammern)
  Küchenpapiere
Zeitungspapier (nur zum Auslegen des Vorsortierbehälters oder Einschlagen feuchter Bioabfälle), kein Hochglanzpapier
  Topfpflanzen (ohne Topf)
Blumenerde (nur ohne Anteil an Fremdstoffen wie Styropor)

 

Nicht in die Biotonne gehören zum Beispiel:

Kunststoffe Sammelbeutel aus Plastik (typisch: Abreißbeutel auf Rollen); 
Einkaufstüten, Säcke
  Verpackungen aus Kunststoff (für Wurst, Käse u.a.)
  Kunststoffkörper wie Flaschen, Becher, Dosen, Tuben, Schalen, Kanister, Eimer, Schraubdeckel, Korken
  Cateringgeschirr, Einweggeschirr und –besteck, Milchdöschen
  Blumentöpfe
  Geschenkbänder, Gummiartikel
   
Glas Glaskörper, Glasscherben, Flachglas
   
Metalle Kronkorken, Kaffeekapseln, Draht
  Büchsen, Becher, Flaschen, Dosen
  Alufolie, Draht
  Gartengeräte, Messer (typische Versehen)
   
Verbundstoffe Kartonverbundverpackungen (z.B. Tetrapack), Papierverbunde (z.B. Verpackungen mit Kunststofffenster), beschichtete Papiere (inkl. Hochglanzpapier), verklebte Papiere (z.B. Alttapeten) 
  Babywindeln, Inkontinenzwindeln
verpackte Lebensmittel verpackte Lebensmittel aus Kunststoff, Glas, Metall, Verbundstoffe, auch mit Resten von Bioabfall
   
mineralische Stoffe Asche, Ruß, Staubsaugerbeutel, Kehricht, Zigarettenasche
  Blumentöpfe und Scherben
  Mauerwerk, Keramik, Scherben, Gips
  Kleintierstreu (mit mineralischen Bestandteilen)
   
Sonstige Fremdstoffe Hygieneartikel wie Wattestäbchen, Tampons, Binden, Pflaster, Verbandmaterial
  Exkremente von Tieren (z.B. Hundekot)
  Holzreste, behandelt (z.B. imprägniert, lackiert, lasiert), Möbelholz, Spanplattenholz

 

Die aktuelle Broschüre des Landkreises „Trenn mit!“ steht auf der Homepage des Werra-Meißner-Kreises als Download zur Verfügung oder kann auf Anfrage zugesandt werden.

Weitere Fragen beantwortet die Umweltberaterin, Gabriele Maxisch, unter der Rufnummer 05651 302-4751.

Werra-Meißner-Kreis



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