Digitale Bildungsmedien: Nicht auf dem Rücken der Lehrkräfte!

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(ots) Saskia Esken, Vorsitzende der SPD, hat sich in einem Interview im Tagesspiegel zur geplanten bundesweiten digitalen Lernplattform geäußert. Der Verband Bildungsmedien e. V., der Branchenverband der rund 80 Bildungsmedienverlage in Deutschland, weist die darin enthaltenen Aussagen über Schulbücher entschieden zurück.

„Es beginnt schon mit der Aussage von Frau Esken, dass bei Schulbüchern der Druck der teuerste Faktor sei“, so Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Vorsitzender des Verband Bildungsmedien e. V.: „Das ist falsch.“

Der größte finanzielle Posten eines Lehrwerks und der dazugehörigen Materialien für Lehrkraft und Lerner*in sind mit rund 30 Prozent des späteren Ladenpreises grundsätzlich die Entwicklungskosten: Zusammen mit den Autorinnen und Autoren, die Lehrkräfte sind, werden im Verlag die Lehrwerks- und Medienkonzepte im Hinblick auf Abschlussorientierungen, Individualisierungen und Differenzierungen, Aufgabenformate etc. entwickelt.

Digitale Bildungsmedien nicht billiger als gedruckte

„Die Herstellung von digitalen Bildungsmedien gegenüber gedruckten bringt den Verlagen keine Ersparnis“, erklärt Körner-Wellershaus: „Statt der Druckkosten fallen dann Kosten für Hosting an. Zusätzlich sind Plattformsysteme zu entwickeln und zu warten, Software-Applikationen auszubauen und sämtliche Systeme beständig weiterzuentwickeln.

Auch der Einkauf von Fremdrechten vor allem für Bilder, Videos und Audios ist für digitale Bildungsmedien teurer als für gedruckte Bücher. Das gilt für OER übrigens ganz genauso, denn nur wenige für den Unterricht interessante Medien stehen unter CC-Lizenzen.“

Lehrkräfte sind keine Verleger

Die Lehrkräfte würden die von ihnen benötigten digitalen Lernmaterialien idealerweise selbst herstellen, wird Frau Esken in dem Interview zitiert: „Die haben ja bisher auch nicht nur mit Schulbüchern unterrichtet, sondern schon immer eigene Lehrmittel vorbereitet, zum Beispiel Arbeitsblätter, Planspiele und so weiter.“

Dazu stellt Dr. Körner-Wellershaus fest: „Curriculare qualitätsgesicherte digitale Bildungsmedien sind ein Arbeitsmittel für die Lehrkräfte, das diesen vom Schulträger für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt werden soll. Zu erwarten, dass Lehrkräfte verlegerische Tätigkeiten übernehmen, sich also zum Beispiel systematisch mit der Abschlussorientierung von Bildungsmedien über mehrere Jahrgänge hinweg oder mit der Einholung und Vergütung von Rechten für Bilder, Videos oder Audios beschäftigen, ist absurd. Die Arbeit, die die Bildungsmedienverlage leisten, und das Produktangebot, das sie den Lehrkräften machen, ist mit der Erstellung von einzelnen Arbeitsblättern oder Unterrichtseinheiten durch die Lehrkräfte nicht zu vergleichen, und beides sollte sich in der schulischen Praxis ergänzen.“

Lehrer bei der Digitalisierung nicht be- sondern entlasten

Die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte ist in den letzten Jahren durch äußere Faktoren wie den Lehrermangel ebenso wie durch höhere didaktische Anforderungen beispielsweise bei der Inklusion und individuellen Förderung stetig gestiegen. Die Antwort darauf muss sein, Lehrkräfte in ihrer Arbeit besser zu unterstützen und zeitlich zu entlasten, indem sie auf eine möglichst breite Palette von Arbeitsmaterialien zugreifen können.

Die Verlage haben für jedes Bundesland, jede Schulform, jedes Schulfach und jeden Ausbildungsberuf digitale Schulbücher, angereicherte eBooks, Apps und Online-Angebote. Den Lehrkräften dazu Zugang zu schaffen, ist Aufgabe der Schulträger und der Bildungspolitik.

„Es kann nicht sein, dass diese dringend notwendigen Investitionen für das digitale Lehren und Lernen in den Schulen nun auch wieder gescheut und dafür die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte noch weiter erhöht wird“, so Körner-Wellershaus.

 

Original-Content von: Verband Bildungsmedien e.V.

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