Welttag Humanitäre Hilfe: Bild des „weißen Helfers“ noch immer präsent

Lokale Helferinnen und Helfer machen rund 90 Prozent des weltweiten humanitären Hilfspersonals aus: Bild des "weißen Helfers" noch immer präsent / Bündnis "Aktion Deutschland Hilft" stellt YouGov-Umfrage zur Wahrnehmung humanitärer Hilfe vor: Bild des "weißen Helfers" noch immer präsent / Bündnis "Aktion Deutschland Hilft" stellt YouGov-Umfrage zur Wahrnehmung humanitärer Hilfe vor. Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/50116 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Aktion Deutschland Hilft e.V./Aktion Deutschland Hilf/E.Beyer"

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(ots) Bei einem Großteil der deutschen Bevölkerung ist das stereotype Bild des „weißen Helfers“ noch immer präsent. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag des Bündnisses „Aktion Deutschland Hilft“ anlässlich des Welttags Humanitäre Hilfe am 19. August hervor.

Demnach sind 82 Prozent der Befragten der Meinung, dass der Einsatz deutscher Helferinnen und Helfer bei weltweiten Krisen und Katastrophen wichtig oder sehr wichtig ist. 58 Prozent glauben außerdem, dass internationales Hilfspersonal die Hälfte oder mehr aller humanitären Helferinnen und Helfer ausmacht. Die Realität sieht jedoch anders aus, wie Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin von „Aktion Deutschland Hilft“, erläutert: „Die Vorstellung des ‚weißen Helfers‘, der aus wohlhabenden Ländern wie Deutschland in Krisenländer reist, um Hilfe zu leisten, hält sich hartnäckig. Das kommt zwar vor, aber mit rund 90 Prozent stellen lokale Hilfskräfte die überwiegende Mehrheit der humanitären Helferinnen und Helfer weltweit.“

Die Arbeit von lokalen Helferinnen und Helfern ist unverzichtbar

Auch bei den Bündnisorganisationen von „Aktion Deutschland Hilft“ werden die meisten Hilfsprojekte von lokalem Personal umgesetzt. Viele der Hilfsorganisationen unterhalten Länder- oder Regionalbüros oder arbeiten mit lokalen Partnerorganisationen in den betroffenen Ländern zusammen. Wie wichtig das ist, zeigt sich auch aktuell in Beirut. „Nach der schweren Explosion in Beirut konnten unsere Bündnisorganisationen innerhalb kürzester Zeit beginnen, Hilfe zu leisten, weil sie auf ein großes Netzwerk von lokalen Partnerorganisationen zurückgreifen konnten. Die Helferinnen und Helfer vor Ort konnten sich schnell einen Überblick über die Lage verschaffen und ermitteln, wo der Hilfsbedarf am größten ist“, erklärt Roßbach. „Gute lokale Strukturen ermöglichen aber nicht nur schnelle, sondern auch langfristige Hilfe und sind daher von unschätzbarem Wert für die Arbeit unseres Bündnisses“, betont Roßbach.

Unterschiedliche Wahrnehmung internationaler und lokaler Hilfskräfte

Wie die YouGov-Umfrage zeigt, erkennt auch die deutsche Bevölkerung mit 51 Prozent mehrheitlich an, dass lokale Hilfskräfte bei Katastrophen schnell vor Ort sind. Ebenfalls wird einheimischen Helferinnen und Helfern zugesprochen, leicht Kontakt zur betroffenen Bevölkerung aufzubauen (53 Prozent) und den Hilfsbedarf gut einschätzen zu können (37 Prozent). Diese Eigenschaften erweisen sich auch bei der Umsetzung von Hilfsmaßnahmen immer wieder als sehr wertvoll. Da lokale Hilfskräfte die Landessprache sprechen und die kulturellen Gegebenheiten kennen, können sie die Auswahl der Hilfsmaßnahmen besonders gut an die Bedürfnisse der betroffenen Menschen anpassen.

Internationalen Helferinnen und Helfern werden dagegen andere Eigenschaften zugeschrieben. 33 Prozent der Befragten trauen ihnen zu, verantwortungsvoll mit finanziellen Mitteln umzugehen – über lokales Hilfspersonal sagen das nur 9 Prozent. Hier handelt es sich um ein altes Vorurteil. Lokale wie internationale Hilfskräfte sind bei ihrer Arbeit an strenge Richtlinien und Kontrollmechanismen gebunden, die den gewissenhaften Einsatz von Spendengeldern sicherstellen. Außerdem glauben 59 Prozent der Befragten, dass internationale Hilfskräfte über notwendiges Fachwissen verfügen, 46 Prozent attestieren ihnen überdies Erfahrung im Umgang mit Katastrophen. Lokalen Helferinnen und Helfern werden diese Eigenschaften nur von 18 bzw. 31 Prozent der Befragten zugesprochen. In der Praxis sieht das jedoch oft anders aus: Vor allem in Ländern wie Indonesien oder Indien, die häufig von Naturkatastrophen getroffen werden, bringen lokale Hilfskräfte viel Erfahrung und wertvolles Fachwissen mit, das sie mit ihren internationalen Kollegen teilen können.

Die Bündnisorganisationen von „Aktion Deutschland Hilft“ schätzen den Austausch mit lokalen Partnern und wollen die Zusammenarbeit in Zukunft noch weiter ausbauen. „Die zunehmende Einbindung von lokalen Hilfsorganisationen ist ein wichtiger Schritt für die humanitäre Hilfe“, erläutert Manuela Roßbach. „Die Menschen vor Ort können am besten beurteilen, welche Art von Hilfe sie benötigen. Es ist daher nur konsequent, lokalen Helferinnen und Helfern auf Augenhöhe zu begegnen und die Gestaltung der Hilfe mehr und mehr an sie abzugeben. Das trägt auch zur Nachhaltigkeit der Hilfsmaßnahmen bei, da lokale Hilfskräfte dauerhaft vor Ort sind und Projekte langfristig begleiten können“, so Roßbach weiter.

Humanitäre Helfer arbeiten häufig unter Einsatz ihres Lebens

Der Welttag der Humanitären Hilfe geht auf den 19. August 2003 zurück. Damals starben 22 humanitäre Helfer bei einem Bombenanschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad. Die Vereinten Nationen begehen diesen Tag seit 2009 daher auch, um all jene zu ehren, die im Einsatz für Menschen in Not ihr Leben verloren haben. Laut Aid Worker Security Database wurden im vergangenen Jahr 483 Helferinnen und Helfer Opfer von Gewalt.

 

Original-Content von: Aktion Deutschland Hilft e.V.

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