Mangelnde Gesundheitsversorgung in Nordostsyrien: Acht Kleinkinder binnen fünf Tagen im Lager Al Hol gestorben

Coronakrise in Indien: Was ist schlimmer, Covid-19 oder verhungern? Vor dieser Frage steht nach Angaben der SOS-Kinderdörfer derzeit der ärmste Teil der indischen Bevölkerung. Die Folgen der Ausgangssperre seien vor allem für Kinder und Jugendliche lebensbedrohlich. Denn 369 Millionen Menschen, über 80 Prozent der Beschäftigten, arbeiten im sogenannten informellen Sektor ohne soziale Absicherung. "Sie haben keine Vorräte, keine Ersparnisse und bekommen keine Unterstützung. Schon einen einzigen Tag zu Hause zu bleiben, bedeutet für arme Familien, wie diese in Kalkutta, dass sie ihren Kindern keine Mahlzeit machen können", sagt Amelia Andrews, die Sprecherin der Hilfsorganisation in Asien. Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/1658 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Kathrin Harms"

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(ots)  Innerhalb von nur fünf Tagen sind acht Kleinkinder im nordostsyrischen Flüchtlingslager Al-Hol gestorben. Dies bedeutet eine Verdreifachung von Todesfällen unter Kleinstkindern seit Jahresbeginn, erklärt die Kinderrechtsorganisation Save the Children. Die acht Kinder, darunter zwei irakische, ein syrisches und mindestens drei Kinder ausländischer Nationalitäten, hatten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, nachdem Anfang des Jahres Grenzübergänge nach Syrien für humanitäre Helfer geschlossen wurden.

Als direkte Folge reduzierte sich – bei gleichzeitigem Anstieg von bestätigten COVID-19-Fällen im Nordosten Syriens – die Kapazität von Gesundheitseinrichtungen im Land um 40%. Aktuell ist nur noch eines von drei Feldlazaretten in Al Hol unter Einschränkungen einsatzbereit. Die verstorbenen Kinder litten unter Herzinsuffizienz, inneren Blutungen und schwerer Unterernährung. Sie hätten in den Feldlazaretten in Al Hol behandelt werden können, wären diese in Betrieb gewesen.

„Wir sehen auf allen Ebenen ein kollektives Versagen beim Schutz von Kindern“, sagt Sonia Khush, Länderdirektorin von Save the Children in Syrien. „Die acht Todesfälle in Al Hol sind das Ergebnis der anhaltenden Versäumnisse des UN-Sicherheitsrates, den nächstgelegenen Grenzübergang nach Syrien wieder zu öffnen. Dies führt zu unverzeihlichen Verzögerungen bei den Behandlungen von Kindern, die sonst vielleicht überlebt hätten. Wir können nicht zulassen, dass die Zahl der Todesopfer weiter ansteigt.“ Erst vor wenigen Tagen wurde erstmals eine COVID-19-Infektion bei einem Bewohner in Al Hol festgestellt.

„Al Hol befindet sich am Rande eines COVID-19-Ausbruchs, aber nur wenige medizinische Einrichtungen stehen überhaupt zur Verfügung und es mangelt an Schutzausrüstung, damit das Personal überhaupt sicher arbeiten kann. Es müssen sofort Maßnahmen ergriffen werden, um weitere Tragödien zu verhindern“, bekräftigt Khush. „Die grenzüberschreitenden Hilfseinsätze der UNO in Nordostsyrien müssen unverzüglich wieder aufgenommen und der Zugang innerhalb des Lagers dringend verbessert werden. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Gesundheits- und Ernährungsteams in der Lage sind, die Menschen, bei denen der Verdacht auf COVID-19 besteht, zu testen und zu isolieren, so dass drastische Maßnahmen – wie die Schließung von Gesundheitseinrichtungen, die lebensrettende Behandlungen für Kinder anbieten – nicht passieren müssen“, fügt sie hinzu.

Das Al-Hol-Lager beherbergt mehr als 65.000 syrische und irakische Staatsangehörige und „Drittstaatsangehörige“ aus mehr als 60 Ländern aus allen Regionen der Welt. Rund 70 Prozent der Menschen vor Ort sind Kinder. Der sprunghafte Anstieg der Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren wurde zwischen dem 6. und 10. August verzeichnet und ist mehr als dreimal so hoch wie die Sterblichkeitsrate seit Anfang 2020, die bei 2,5 Kindern pro Woche lag.

Save the Children fordert die Herkunftsländer der Bewohner von Al Hol auf, die Kinder ausländischer Staatsangehöriger und ihrer Familien im Einklang mit ihren in der UN-Kinderrechtskonvention festgelegten Verpflichtungen in ihre Heimatländer zurückzuführen.

 

Original-Content von: Save the Children Deutschland e.V.

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