Online Casinos: Neue Regelungen ab 2021 geplant

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Online Casinos streifen jedes Jahr Millionenumsätze ein: Kaum eine andere Branche boomt aktuell so sehr wie das virtuelle Glückspiel. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Umsatz in Europa im Jahr 2019 um 11 Prozent und das bei gleichbleibendem Aufwärtstrend. Immer mehr Menschen ziehen Sportwetten und virtuelle Casinos mondänen Spielhäusern vor. Dafür gibt es viele Gründe: Online Casinos haben rund um die Uhr geöffnet und sie bieten ein unschlagbares Spieleangebot. Alleine aus räumlichen Gründen wäre es in Traditionshäusern nicht möglich, eine vergleichbare Anzahl an Automaten und Spieltischen unterzubringen. Darüber hinaus ist durch virtuelle Casinos ortsunabhängiges Spielen möglich geworden, wie es der weltweit populärste Video-Slot Starburst beweist. Bisher hatte man den Eindruck die deutsche Regierung verschließe die Augen vor dem Boom, der unaufhaltsam auch hierzulande zu verzeichnen ist. Doch in den letzten Monaten ist endlich Bewegung in die Diskussionen um die Anpassung des veralteten Glückspielstaatsvertrags gekommen.

 

Aktuelle Zahlen belegen: Online Casinos erfreuen sich großer Beliebtheit

In dem letzten von der European Gaming & Betting Association herausgegebenen Jahresreport aus dem Jahr 2018 finden sich zahlreiche interessante Zahlen rund um das Thema virtuelles Glückspiel. Hier einige interessante Fakten aus dem Bericht:

 

  • Der Online Markt nimmt einen Anteil von 23,2 Prozent am gesamten europäischen Glückspielmarkt ein
  • Besonders beliebt sind Sportwetten mit einem Anteil von 42,5 Prozent gefolgt von Online Casinos mit 32,4 Prozent und Poker mit 5 Prozent
  • Im Wandel begriffen ist auch die Art und Weise wie online Glückspiel konsumiert wird. Im Jahr 2018 spielten 57 Prozent mit einem Desktop, der Rest mit mobilen Ausgabegeräten. Bis 2022 soll sich die Relation Prognosen zufolge verschieben und 56 Prozent aller Spieler werden ihrem Hobby über das Smartphone oder andere mobile Geräte nachgehen
  • Innerhalb der Europäischen Union spielen die Briten besonders gerne online, sie tragen zu 34,2 Prozent zum Gesamtumsatz bei, Deutschland folgt mit 11,1 Prozent

 

Gemäß dem Bericht nutzen innerhalb der Europäischen Union 16,5 Millionen Kunden Online Wettangebote und Casinos. Im Durchschnitt werden die online Spielangebote alle 2,5 Tage genutzt.

 

Der Glückspielstaatsvertrag ist veraltet

Die ursprüngliche Fassung des Glückspielstaatsvertrags stammt aus dem Jahr 2008. Damals einigten sich 16 deutsche Bundesländer auf eine einheitliche Regelung. Der Fokus des Glückspielstaatsvertrags lag in der Prävention von Suchtverhalten und weniger in der Liberalisierung von Glückspiel. Festgelegt ist zum Beispiel, dass der Jugend- und Spielerschutz auf alle Fälle gewahrt werden soll. In der ursprünglichen Fassung wurde ein praktisch uneingeschränktes Glückspielangebot an den staatlichen Sportwettenanbieter vergeben. Am 8. September 2010 entschied der Europäische Gerichtshof, dass dieses staatliche Monopol nicht den europaweiten Gesetzen entspricht. Mehrmals wurde Deutschland auch wegen einer Verletzung der Dienstleistungsfreiheit gerügt. Vor allem die restriktive Haltung Online Glückspiel gegenüber war der Europäischen Union ein Dorn im Auge.

 

Als am 1. Juli 2012 der Glückspiel Änderungsstaatsvertrag in Kraft trat, wurde die Optik nicht besser. Darin war ein generelles Verbot von Online Glückspiel verankert. Einzig Schleswig-Holstein wagte im Jahr 2012 einen Alleingang und vergab in diesem Jahr einige Online Lizenzen. Insgesamt 12 Online Casinos mit Sitz in Schleswig-Holstein sind registriert. Aktuell ist laut §4 des Glückspielstaatsvertrags Online Glückspiel verboten. Doch die Praxis sieht ganz anders aus: Viele Deutsche spielen in Casinos, die ihren Sitz in Malta oder in einem anderen Land haben, das Online Lizenzen vergibt. Somit entgehen dem deutschen Staat jedes Jahr Milliarden an Einnahmen. Das ist möglicherweise mit ein Grund, warum der im Sommer 2021 auslaufende Glückspielstaatsvertrag grundlegend reformiert werden soll.

 

Was der neue Glückspielstaatsvertrag bringt

Am 1. Juli 2021 soll sich auf dem deutschen Glückspielsektor einiges tun. Dann nämlich wird es möglich sein, völlig ohne Grauzone in Deutschland online Casinos und Sportwetten zu nutzen. Für die Vergabe der Lizenzen und die Einhaltung der strengen Auflagen soll eine übergeordnete Behörde zuständig sein. Außerdem soll die Behörde eine Sperrdatei verwalten, in die gefährdete Spieler eingetragen werden sollen. Eines der Ziele des Glückspielstaatsvertrages ist es, einen wichtigen Beitrag zum Spielerschutz zu leisten. Es sollen Maßnahmen getroffen werden um das Entstehen von Wett- und Spielsucht zu verhindert. Dazu zählt zum Beispiel ein Werbeverbot für Sportwetten: Nur von 21 Uhr bis 6 Uhr früh soll Werbung im Radio und Fernsehen laufen dürfen.

 

Ebenfalls im neuen Glückspielstaatvertrag verankert ist ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro. Dieses soll anbieterübergreifend gelten. Insgesamt 70 Seiten lang ist der neue Entwurf des Glückspielstaatsvertrags. Die Änderung wird weitreichende Folgen mit sich bringen: Immerhin entsteht für den Staat eine nicht unbeträchtliche Einnahmequelle. Auch Sponsoren werden vermutlich mehr Geld in die Hand nehmen, um ihre Werbung bei Events zu platzieren. Kritiker befürchten, dass kleine Anbieter auf der Strecke bleiben könnten. Die neue Regelung sieht nämlich strenge Auflagen vor: Betreiber werden dazu verpflichtet, das 1.000 Euro Einzahlungslimit zu überwachen und ein System zur Früherkennung von Spielsucht etablieren.


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