Covid-19: Partystimmung auf Mallorca – Was denn sonst? Und nun?

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Auf Mallorca steigen gerade die Partys wie gewohnt. Als hätte es Corona nie gegeben. Man wirft Deutschen nun vor, dass sie sich so verhalten als wenn die Epidemie schon vorbei wäre und die Presse rotiert mit diversen Beschuldigungen und Vorwürfen. In Spanien wie auch hier.

Betrachten wir es mal mit den Augen der Urlauber. Die heißen nämlich deshalb Urlauber, weil sie Urlaub machen wollen. Urlaub ist das Gegenteil von Arbeit. Dient der Erholung. Und weil Erholung nun am besten dort stattfindet, wo man nicht täglich ist, fährt man überall hin – nur nicht auf den eigenen Balkon.
Dafür gibt man dann auch gern mal Geld aus. Spart vielleicht sogar für das Vergnügen anderswo zu sein. Beispielsweise auch auf den Balearen.

Dort heißen dann die Urlauber Touristen und sind eine wesentliche Wirtschaftskraft. Wo andere Regionen industrielle Produktion und ggf. Landwirtschaft pflegen, ausbauen und betreiben, haben sog. Urlaubsorte ihren Geschäftssinn auf eben diese Touristen hin ausgerichtet. Ohne die geht nichts. Daher wurde auch lange und intensiv gejammert, damit sie bloß dieses Jahr auch wiederkommen. Die Urlauber aus Europa.

Nur kommt dieses Jahr ein neuer Aspekt zum Urlaub hinzu. Nicht nur der Urlaub vor der Arbeit ist angesagt, sondern auch der Urlaub vor Corona ist opportun. Wird nun miteinander verknüpft…

Und wie das gerade bei jüngeren Leuten aussieht, und auch bei geistig etwas einfacher gestrickten Personenkreisen, konnte hier schon während der Corona-Zeit gut beobachtet werden. In Parks, auf Promenaden, diversen Festlichkeiten familiärer und religiöser Natur, in Freizeiteinrichtungen sowie natürlich auch bei Demonstrationen und in der polizeilich neu entdeckten Event-Szene.

Wie das en detail aussieht kann jeder bei Polizei und Ordnungsamt erfragen, wenn es denn wirklich oberhalb des „Betroffenseins“ interessieren würde. Denn das war hier überall so. Gerade an Wochenenden immer schön und überall zu beobachten.

Und jetzt reist eben diese Gemeinde der Coronagenervten in den alljährlichen Urlaub. Und der muss nun nach dem Lockdown wirklich entspannen.

Und was haben die Leutchen auf Mallorca erwartet? Massen von hochdisziplinierten Urlaubern, die schon mit Maske und Mindestabstand aus dem Flugzeug pilgern? Ordentliche Reihen bilden, überall und immer mit Zollstöcken die Abstände ausmessen und dafür auch noch ZAHLEN????
Den „Mist“ hätten die auch zu Hause haben können. Gleich nach und auch während der Arbeit. Dafür fahren die nicht weg, um nun spanische Luft durch die Maske zu atmen. Sich einander auf zwei Metern zuzuwinken und beim Tanzen dann in seinem Sektor zu bleiben, der schachbrettartig auf die Tanzflächen der Clubs aufgemalt ist.

Was glaubt ihr eigentlich was Urlaub ist? Da macht man all das, was man das ganze Jahr nicht macht. Und dazu gehört im Urlaub auch, dass man Masken weglässt. Das mag nun eigentümlich klingen, ist aber so. Es mag ja sein, dass das widersinnig, gefährlich und/oder auch dumm ist. Leider aber psychologisch nachvollziehbar, vorhersehbar und auch zu erwarten gewesen.
Mallorca ist keine Insel, die für Wanderungen bekannt ist. Für einsame Zeltabende mit der Angel im Gepäck am See. Und auch nicht als Kurort. Mallorca ist … Partymeile für halb Europa.
Das passte den Insulanern schon vorher nicht mehr. Man sprach dann von Krawalltouristen, Sauforgien und Vandalen. Das Verständnis mit diesen Horden kommt aber immer wieder hoch, wenn die zahlungskräftigen Gäste, so heißen die Urlauber dann plötzlich wieder, ausbleiben.
Und durch Corona blieben sie aus. Auf der Insel herrschte monatelang idyllische Ruhe. Friedhofsruhe. Wirtschaftlich desaströse Ruhe.

Man tat alles, damit Lockerungen umgesetzt wurden. Verbannte anreisende Touristen nicht sofort wieder zurück auf das verseuchte Festland. Gern mit der gleichen Maschine, mit der sie ankamen. Trotz Buchungen, Rückfragen und Hotelbestätigungen, dass alles OK ist! Wir erinnern uns?

Und nun, nach diversen Werbekampagnen für eben diese ersehnten Gäste, wundert man sich, dass da nicht zahlendes Melkvieh unter Vollschutz anreiste, sondern partywillige Touris mit dem Hang wieder zum Vandalen zu werden. Mit dem Anspruch auf Urlaub UND dem Verlangen Corona zu vergessen. Letzteres soll gerade bei Jüngeren durchaus vorkommen.

Kontrollfrage: WER gibt Geld dafür aus irgendwo hinzufahren, wo es dann EXAKT so aussieht wie bei sich vor der Hütte?? Und wer bezeichnet das als Urlaub?

Da die Antworten klar sind, stellt sich nur eine einzige weitere Frage: Mit WAS haben die Verantwortlichen denn gerechnet?

Und hier zeigt sich, dass die Coronamaßnahmen nun völlig sinnfrei werden. Südeuropäische Länder konkurrieren darum möglichst viele „Gäste“ zu bekommen, die möglichst viel Geld dalassen, damit das Jahr irgendwie noch wirtschaftlich gerettet wird.
Ischgl ist nun überall dort wo Strand, Sonne und Meer sind. Und hier sind nicht tausende unterwegs, sondern Millionen.

Damit steht jetzt schon fest: die zweite Welle kommt. Und das in der Potenz zu Ischgl, das als europäischer Pandemieort Nummer Eins galt. Als Ground Zero. Als abschreckendes Beispiel propagiert.

Gut, dass wir daraus gelernt haben. Gut, dass unsere ach so vorausschauenden „Experten“ multimedial davor warnten. Gut, dass unsere Politik HIER nun die Maskenpflicht verlängert hat. Gut dass HIER der Einzelhandel vor die Hunde geht. Damit ANDERSWO hunderte von Ischgls neu entstehen können.

 

Der Skandal ist nicht, dass dort gefeiert wird. Der Skandal ist, dass der Massentourismus europaweit nicht verboten wurde. Als Präventivmaßnahme, da die Folgen absehbar waren.

Und das bringt dann den logisch denkenden Menschen auf die nächste unschöne Frage: wenn so etwas geht, warum sollte es dann überhaupt noch Einschränkungen geben? Und was hat es gebracht die Wirtschaft bewusst herunterzufahren, sie in Teilen zu zerschlagen, um dann so etwas zuzulassen?

Oder kommen Professor Superschlau Drosten zusammen mit Professor Tierarzt Wieler in ein paar Wochen um die Ecke und verkünden die Erkenntnis, dass sich im Sommer überraschend, unerwartet und spontan neue Hotspots gebildet haben? Das würde sich dann in die Pannenserie von RKI & Co nahtlos einreihen. Als weiterer Baustein für das Luftschloss der behördlich-politischen Kompetenz.

Hier in Deutschland gehen für die Wirtschaft notwendige Messen Pleite, weil drei Tage lang ein paar tausend Menschen zu viel sind. Aber südeuropäische Millionenevents über Monate sind in Ordnung? Gern mit besoffener Nähe zum Nächsten.

Und was machen unsere Medien, während die Politik sowieso in den eigenen Urlaub abtaucht? – Konzentrieren sich auf die Feiernden, hypen sich gegenseitig in härteren Maßnahmen gegen die Fleischindustrie und denken wieder nur von 20Uhr bis zur Tageschau.

 

Und die beendet dann das kritische Denken und läutet den Feierabend ein. – Prost!


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