Deutscher Tierschutzbund kürt Tierheimtiere des Monats Juli: „Listenhunde“ Cassie, Kasper und Pablo suchen ein Zuhause

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Der Deutsche Tierschutzbund hat für den Juli gleich drei Tierheimtiere des Monats gekürt: Die Hündin Cassie wartet im Tierheim Berlin, die Rüden Kasper und Pablo in den Tierheimen Rottweil und Heidelberg auf ein neues Zuhause. Wegen ihrer Rassen werden alle drei pauschal als gefährlich vorverurteilt. In ihren jeweiligen Bundesländern stehen sie deshalb auf Listen und dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen gehalten werden. Das erschwert den Tierheimen die Vermittlung. Im Rahmen der Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ möchte der Deutsche Tierschutzbund mit der Aktion seine angeschlossenen Mitgliedsvereine dabei unterstützen, ein passendes Zuhause für die Hunde zu finden. Interessierte können sich direkt beim jeweiligen Tierschutzverein melden. 

„Hunde aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit pauschal zu verurteilen, ist weder gerechtfertigt noch fair. Ohne Zweifel benötigen Menschen und Tiere Schutz vor wirklich gefährlichen Hunden, doch eine Vorverurteilung wird der überwiegenden Mehrzahl der freundlichen Hunde dieser gelisteten Rassen und vor allem den vielen Mischlingen aus diesen Rassen nicht gerecht. Wie bei allen Hunden kommt es für die Verträglichkeit vor allem auf eine gute Sozialisation, Aufzucht, Erziehung, die richtige Haltung und den richtigen Umgang mit den Tieren an“, erklärt Caterina Mülhausen, Leiterin Campaigning beim Deutschen Tierschutzbund. Listenhunde bleiben unabhängig ihres Wesens durchschnittlich doppelt so lange wie andere Hunde im Tierheim, manche sogar für immer. „Wie bei jeder anderen Rasse eignet sich nicht jedes Tier für jeden Besitzer, aber die Tierheime stehen hier beratend zu Seite und wenn es passt, dann findet man einen Freund fürs Leben, der ganz viel Liebe zurückzugeben hat.“

Cassie wartet seit sechs Jahren in Berlin auf ihr Zuhause

Die zehnjährige Cassie ist ein Staffordshire-Mix. Seit sechs Jahren wartet sie im Tierheim Berlin auf ein neues Zuhause. Zu ihrer Vorgeschichte ist wenig bekannt. „Mit manchen fremden Menschen und Hunden versteht die unsichere Cassie sich leider gar nicht gut und zeigt das dann auch. Zu ihren vertrauten Personen ist sie aber zuckersüß und eine echte Prinzessin. Außerdem beherrscht sie alle Grundkommandos und läuft gut an der Leine“, sagt Annette Rost vom Tierschutzverein für Berlin und Umgebung. Das Tierheim wünscht sich für seinen Schützling ruhige, rasseerfahrene Menschen ohne Kinder in einer ländlichen Umgebung, die Cassie möglichst nur in Ausnahmefällen mal stundenweise alleine lassen sollten.

Kasper aus Rottweil wünscht sich Aufmerksamkeit und Geduld

Der dreijährige Kasper hat bereits bei fünf Besitzern gelebt, bevor er vor über einem Jahr ins Tierheim Rottweil kam. Der Boxer-Bordeauxdoggen-Mix ist deshalb sehr sensibel und unsicher. „Kasper braucht viel Zeit, Geduld und Verständnis, um seinen Argwohn zu verlieren und Vertrauen zu fassen“, sagt Tierheimleiterin Mandy Zumbroich. „Er ist ein toller, menschenbezogener Hund, liebt lange Spaziergänge durch den Wald und hat Spaß an Such- und Schnüffelspielen. Er kennt die Grundkommandos, braucht aber stete Sicherheit und Unterstützung. Das Alleinsein fällt ihm schwer. Daher suchen wir erfahrene Hundehalter, die sich dieser Aufgabe – eventuell mit Hilfe eines Hundetrainers – annehmen.“ Am besten sollte Kasper in ein Zuhause ohne Kinder ziehen, da er mit diesen in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen gemacht hat. Auch wenn er sich mit anderen Hunden versteht, wünscht ihm Zumbroich die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Besitzer: „Kasper verdient es, die Aufmerksamkeit zu bekommen, die ihm bis jetzt gefehlt hat.“ Weil der Rüde wegen seiner Unsicherheit bereits nach vorne gegangen ist, trägt er im Kontakt mit Menschen einen Maulkorb. Dieser ist keine Strafe für ihn, sondern gibt ihm und den Menschen um ihn herum Sicherheit.

Pablo aus Heidelberg braucht verantwortungsbewusste Menschen

Für den fast vierjährigen American Staffordshire Terrier-Mix Pablo sucht der Tierschutzverein für Heidelberg und Umgebung schon seit über zwei Jahren ein Zuhause. „Pablo ist sehr verschmust und ein kleiner Clown, der jeden Quatsch mitmacht. Wir wünschen ihm sehr, dass er endlich liebevolle Menschen findet, die mit all seinen Bedürfnissen kein Problem haben“, sagt Tierpflegerin Vanessa Willscheid. „Pablos neues Herrchen oder Frauchen sollte Erfahrung mit Staffordshire Terriern haben und auch körperlich in der Lage sein, ihn zu händeln.“ Als Listenhund gilt für Pablo die Leinenpflicht, einen Maulkorb muss er aber nicht tragen. Den Wesenstest hat er erfolgreich bestanden. „Idealerweise ist Pablo im neuen Zuhause der Einzelprinz“, sagt Willscheid. „Wir können uns aber auch gut vorstellen, ihn mit einer ruhigeren und souveränen, älteren Hündin zusammenzubringen.“ Wegen gesundheitlicher Probleme braucht Pablo Medikamente und Allergiker-Futter und sollte in ein ebenerdiges Zuhause einziehen. Allzu lange Spaziergänge sind nichts für ihn.

Interessenten finden weitere Informationen zu Listehunden allgemein und zu den drei Tierheimtieren des Monats inklusive der Kontakte der vermittelnden Tierschutzvereine auf www.tierheime-helfen.de.

 

Über die Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“

Mit der Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ macht der Dachverband der deutschen Tierheime auf die wertvolle Leistung der Tierheimmitarbeiter und -helfer aufmerksam. Der Fokus auf die vielen außergewöhnlichen Bewohner der Tierheime soll Tierliebhabern die falsche Scheu vor dem Gang ins Tierheim nehmen und ihnen bewusstmachen, dass sie hier einzigartige Freunde fürs Leben finden können. Dem Deutschen Tierschutzbund sind über 740 Tierschutzvereine mit rund 550 vereinseigenen Tierheimen angeschlossen.


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