World Food Convention – Digital Edition 2020

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(ots) „Die durch die Pandemie ausgelöste Hungerkrise ist nicht allein durch Wohltätigkeit und Spenden zu lösen“, sagte David Beasley (United Nations World Food Programm), beim gestrigen virtuellen Gipfeltreffen der „World Food Convention – Digital Edition 2020“. Experten aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft trafen sich zum mittlerweile vierten Mal und suchten gemeinsam nach langfristigen Lösungen, die die globalen Ernährungssysteme nachhaltiger machen. Unter den Teilnehmern waren Janusz Wojciechowski (EU-Landwirtschaftskommissar), Dr. Frank Terhorst (Bayer) und Dr. Theo de Jager (World Farmer´s Organisation).

Die Corona-Pandemie habe bewiesen, wie widerstandsfähig das europäische Nahrungsmittelsystem sei, so Janusz Wojciechowski, EU-Landwirtschaftskommissar. Es gab in der Krise keine Probleme, Lebensmittel zu produzieren. Die Schwierigkeiten lagen viel mehr darin, diese während der Krise über die Grenzen zu transportieren und zu vertreiben. Die „Farm to Fork“- und Biodiversitätsstrategien seien daher auch keine Vorschläge für eine neue Agrarpolitik, sondern für eine nachhaltige Reform des gesamten Ernährungssystems. Der Green Deal, betonte Wojciechowski, stehe für ein widerstandsfähiges und nachhaltiges Nahrungsmittelsystem in Europa.

Kritik am EU Green Deal übte der Welt-Bauern-Präsident Theo De Jager. Der Deal setze am falschen Ende an: „Die treibende Kraft für Nachhaltigkeit ist der Markt. Der Bauer produziert, was der Markt fordert.“ Stefanie Sabet, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), formulierte die Chance im Green Deal, die Standards für Nachhaltigkeit zu harmonisieren. „Es muss sich ändern, dass die Landwirte in den Mitgliedsstaaten unterschiedlich produzieren.“

Während sich das europäische Ernährungssystem in der Corona Krise als widerstandsfähig erwiesen hat, ist die globale Situation weiterhin von Instabilität geprägt. Dr. Agnes Kalibata, Präsidentin der Allianz für eine grüne Revolution in Afrika (AGRA), mahnte: „Für Länder, die auf die Landwirtschaft angewiesen sind, muss das System funktionieren, weil es kein soziales Sicherheitsnetz gibt. Die Menschen müssen Landwirtschaft betreiben, um zu überleben.“

Daher brauche es eine langfristige Strategie, so David Beasley, Präsident des World Food Programms. Kleinbauern in Entwicklungsländern spielen dabei eine Schlüsselrolle, wenn es darum gehe, die globalen Ernährungssysteme zu überdenken und umzugestalten, sie widerstandsfähiger und nachhaltiger zu machen.

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, sagte in ihrer politischen Keynote, man werde die bevorstehende EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands nutzen, um Themen wie Landwirtschaft und Ernährung zusammen mit Vertretern der Afrikanischen Union gemeinsam zu diskutieren und Lösungen zu finden.

Kontinuierliche Investitionen in die Agrarwissenschaft und -forschung, die Sicherung von Wertschöpfungs- und Lieferketten für Kleinbauern und die Verpflichtung aller Akteure in Nachhaltigkeit zu investieren – das seien die Schlüssel für globale Ernährungssicherheit, so Dr. Frank Terhorst, Head of Crop Strategy & Portfolio Management der Division Crop Science von Bayer. Er sehe hier eine neue Dringlichkeit und einen Sinneswandel, die Dinge gemeinsam anzugehen.

 

Original-Content von: Verlag Der Tagesspiegel GmbH

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