Bremen: Polizei erschießt marokkanischen Messerangreifer – Rassismus?

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Lesedauer 3min

 

Deutschland wird von einem tödlichen Schusswaffengebrauch der Bremer Polizei gegen einen marokkanischen Messerangreifer erschüttert. Rassismusvorwürfe tauchen auf und werden lauter. Warum eigentlich?

Warum wird nicht die Frage gestellt, wieso ein marokkanischer Einwanderer meint zwei weibliche Polizeibeamte mit einem Messer bedrohen zu müssen, die dazu auch noch einen Kopf kleiner sind als er. Und warum eine mehrfache und auf Videos deutlich zu vernehmende Aufforderung das Messer fallen zu lassen so schwer verständlich war? Warum sich der Mann trotz Pistolen im Anschlag nicht davon abhalten ließ weiterzumachen? Und warum er durch den dann vorsorglichen und die Schusswaffe vermeidenden Einsatz von Pfefferspray meinte den Beamten dann wirklich angreifen zu müssen. Ihn sogar im Laufschritt angriff und verfolgte, so dass dieser gezwungen war von der Pistole Gebrauch zu machen?
Und warum, als wenn das nicht schlimm genug wäre, meinen dann gewisse Kreise hier dann auf Rassismus tippen zu können?
Der ganze Hergang ist gut dokumentiert. Dürfte also kaum Fragen aufwerfen. Zumindest nicht für die, die neutrale Zuschauer sind.

 

Doch vielleicht muss man es mal anders versuchen…
Ein aufgebrachter Reichsbürger bedroht zwei Polizeibeamtinnen mit dem Messer und verspottet sie. Beschimpft sie. Diese ziehen zum Eigenschutz ihre Dienstwaffen und halten so den Nazi auf Abstand. Fordern einen Kollegen zum Einsatz von Pfefferspray auf, um diesen ewigen Rechten ausschalten zu können. Ihn nach der Blendung durch das Spray gefahrlos niederringen zu können. Der Einsatz scheitert. Der verdammte Nazi greift den Polizisten an. Der kann rückwärts nicht so schnell zurückweichen wie der das Messer schwingende Reichsnazi nachläuft. Es fallen Schüsse. Der dumme Faschist bricht zusammen und stirbt an den Verletzungen.

 

Gäbe es überhaupt eine Debatte? Was würde die geneigte Presse berichten? „Messer-Nazi greift heldenhafte Polizistin an. – tot!“

Manchmal hilft es diese Kontrollfrage zu stellen, wenn man wissen will, was wahr und was falsch ist. Mitunter auch bloße Agitation und Propaganda. Tumbe Demagogie à la Eisenberg, Goebbels und … Trump oder Putin? Oder Kleber, Maischberger und Smolka? Oder war das wieder zu deutlich?

Den Polizisten in Bremen war es schlicht egal, wer da stand und sie mit dem Messer bedrohte. Sie machen da keinen Unterschied. Denn aus ihrer Erfahrung wissen sie, dass ein Messer, egal ob von Nazi, Öko, Migrant, Oma, Stalinist oder Schwachkopf als Waffe gebraucht, töten kann. SIE ganz PERSÖNLICH hier und jetzt töten kann. Wie jede Waffe. Eine durchgeschnittene Halsschlagader ist tödlich. Egal ob da dann ein Reichsbürger, ein Migrant oder eine gütig lächelnde Oma mit dem Messer steht.
Und NEIN, es zählt nicht, dass man ja nicht weiß, ob er die Halsschlagader auch trifft. Oder vielleicht auch nur den Oberschenkel. Oder überhaupt nicht. Es zählt in diesem Moment einzig die Gefährdung an sich, die für andere aber auch sich selbst abzuwenden ist.

Es gab mehr als eine Warnung. Mehr als eine Ansprache. Mehr als ein Dialogangebot. Mit Sicherheit auch schon im Vorfeld des Videoabschnitts. Dass die männlichen Kollegen bewusst die Frauen haben verhandeln lassen ist auch so eine Strategie. Normalerweise wirkt das deeskalierend. Frauen werden in westlichen Kulturkreisen eher seltener als Polizist angegriffen. Daher ja auch deeskalierend wirkend.

Hat hier nicht funktioniert. Der Täter – nicht Opfer! – kam ganz offensichtlich nicht aus dem westlichen Kulturkreis. Nahm die Polizistinnen auch nicht ernst. Vermutlich beleidigte er sie auch, was auf dem Video aber nicht so deutlich herauszuhören ist. Aber Bezeichnungen wie „ungläubige Hündin“ sind sie eh schon gewohnt. Dass das nicht als rassistisch-sexistischer Angriff gewertet wird, noch nicht mal gerichtlich belangt wird, zumindest nicht bei denen, die unsere Polizei so bezeichnen, mag überraschen. Dass aber allein der Umstand, dass da kein messerschwingender Nazi wohl aber ein messerschwingender Marokkaner stand reicht, um die Polizei in eine rassistische Ecke zu stellen, mag dann schon verwundern. Zumindest die, die noch denken wollen. Oder können.

Selbstverständlich unterstellen wir dem Marokkaner nun eine schwierige Kindheit, eine andere Sozialisation, schwierige Lebensumstände und natürlich auch einen anderen Glauben, der insgesamt dazu führt, dass er hier (noch) nicht ganz angekommen ist. Allein schon religiöse Probleme damit hat, dass Frauen hier gleichberechtigt sind. Mitunter sogar öffentliche Aufgaben mit Weisungsbefugnis haben. Das müssen schlimme Momente für solche Menschen sein, die schon in der Heimat Probleme hatten im kultureigenen Umfeld zurechtzukommen. Hierher kamen, um endlich in Ruhe leben zu können. Und dann so etwas. Rassismus pur. Frauen sagen ihm, was er zu lassen hat.

 

Was überhaupt der Grund war, dass die Polizei anrücken musste ist noch offen. Vermutlich auch so ein ihn belastendes Momentum deutscher Eigenwilligkeit und Unverständnisses. Letztlich auch egal. Denn als er zum Messer griff um Ehre, Stolz und Männlichkeit zu demonstrieren, gerade auch gegen diese militanten Weiber, änderten sich die Einsatzgrundsätze schlagartig und die Polizei wurde zum Rassisten. Klar. Logik, die begeistert.

Wenn Drogen zu solch geistigen Genieleistungen beflügeln können, dann will der Autor auch welche haben. Aber die doppelte Menge, damit das auch klappt genauso konfus denken zu können wie diese Gestalten, die das offensichtlich auch so meinen. Allen Ernstes und bei völliger Überzeugung. Fest im Glauben, dass das Rassismus(!!) war. Rassismus überhaupt eine Rolle gespielt hat. Auf Seiten der Polizei… wohlgemerkt.

 

Fatal ist, dass der Tod des Messerangreifers hätte vermieden werden können. Die Bremer Polizei und die DPolG Bremen haben vor knapp achtzehn Monaten erst die Zulassung und Beschaffung von Tasern (HIER) eingefordert. Mit diesen nichtletalen Waffen hätte man aus sicherer Distanz den Mann tasern und so mit Elektroschocks zu Boden bringen können. Gerade die jetzt schreienden Vertreter der GRÜNEN und DER LINKEN sahen in dieser Waffe aber eine besondere Gefährdung des möglichen Angreifers…
Noch schlimmer ist, dass diese Taser aber in dem zu Bremen gehörenden Bremerhaven zugelassen und im Einsatz sind.
Und gerade in diesem Fall, wäre der Taser besser geeignet gewesen als das Pfefferspray und hätte auch auf dem Rückzug des Polizisten anstatt der Pistole eingesetzt werden können. Auch und gerade unter dem Gesichtspunkt, dass auch die zwei Polizeibeamtinnen, an denen der Angreifer vorbeistürmte, diese Taser hätten zum Einsatz bringen können.

Wie es scheint, ist in Bremen eine andere Debatte nötig. Nämlich die, die sich um eine zeit- und bedrohungsgerechte Ausstattung der Polizei dreht. Zum Schutz der Bürger und der Polizei selbst. Aber auch zum Schutz derer, die glauben mit Messern auf andere losgehen zu müssen.

Und das hat nichts mit Rassismus zu tun, aber mit Anstand und Gewissen derer, die unsere Polizei in solche unnötigen Situationen jagen.



 

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