Covid-19: Die Affen wollen vom Baum runter…

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Der Mensch muss eine Gefahr sehen, damit er sie begreift. Sie möglichst fühlen. Nur so reagiert er evolutionär richtig. Mit Flucht, Verteidigung oder auch Angriff. Und das Coronavirus hebelt diesen natürlichen Mechanismus komplett aus. Mitunter auch, weil mit gewissen Maßnahmen die Sicht- und Fühlbarkeit für uns alle stark vermindert wurde.

Wir erinnern uns an den Tsunami in Indonesien? Als das Wasser zurückging, das Meer sich um hunderte Meter vom Strand zurückzog, war das spannend. Man ging zu den Korallen und suchte den Meeresboden ab.
Als die Welle am Horizont erschien, war das noch spannender. Es gab sogar ein Video wo zwei Touristen da standen und der eine dem anderen erklärte was ein Tsunami ist…
Als dann die Welle kam, und zwanzig Meter lange Boote wie Nußschalen hüpften war es eigentlich schon zu spät, aber es gab immer noch Leute die filmten – anstatt um ihr Leben zu rennen.
Hier war das Wissen entscheidend. Man wusste zwar bildungstechnisch was ein Tsunami ist, hatte auch schon mal ein paar Bilder gesehen, fühlte sich aber nicht bedroht, obwohl man die Welle herankommen sah.

Nur ist Covid-19 unsichtbar. Schwappt nicht fotogen an den Strand, spült auch keine Häuser samt Bewohner weg. Ist auch kein Zweistundenereignis. Verursacht noch nicht mal sichtbare Zerstörungen. Es ist eigentlich wie immer. Wie jedes Jahr. Der Frühling geht in den Sommer über. Man stellt sich auf Urlaub ein.

Medien und Politik haben dafür gesorgt, dass man seinen Mundschutz aufgesetzt hat, Maßnahmen mitgemacht hat und nun etwas als überstanden angesehen wird, was ohnehin die allerwenigsten real erlebt haben.
Deutschland hatte 181.300 Fälle mit 8.500 Toten (Stand 27.05.) bei 80 Millionen Einwohnern. Damit war einer von 400 Einwohnern betroffen. Nur nicht gleichverteilt und flächendeckend. In den Hotspots war es zu bemerken. In anderen Regionen gar nicht.
Und wirklich dramatische Verläufe waren fast so selten wie die Toten. Damit blieben die Folgen des Virus unter der Wahrnehmungsschwelle dessen, was Flucht, Verteidigung oder Angriff auslöst.

Dagegen sind aber die getroffenen Gegenmaßnahmen sehr wohl sichtbar, fühlbar und wahrnehmbar. Und das für alle. Jeden Tag und überall. Ein Tsunami aus allen Richtungen gleichzeitig, rund um die Uhr und aufeinander aufbauend. Und auf Dauer auch ermüdend, zumal es gegen eine unsichtbare Gefahr geht.
Inzwischen fühlen sich die Bürger wie Affen, die man auf den Baum in Quarantäne befohlen hat ohne das auch nur ein verdammter Löwe in Sicht war und ist. Die Maskenpflicht, als Ausdruck der Krise, wird als Last empfunden. Zunehmend auch als Maulkorb, denn auf dem Affenbaum macht sich Unmut breit. Und der ist sichtbar und fühlbar. Zumindest sicht- und fühlbarer als die nicht gesichteten Löwen. Da helfen dann auch nicht vereinzelte Affen, die tot vom Ast gefallen sind.

Wir erleben jeden Tag die Schlangen vor Geschäften, wo man nur noch einzeln eintreten darf. Schieben zu zweit einkaufend jeder unseren Wagen durch den Supermarkt, schauen uns vollmaskiert in Bus und Bahn an oder auch nur betrübt aus dem Fenster, weil unser Arbeitgeber uns nicht in die Firma lassen wollen.

Letzteres schafft dann Existenzängste, die mit der sicht- und fühlbaren Kurzarbeit ihren Anfang nehmen. Bei Selbstständigen herrscht inzwischen Panik. Hunderttausende von Familien sind direkt betroffen. Millionen indirekt mit. Und das sind mehr, als die Infizierten…

Jetzt kommt der Sommer, sechs Wochen Lockdown, Shutdown, Trennung und Quarantäne reichen dem Bürger, der zwar nicht von Corona heimgesucht wurde aber von den Gegenmaßnahmen. Und das bis hin zum Existenzverlust. Und der führt nun zu Reaktionen: Wut, Klagewelle, Bedrohung von „Verursachern“ und zu Demonstrationen auf breiter Front. Vorerst. Denn das ist wohl nur das, was man evolutionsgeschichtlich als reine Verteidigung ansehen sollte. Der Angriff kommt noch.

Und gerade davor haben die Verantwortlichen nun Angst und lockern die sicht- und fühlbaren Maßnahmen nun so schnell es geht. Merkel steht inzwischen vor der Tür, wird gar nicht mehr gefragt und die Länderchefs pochen auf ihr Recht ihre Länder so zu führen wie sie es wollen.

Die Affen wollen vom Baum an den Strand, um den nächsten Tsunami nicht zu verpassen. Sic!
Und die Strandbar ist natürlich wieder auf. Südeuropa breitet die Arme aus, um die Touristen zu holen. Geld ins Land zu bringen. Normalität denen anzubieten, die endlich vom Baum wollen, um mal wieder zu… leben??

Wir wissen, dass es eine zweite Welle geben wird. Der Virus ist nicht tot. Er ist nicht verschwunden. Er ist kein historisches abgeschlossenes Ereignis wie die Pest. Es hat gerade erst begonnen. Er ist da. Schlummert um uns und auch in uns. Bei viel zu vielen unerkannt. Unsichtbar. Nach wie vor existent und gefährlich. Auf Ausbreitung und Vermehrung hoffend. Denn es gibt noch kein Gegenmittel.

Das interessiert aber nicht. Denn die Bevölkerung hat keine Toten mit eigenen Augen gesehen. Keine fühlbaren Verluste erlitten. Wohl aber fühlbare Wohlstands- und Freiheitsverluste. Und letztere lassen sich die Bürger über längere Zeit nicht nehmen, zumal selbst Experten von Anfang an über Notwendigkeit und Einzelmaßnahmen gestritten haben. Und der Expertenstreit ist psychologisch schlimmer als gar keine Aussage.

Jetzt fangen nämlich die Affen auf dem Baum an selbst zu denken. Selbst zu entscheiden. In einer aufgeklärten Demokratie eine Selbstverständlichkeit, denn der Bürger (oder Affe, je nach Sicht der Dinge…) ist der Souverän im Staat (oder auf dem Baum).

Und der entscheidet notfalls durch Inaugenscheinnahme. Und da ist weder ein Virus noch ein Löwe zu sehen. Und eine verdammte Welle auch nicht. – Und nun ist Schluss mit lustig, wir lassen den Scheiss und machen weiter. Gern auch durch die Häuptlinge in der Baumkrone täglich vorgelebt. Jetzt sogar offen propagiert…

Und damit ist der Deckel von der Büchse runter, der eh nur mühsam von Pandora aufgelegt worden war. Das Übel schwappt heraus und brandet Richtung Strand. Und den Affenbäumen…

 

Merke:

Man kann Affen relativ gefahrlos die Freiheit nehmen, aber NIEMALS ungestraft das Futter!

Und inzwischen haben zu viele Menschen zu viel verloren oder werden es mit Sicherheit verlieren. Und der Gorilla im Land, unser Staat, braucht auch Geld um zu leben. Daher ist es fraglich, ob er überhaupt bei der nächsten Welle wieder alle auf die Bäume scheuchen kann. Oder will. Oder sich auch nur traut…

Und daher wird die zweite und vermutlich auch dritte Welle, bis Impfstoffe und Medikamente verfügbar sind, schlimmer werden. Viel schlimmer. Aber auch sicht- und fühlbarer.

Und sollte bis dahin nicht das Vertrauen in eben diese medizinischen Produkte aufgebaut werden können, dann Gnade den Gorillas (Politik) und Brüllaffen (Presse) dieser eine Gott, der Feuer legt. Denn dann kommen die verzweifelten Affen vom Baum und werden selbst zum Tsunami werden…


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