Eine Ära mit rasanten Entwicklungen

Zwei Gesichter des Weltcups in Willingen: Andreas Goldberger (links9 und Walter Hofer. Der eine prägte als Springer das Event an der Mühlenkopfschanze, der andere als Fis-Renndirektor. Hier plaudern beide beim ersten Weltcupspringen in Willingen, das Goldberger gewann. Foto: Holger Nagel.

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25 Jahre Weltcup an der Willinger Mühlenkopfschanze

Zwei Gesichter des Weltcups in Willingen: Andreas Goldberger (links9 und Walter Hofer. Der eine prägte als Springer das Event an der Mühlenkopfschanze, der andere als Fis-Renndirektor. Hier plaudern beide beim ersten Weltcupspringen in Willingen, das Goldberger gewann. Foto: Holger Nagel.

Seit 25 Jahren wird auf der Mühlenkopfschanze im Strycktal um Weltcuppunkte gerungen. Ein Vierteljahrhundert, in dem sich beim Skispringen und im Umfeld der Sportart viel verändert hat. Als der Österreicher Andreas Goldberger am 8. Januar 1995 als erster Willinger Weltcup-Gewinner bejubelt wurde, konnte auch er nicht ahnen, welche rasante Entwicklung folgen würde. Der „Goldi“, wie die Frohnatur von seinen Fans liebevoll genannt wurde, siegte mit Sprüngen von 125 und 126,5 Metern. Es waren Weiten, für die sich der damals 22-Jährige auf der „großen Mühlenkopfschanze“ mächtig ins Zeug legen musste. Wer heute nach dem Umbau zur modernen Großschanze im Jahr 2000 bei diesen Weiten landet, wird es kaum in den zweiten Durchgang schaffen. Der Rekord liegt bei 152 Metern (Janne Ahonen 2005 und Jurij Tepes 2014). Zu Zeiten der Weltcup-Premiere im Upland war das Skispringen generell noch eine echte Lotterie. Wer bei den Sprüngen den richtigen Auf wind erwischte, war seinen Konkurrenten schnell mal enteilt. Denn Bonuspunkte gab es damals noch nicht: Allein die Weite und die Wertung der Punktrichter bestimmten das Endergebnis. Seit 2010 ermöglicht die Technik, den Wind am Hang während des Fluges verlässlich zu messen, die Daten in Sekundenschnelle auszuwerten und so zum festgelegten Richtwert Plus- oder Minuspunkte zu verteilen.

Apropos Technik: Die Sprünge der Athleten wurden 1995 schon elektronisch überwacht. In einem ausgewählten Bereich des Hangs wurden mit einer Kamera Bilder gemacht und auf der Festplatte eines Computers sichert – zwölf an der Zahl für jeden Sprung. Die Weite ließ sich so haargenau bestimmen – vorbei die Zeiten, als die Weitenmesser mit ihren Stangen auf den Punkt zeigten, wo sie die Landung gesehen hatten. Die menschlichen Helfer stehen heute zwar immer noch am Hang, werden aber nur gebraucht, falls die Technik streikt. Die Technik der Springer hat sich – wie man vermuten könnte – allerdings nicht geändert. Schon damals segelte Goldberger im V-Stil zu Tal. Diesen hatte der Schwede Jan Boklöv bereits Anfang der 90er Jahre in den Skizirkus eingebracht. Dabei musste er zunächst deutliche Punktabzüge gegenüber den Konkurrenten hinnehmen, weil er mit seinem Stiel beim Flug von einer deutlich besseren Aerodynamik profitierte.

Abzüge waren 1995 auch das Problem der Fotografen – denn bis sie diese nach dem Springen endlich in der Hand hielten und an die Zeitungen verschickten, war der Weg ins Pressezentrum im Ort und eine Menge Entwicklungsarbeit erforderlich. Die schreibende Zunft hatte es da schon etwas besser. Für sie standen bei der Premiere am Mühlenkopf zehn Arbeitsplätze in einem umfunktionierten Bus bereits. Der Vorgänger von damals heißt heute Subpresszentrum, das sich im 2004 errichteten Funktionsgebäude direkt neben der Schanze befindet. Von dort verschicken rund 40 Journalisten und Fotografen schon während des Wettkampfes Texte, Bildern und Videos in alle Welt. Dass der Ski-Club seine Premiere nicht verpatzt hatte, stellte sich schnell heraus. Denn seit 1999 haben die Willinger einen festen Platz im jährlichen Terminkalender des Internationalen Skiverbandes (FIS). Und damit stiegen auch die Anforderungen. Viermal richteten die Free Willis, wie die Helfer genannt werden, gleich drei Weltcup-Veranstaltungen an einem Wochenende aus. In diesem Jahr sind die 49. und 50. Einzelspringen an der Reihe. Bei allen Veränderungen ist eines aber gleichgeblieben: Willingen war und ist ein Publikumsmagnet. Schon bei der ersten Auflage trugen 35.000 Zuschauer die weltbesten „Adler“ begeistert durch die Lüfte. Zu Zeiten von Sven Hannawald und Martin Schmitt waren es an einem Wochenende sogar mal 70.000. Heute gibt es zwar moderne Tribünen im Strycktal, aber auch den Sicherheitsaspekt, der seinerzeit noch kein Thema war. So sind die 56.800 Besucher des Vorjahres ein Spitzenwert, mit der SC Willingen in der Champions-League der Skispringer ganz oben mitspielt. Nicht zuletzt gibt es noch eine Konstante: Ein bekanntes Gesicht war nämlich schon bei der Premiere zu entdecken. Es hat inzwischen nur die Seiten gewechselt. Am kommenden Wochenende analysiert Dieter Thoma für die ARD die beiden Springen, 1995 musste er als DSV-Topathlet Goldberger den Vortritt lassen und wurde Dritter. Echte Fans von Willingen sind beide.


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