Fridays gegen Altersarmut: Sind demonstrierende Rentner nun – auch – Nazis?

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Lesedauer: 5min

 

Demographie ist keine Hexerei.

Hat nichts mit Alchemie zu tun. Noch weniger mit Zufall, unglücklichen Spontanumständen oder gar unvorhersehbaren Ereignissen. Veränderungen in demographischen Gegebenheiten zeichnen sich mit einer Vorwarnzeit von bis zu 30(!) Jahren ab.

Also durchschnittlich 26 Jahre länger als der Politiker gewillt ist zu denken.

Und wer in den dann unbetrachtet gelassenen 26 Jahren dauerhaft, wiederholt und wenig intelligent falsch, zusammenhanglos und nicht ganzheitlich zu handeln gewillt ist, hat dann am Ende dieser Zeitspanne ein Problem. So wie wir nun. Es droht für immer mehr Menschen Altersarmut.

Das Problem wurde anderswo fachlich im Zusammenhang als Stresstest umfassender betrachtet (Stresstest Altersarmut: https://conplore.com/stresstest-altersarmut-in-deutschland-wirtschaftliche-soziale-und-politische-folgen/ )

Und dass dieses Thema nicht nur uns, sondern auch bei unseren Nachbarn in Frankreich aktuell ist, zeigen die anhaltenden Bürgerproteste dort, die bisweilen immer gewalttätiger zu eskalieren scheinen. Ein Indiz dafür, was auch hier noch kommen könnte, wenn die Not erst mal groß genug ist.

Das wird auch unseren Politikern zunehmend klarer. Die Zahl von bis zu elf (11!) Millionen Rentnern in der Altersarmutsfalle geistert durch die Medien, die das aber geschickt unter den Teppich kehren wollen. Am besten ganz ausblenden, obwohl alle Indikatoren darauf hindeuten, dass gerade für Senioren in Ballungsgebieten die Luft immer dünner wird. Besonders dann, wenn ein Ehepartner verstirbt und die Rente dann noch weiter fällt.


Armutsfalle Rente?

Die Gründe für die Zunahme der Gefahr sind allgegenwärtig und verstärken sich sogar gegenseitig noch.

Und das nicht nur für Rentner an sich, sondern für alle:

  • sinkendes Rentenniveau bei gleichbleibenden/steigenden Lebenshaltungskosten;
  • Kopplung der Rente an Lohnkosten, die in den letzten fünfzehn Jahren aber stagnierten;
  • verstärkt durch die Ausdehnung des Billiglohnsektors seit der Agenda 2010;
  • sukzessive Vollversteuerung der Rente;
  • Mietfalle in Ballungsgebieten durch nicht stattgefundene Baumaßnahmen, gerade auch unter dem Aspekt Migration;
  • Niedrigzinspolitik der EZB und damit Wegfall der Zins-und-Zinseszinsentwicklung von privaten Lebens- und Rentenversicherungen gerade für Selbständige;
  • überdurchschnittlich steigende Lebenshaltungskosten bei Grundnahrungsmitteln (siehe z.B.: Milchprodukte);
  • steigende Energiekosten hier vor allem die Zins-und-Zinseszinswirkung der EEG-Umlage zur Finanzierung des Atomausstiegs, des Kohleausstiegs und der Klimasteuer auf Energie;
  • Konkurrenz der unterversorgten Leistungsempfänger/Bedürftigen und damit einhergehende Verdrängungseffekte in/bei nichtstaatlichen Hilfsorganisationen zu Lasten Schwächerer, die somit noch weniger Geld zur Verfügung haben (Sozialdarwinismus; DIE TAFELN);
  • zusätzliche Steuern wie z.B. die Erhöhung der Grundsteuer, die das mietfreie Wohnen im Alter ad absurdum führen könnte;
  • das Nichterreichen von 45 Beitragsjahren durch eine zu oft unterbrochene „Erwerbsvita“, was gerade alleinerziehende Mütter, allein pflegende Familienangehörige und Arbeitslose betrifft. Aber auch Menschen, die durch Unmöglichkeit (Gesundheit/Berufsunfähigkeit) 45 Beitragsjahre nicht erreichen werden können;
  • frühzeitige Entlassung aus dem Berufsleben ohne Chance auf Wiedereinstellung aufgrund des alleinigen Alters (ein Aspekt, der völlig untergeht!);
  • Frühzeitige Entlassung / Wegfall der Berufsaussichten durch die Digitalisierung;
  • Gerade beginnende Rezession;
  • Politisches Nichthandeln / Desinteresse.

In der o.a. Liste findet fast jeder von uns einen Punkt, der ihn persönlich betreffen wird. Und das hoch bis in das, was als gutbürgerlicher Mittelstand sich einst sicher fühlen konnte. Wo eine mögliche Altersarmut nie ein Thema war. Doch die drei Geister der Wirtschaft treffen nun als geballte Macht auf uns (HIER: https://nordhessen-journal.de/2019/09/13/frei-nach-charles-dickens-die-drei-geister-der-wirtschaft/).


Alles Nazis oder was?

Jetzt sollte man meinen, dass die Medien zumindest den Ernst der Lage begreifen, doch stattdessen beginnen einige damit, jetzt die Fridays gegen Altersarmut –Bewegung in die rechte Ecke zu drücken. Nun wirklich besorgte Bürger mit Existenzängsten als Nazis darzustellen. Rechtsextreme Demonstranten.

Es war schon immer schlimm alle Menschen, die nicht links genug sind, Kritiker und Mahner, als Nazis zu verunglimpfen. Die Nazikeule als finales Instrument gegen Andersdenkende zu schwingen. So sogar die richtigen Nazis von einst, die wirklich Millionen umgebracht haben, mit Menschen gleichzusetzen, auf das Niveau derer hinaufbefördert haben, die auf demokratischen Boden standen und stehen. Den Begriff NAZI an sich durch ideologische Dauerverblendung entwertet haben. So Millionen von realen Genozidopfern von ideologisch vollendetem Rassismus verhöhnt, verunglimpft und auch verraten haben.

Dass Nazis nun auch Klimakritiker sind, Migrationskritiker waren und wohl bald auch besorgte Bürger sein werden, die Angst um ihre Altersexistenz haben ist nicht nur perfide. Es ist schlicht schon asozial zu nennen.

Auch der Vorwurf, der berechtigt ist, dass zunehmend rechte Parteigänger das Problem nach Euro und Migration nun für sich entdecken, vermag eben nicht die Diffamierung zu rechtfertigen. Das Thema war seit 30 Jahren(!) auf dem Tablett derer, die es ignorierten. Meinten es ignorieren zu können oder gar zu dürfen. Und das waren durch die Bank die, die es jetzt immer noch nicht sehen wollen. Sie hatten alle Chancen hier politisch gestaltend, rechtzeitig und ganzheitlich wirken zu können. Taten es aber nicht. Oder nur ungenügend. Konterkarierten mit Null-Zinspolitik (bald auch Negativzinsen) auch die propagierte und geforderte private Altersvorsorge der Menschen. Vernichtet seit zehn Jahren ihre Ersparnisse und freut sich über eine staatliche Haushaltsnull.

Wie sind denn die Mehrheiten?

Könnte es sein, dass der besorgte Bürger mit Existenzangst nur deshalb ein Nazi ist, weil er bald die absolute Mehrheit der Wähler stellen wird? Verzweifelte Bürger die Gelegenheit nutzen könnten bei Wahlen Verantwortliche abzustrafen? Man nun seine Felle wegschwimmen sieht? Gerade auch für die nächsten Bundestagswahlen?

Wenn man diese Bewegung für ein würdevolles Leben im Alter rechte Geister anzieht, dann nur weil man ihnen die Bühne überlassen hat. Kampflos. Und nun auch durch kollektive Diffamierung fördert. Menschen ignoriert, die den Wohlstand aufgebaut haben, der gerade verspielt wird. Menschen, die für all das gearbeitet haben, was andere mit vollen Händen verprassen und ihr Eigen glauben nennen zu dürfen.

Kritische Bürger politisch und medial als Nazis zu diffamieren hat nichts gebracht. Im Gegenteil: es hat eine wohl dauerhafte Spaltung der Gesellschaft gefördert. Die kriselnde Debattenkultur, die nun gern wieder eingefordert wird, erst zur Krise gemacht hat. Menschen mit zunehmenden Existenzsorgen nun auch in die rechte Ecke zu stellen und weiter nichts zu machen, wird dann wohl was genau bringen? – Eine liberalere Gesinnung? Klar…

Auf Facebook hat diese Gruppe innerhalb von ein paar Monaten es auf über 300.000 Follower geschafft (aktuell: 309.427). Über 3.000 Beiträge und Kommentare pro Tag sind die Regel. Fridays for Future hat hier noch nicht mal 100.000 Follower…

Und nun mal ein Gedanke als Fakt: in Thüringen kam die FDP mit nur 73 Stimmen zu viel in den Landtag!

…(sic!)


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