Geselle beim Neujahrsempfang: Strategische Themen weiter vorangebracht – Rückblick auf „einschneidendes Jahr 2019“

Oberbürgermeister Kassel Christian Geselle

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Oberbürgermeister der Stadt Kassel Christian Geselle

„Auf dem Weg zum besten Zuhause sind wir erneut ein gutes Stück vorangekommen“, erklärte Oberbürgermeister Christian Geselle vor rund 1.400 Gästen beim traditionellen Neujahrsempfang im Kasseler Rathaus. Bei den Strategiefeldern Arbeit und Bildung, Digitalisierung und Mobilität – insbesondere bei den Themen „Schule der Zukunft“ und Radverkehr – habe man wichtige Meilensteine setzen können, so Geselle.

Dennoch sei das vergangene Jahr 2019 vor allem für Kassel ein „einschneidendes Jahr“ gewesen. Oberbürgermeister Geselle erinnerte dabei an den heimtückischen Mord an Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke. Geselle: „Dass in unserem Land, in unserer Region, wieder Menschen – aufgewiegelt durch Hetze und Worte voller Hass – fähig sind, andere zu ermorden, ist erschütternd.“

„Nur zusammen sind wir stark“

Er appellierte an die Gesellschaft, stets wachsam zu sein und die demokratischen Grundwerte weiter zu verteidigen. „Wir alle sind verantwortlich für das, was in unserer Stadt und in unserer Gesellschaft geschieht – nur zusammen sind wir stark“, sagte Geselle und verwies auf die beiden eindrucksvollen Kundgebungen für Demokratie, Toleranz, Vielfalt und Weltoffenheit mit jeweils über 10.000 Menschen.

„Klima verändern“ – dieses Motto gelte nicht nur für das gesellschaftliche Zusammenleben, sondern auch mit Blick auf unseren Planeten, betonte der Oberbürgermeister in seiner Rede weiter. Am Thema Klimaschutz komme heute keiner mehr vorbei.

So habe man in Kassel beschlossen, in den kommenden fünf Jahren rund 66 Millionen Euro in die Rad-Infrastruktur zu investieren. „Dennoch muss die Mobilitätswende allen Beteiligten – also Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern – gerecht werden“, unterstrich Geselle. Ein wichtiger Beitrag zur Mobilitätswende solle zudem die geplante Straßenbahnlinie entlang der Wolfhager Straße bis nach Harleshausen werden.

Ehemaliger Bischof Prof. Dr. Martin Hein leitet Klimaschutzrat Bei der Stadt werde künftig ein Klimaschutzrat als Beratungsgremium dazu beitragen, klimapolitische Impulse zu geben und Entscheidungen vorzubereiten. Als Moderator und Leiter für dieses Gremium konnte der ehemalige Bischof Prof. Dr. Martin Hein gewonnen werden, verkündete Geselle.

Jedoch warne er davor, so Geselle, Wirtschaft und Klimaschutz gegeneinander auszuspielen. „Arbeit und Wohlstand garantieren den sozialen Frieden in unserem Land. Bei aller Notwendigkeit für dringende klimapolitische Veränderungen sollten stets die wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Folgen gut durchdacht sein“, betonte der Oberbürgermeister. Dass die Stadt in diesem Jahr in der Lage sei, mehr als 70 Millionen Euro investieren zu können und den Schuldenabbau weiter voranzutreiben, sei ganz wesentlich der Wirtschaftskraft in Kassel – und damit den Beschäftigten in den innovativen Unternehmen, kleinen und mittelständischen Betrieben sowie dem Handwerk – zu verdanken, sagte Geselle.

Gesundheitsversorgung in Nordhessen modern und nachhaltig neu ausrichten Den städtischen Gremien dankte Geselle, dass sie Mittel in Höhe von 63 Millionen Euro für die Gesundheit Nordhessen Holding AG – dem mit 5.000 Beschäftigten zweitgrößten Arbeitgeber der Region – bewilligt haben. „Damit unterstützen sie uns, die Gesundheitsversorgung in Nordhessen modern und nachhaltig neu auszurichten. Vor allem war es wichtig, den Konzern in öffentlicher Hand zu bewahren“, erklärte der Oberbürgermeister.

Im Bildungsbereich habe die Stadt wichtige Weichen stellen können. Mit dem neuen städtischen Amt „Kindertagesbetreuung“ soll diesem Bereich noch mehr Bedeutung und Personal gegeben werden. Zu den bisher rund 11.000 Kita-Plätzen in Kassel kommen in diesem Jahr 500 weitere hinzu.

Moderner Neubau für Offene Schule Waldau Dreistellige Millionenbeträge stehen mithilfe eines Modells „made in Kassel“ durch die Gründung einer Projektentwicklungsgesellschaft für die dringend notwendigen Schulsanierungen zur Verfügung. Die Offene Schule Waldau werde die erste von zunächst fünf Schulbauten sein, die erneuert werden, erklärte Geselle. Kürzlich habe der Magistrat einen modernen Neubau direkt neben der alten Schule, die später abgerissen werde, beschlossen. Neben Kostengründen habe dies den Vorteil, dass während der Bauphase der Schulbetrieb im alten Gebäude weitergehen könne.

Baumeister-Auszeichnungen

Oberbürgermeister Geselle würdigte beim Neujahrsempfang Menschen als Baumeister, die sich besonders um Kassel verdient gemacht haben. Sie helfen und begleiten Kassel mit großem Einsatz und beispielhaftem Engagement auf dem Weg zum besten Zuhause.

Kleingärtner sind Baumeister für Klima- und Umweltschutz vor Ort Der Kasseler Stadt- und Kreisverband der Kleingärtner betreut und berät 43 Kleingärtnervereine, von denen sich 35 Vereine im direkten Stadtgebiet befinden. Mehr als 5.000 Menschen – darunter viele Familien mit Kindern – finden auf den rund 200 Hektar an Kleingartenflächen ihr grünes Stückchen Lebensqualität.

Geselle: „Inmitten der Stadt übernehmen die Kleingärten zudem wertvolle ökologische Funktionen, bilden Frischluftschneisen und sind Lebensraum für Insekten. Diese grünen Oasen werden wir erhalten.“ Stellvertretend für alle Kleingärtner zeichnete der Oberbürgermeister Karl-Heinz Emmeluth als Vorsitzenden des Stadt- und Kreisverbandes der Kleingärtner aus.

Daimler-Belegschaft geht Mobilitätswende innovativ an Die Autoindustrie steht vor dem wahrscheinlich größten Wandel ihrer Geschichte. Daraus ergeben sich für die Branche neue Herausforderungen. Geselle: „Das sehen wir in einer Stadt, die wesentlich von der Mobilitätsbranche lebt, auch mit Sorge. Denn wir wissen: Unsere wirtschaftliche Stärke hängt auch heute und morgen vom Wohlergehen dieser Leitindustrie ab.“

Stellvertretend für die Belegschaft des Mercedes-Benz Werks Kassel sind die Auszubildende Alice Weißbeck und der Betriebsingenieur Jörg Dornemann als Baumeister für Innovation und Wirtschaftskraft aus dem besten Zuhause ausgezeichnet worden. Geselle: „Die Stadt Kassel steht auch angesichts der künftigen Herausforderungen eng an Eurer Seite.“

„Selam & Shalom“: Brückenbauer zwischen den Glaubensrichtungen Als Brückenbauer zwischen den Glaubensrichtungen würdigte Oberbürgermeister Geselle das musikalische Duo „Selam & Shalom“. Seit drei Jahren musizieren Elena Padva und Attila Günaydin gemeinsam und verbinden jüdische und alevitische Lieder miteinander. Elena Padva ist Leiterin des Sara Nussbaum Zentrums für jüdisches Leben. Attila Günaydin unterrichtet bundesweit das Musizieren auf der traditionellen Langhalslaute Baglama.

„Sie nutzen die Musik als universelle Weltsprache zur interkulturellen Verständigung. Mit ihren Workshops laden sie ein zu Entdeckungsreisen in vielleicht fremd empfundene Kulturen und zum Austausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede über religiöse und weltanschauliche Prägungen, Überzeugungen und Zugehörigkeiten hinweg“, sagte Geselle. „Elena Padva und Attila Günaydin sind echte Baumeister im Brückenbauen. Sie zeigen: Zusammen sind wir stark, und zusammen sind wir eine vielfältige, lebendige und friedliebende Gemeinschaft.“

Praxisnahes Wissen dank Ehrenamt im Verein für wirtschaftliche Jugendbildung Nicht nur meckern, sondern etwas machen – das wollten Juri Galkin und Lorenzo Wienecke. Mit ihrem Verein für wirtschaftliche Jugendbildung haben sie mit dem „Zukunftstag“ einen Projekttag an Oberstufen ins Leben gerufen – für mehr praxisnahes Wissen in der Schule über die Bereiche Steuern, Finanzen, Krankenversicherungen und die erste eigene Wohnung. Das Ganze wird ehrenamtlich organisiert von Jugendlichen für Jugendliche.

Juri Galkin und Lorenzo Wienecke bekamen Anfragen aus ganz Deutschland. Und so gibt es inzwischen 500 Veranstaltungen übers Jahr verteilt in der gesamten Bundesrepublik. „Dank der Vision von Juri Galkin und Lorenzo Wienecke bekommen viele Schüler unabhängig von ihrem Elternhaus Grundlagenwissen in wichtigen Bereichen des Lebens. Ihr Projekt ist ein Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit“, lobte Geselle bei der Überreichung der Baumeister-Auszeichnung an die Vorstände des Vereins für wirtschaftliche Jugendbildung.

Baumeister als Wertschätzung und Dankeschön für Pflegekräfte „Wenn wir über unser Gesundheitssystem reden, dürfen wir die nicht vergessen, ohne die die gesamte Gesundheitsversorgung nicht funktionieren würde: die Pflegekräfte. Ihre Arbeit ist für unsere Gesellschaft unermesslich“, hob Oberbürgermeister Geselle hervor. „Die anspruchsvollen Tätigkeiten in der Gesundheits- oder Altenpflege erfordern Kompetenz und Einfühlungsvermögen. Sie bringen nicht nur körperliche, sondern auch seelische Anstrengungen mit sich.“

Gerade vor dem Hintergrund des sich zuspitzenden Fachkräftemangels im Pflegebereich ging der Baumeister-Preis an Dagmar Niemeyer. Sie ist seit 37 Jahren als Kinderkrankenschwester tätig, zunächst im damaligen Kinderkrankenhaus Park Schönfeld und jetzt auf der Intensivstation für Kinder im Klinikum Kassel. „Die Baumeister-Auszeichnung soll ein Zeichen der Wertschätzung und ein großes Dankeschön an alle sein, die für Patienten, für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen da sind“, betonte Geselle. // KS


 

 

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