US-Sanktionen für NordStream2: trotz massiver Nachteile für Deutschland sagt Regierung nichts

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©JLZ

Putin und damit Russland zu schaden hat eine lange Tradition. Man könnte schon sagen, dass es in die Kategorie „Erbkrieg“ gefallen ist. Etwas, was einmal Deutschland und Frankreich über Generationen beschäftigt hielt.

So war der damalige Bau der Erdgaspileline NordStream etwas, was jenseits des Atlantiks nicht gerade auf Wohlwollen stieß, doch man hatte andere Probleme und auch ein geringeres Eigeninteresse als heute.

Damals suchte und fand Russland eine Lösung, wie es seine westlichen Vertragspartner bedienen, seine Verträge erfüllen konnte, wenn  – mal wieder – die Ukraine die Pipeline in den Westen dichtmacht, um so noch bessere Tarife für ihre vergünstigten Gaslieferungen aus Russland zu beziehen. Diese Lieferverträge zwischen Russland und der Ukraine stammen noch aus UdSSR-Zeiten und verpflichten Russland weit unterhalb des Weltmarktpreises die Ukraine zu beliefern. Und damals liefen viele dieser Verträge aus, was dann die Ukraine auf den Plan rief das wirtschaftlich schwächelnde Russland mit der Schließung der Pipeline zu erpressen.

Nur hat Erdgas damals wie heute einen wichtigen Stellenwert in Westeuropa und gerade in Deutschland. Erdgaskraftwerke werden in Spitzenlastzeiten zur Stromerzeugung zugeschaltet, weil sie aus dem Stand heraus Leistung bringen können. Etwas, was unsere solar- und windkraftoptimierte Energieerzeugung inzwischen immer häufiger benötigt. Nicht nur zur Abdeckung des Spitzelastbereichs. Inzwischen auch zur Erhaltung der Grundspannung in Teilnetzen.

Dann ist Erdgas eine wichtige Wärmequelle von Millionen von Haushalten. Zuzüglich all derer Haushalte, die mit Erdgas auch noch kochen, was gerade in Altbauten oft vorkommt.

Aus diesem Grunde ist eine sichere Erdgasversorgung gerade für Deutschland wichtig. Und die politische Situation in der Ukraine, und das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine kein Garant, eben diese Versorgung für Westeuropa zu gewährleisten.

Daher wurde NordStream2 geplant und nun gebaut. Um eben die Verträge zwischen Russland und Westeuropa sicher bedienen zu können. Zum beidseitigen Interesse.



Nun hat sich aber etwas geändert. Seit dem Bau von NordStream1. Die USA sind Dank Fracking, und Tiefseebohrungen zum weltgrößten Olförderland aufgestiegen. Weit vor den arabischen Staaten. Und das mit noch größeren Abstand in Sachen Gasförderung. Und hier tun sich nun wirtschaftliche Interessen auf, da das eigene Gas verkauft sein will. Und als USA nutzt man dazu nicht Marktmechanismen wie Angebot und Nachfrage, Preis-/Leistungsverhältnisse und Servicequalität, sondern eher Embargos, Sanktionen und ggf. auch militärischen Druck. Im schlimmsten Fall dann auch mal eine kleine Revolution vor Ort und die Beseitigung unliebsamer Regierungen. So fing der zweite Irakkrieg an. Man schielte auf die Ölfelder und faselte von Massenvernichtungswaffen, die man dringend finden müsste.

Nun ist NordStream2 fast fertig, die US-Wirtschaft ist durch chinesische Ambitionen etwas ins Trudeln geraten und das Sperrfeuer aus dem Senat wird für Trump zum eisigen Sturm. Kurz vor den nächsten Wahlen. Zeit schweres Geschütz aus dem Keller zu holen. Und das sehen wir gerade mit Sanktionen gegen dieses Projekt feuern.

Natürlich kommen nun die ersten Gestalten aus unserer Regierung auf die Idee, erst mal die Backen aufzublasen. Der Lobbyverein „Atlantikbrücke“ mit Merz und Gabriel verhalten sich aber ruhig. Sehr ruhig. Und sagt mehr  – als Merkel je öffentlich sagen würde.

Also wird es enden, wie es immer endet, wenn der Bürger erwartet, dass seine Sicherheit an erster Stelle steht: er wird enttäuscht und die Plätze verwiesen. Irgendwo ganz hinten, wo er dann die Mehrkosten von Feigheit still zu zahlen hat. Gern dann über Jahrzehnte. Wie bei anderen Themen schon erprobt. Allen voran die „Energiewende“, die nun gerade eine sichere Gasversorgung nötig macht. Denn gerade im Winter bringt Solar- und Windenergie nicht viel, während der Energiebedarf drastisch steigt.

Aber nur nicht mit dem bösen Putin Geschäfte machen. Der könnte sonst hier Einmarschieren. Über Nacht, während wir unsere Händchen an Gasöfen wärmen und auf CNN live mitverfolgen wie die USA das nächste Terrorregime mit „Massenvernichtungswaffen“ vom Globus blastert.


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