Terrorwarnung am Breitscheidplatz in Berlin: doch wieder alles gut!

image_pdfimage_print

Lesedauer:2 min

Erst diese Woche verkündete man als Erfolg, dass die Anzahl der islamistischen Gefährder 2019 gesunken ist. Zwar stieg auch dieses Jahr die Zahl der Salafisten an, aber die islamistischen wurden weniger.

So war es am Breitscheidplatz in Berlin gestern eigentlich sicherer als 2018. Wenn man geneigt ist solchen sicherheitspolitischen Lippenbekenntnissen propagandistischer Art unserer Regierung zu vertrauen. Immerhin wird alles und ständig besser. Dieses rhetorische Mantra kennen die Älteren noch aus der Endzeit der DDR, wo alles ganz super war.

Doch gestern war es am Breitscheidplatz wieder soweit. Zwei verhaltensauffällige Gäste wurden von einer Zivilstreife auf dem Weihnachtsmarkt ausgemacht. Also innerhalb des innersten Festungsgürtels, der „Sperrzone 1“, wie es in der Wolfsschanze einmal hieß. Übertrieben? – Nee. Wir leben schließlich im Jahre 2019 und nicht im Jahre 2014 oder früher.

Und weil historische Daten wichtig sind, war gestern vor drei Jahren auch ein Jubiläum der besonderen Art. Vor drei Jahren meuchelte der Asylant Amis Amri mit einem gestohlenen Lkw, dessen Fahrer er ebenfalls ermordete, auf eben diesem Breitscheidplatz ein paar weihnachtliche Gäste nieder. Ein paar andere wurden nur etwas angequetscht und überlebten. Etwas entstellt. Etwas behindert. Etwas traumatisiert. Aber auch das ist in letzter Zeit besser geworden. Die meisten können schon wieder ohne Rollstuhl von A nach B hinken.

Somit war gestern auch eine Gedenkveranstaltung in der Kirche nebenan angesetzt. Zu der wurden die Angehörigen der Todesopfer nicht persönlich eingeladen. Das wurde schon im Vorfeld bemängelt. Als Stilbruch. Es ist anzunehmen, dass auch das bald besser wird.



Jedenfalls war man in Sicherheitskreisen wohl recht „sensibel“ wie es nun die Berliner Polizei ausdrückt. Warum denn? Reichen Festungsgürtel um solche Events denn nicht? Mit Sperrkreisen, Videoüberwachung und nachrichtendienstlicher Vorabsondierung?

Und so fielen dann zivilen Polizisten eben diese Verdächtigen auf. Verdächtige, die ein anderes weihnachtliches Besucherverhalten zeigten. Was da der genaue Definitionsmaßstab war, ist für Normaldenkende nur schwer zu erfassen. Zumal wir in den letzten Jahren gelernt haben viele neue und ungewöhnliche Verhaltensweisen als normal anzusehen, die wir vorher hier so nicht sahen. Und da gerade die Polizei täglich mit immer mehr neuen und neusten Verhaltensweisen konfrontiert wird, müssen es die zwei Verdächtigen schon erheblich auf die Spitze getrieben haben. Neue Höhen verdächtiger Verhaltensweisen erklommen haben.

Also drückte der Verantwortliche den Panikschalter und die Staatsmacht konnte dem treuen Bürger mal zeigen, was sie so drauf hat. Vermutlich eingehend von denen studiert, die nun die Einsatzstrategie der Polizei genauestens auswerten werden. Lücken suchen und finden werden. Tja, aber das gehört auch zum Geschäft der Terrorabwehr. Damit zu rechnen, dass man nur getestet und sondiert wird. Daher hat die Berliner Polizei mit Sicherheit einen Plan B parat, der sich vom gezeigten Plan A nicht nur durch die zwei bezeichnenden Buchstaben unterscheidet. Völlig klar. Wir wissen alle, wie gut gerade die Berliner Polizei ist. RRG sind ihre Farben.

Immerhin ist die Unschuld der Verdächtigen abschließend geklärt. Es war eine Namensverwechslung, die zur Räumung führte. Die zwei verdächtigen Gäste hatten so wohlklingende Namen, dass sie mit US-Terrorverdächtigen verwechselt werden konnten, was nicht schwer ist. Wer schon mal in deren Heimatländern war, weiß als Besucher dort, dass ein und derselbe Ort oft drei bis vier Schreibweisen kennt. Also nicht der Fehler der Verdächtigen. Oder der Polizei. Sondern einfach Pech. Mit Verbesserungspotential. Nach der Klimarettung, die natürlich Vorrang hat. Logisch. Schwerpunkte sind immer wichtig.



So wurde der Weihnachtsfestungsmarkt „Wolfsnestchen“ am Breitscheidplatz in Berlin also erst einmal flächengeräumt. S-Bahnen hielten nicht am Bahnhof Zoo, der immerhin 500m weit weg ist. Also alles bis zum Rand der „Sperrzone 3“ nach Hause geschickt. Zur besinnlichen Beruhigung der Gemüter aller, die in Weihnachten bisher das Fest der Liebe sahen und sehen wollen.

Alles richtig gemacht. Alles gut. Und es wird ständig besser. – Danke!



Der Autor Sascha Rauschenberger

Sascha Rauschenberger, geboren 1966 in Wattenscheid, ging nach dem Abitur zur Bundeswehr, wo er als Panzeraufklärer und Nachrichtenoffizier Dienst tat. Er diente, unter anderem als Reservist, in vier Auslandseinsätzen, zuletzt als Militärberater in Afghanistan.

Seit 2000 ist er als Unternehmensberater im Bereich Projektmanagement und Arbeitsorganisation (Future Work) tätig.


NordHessen-Journal Nachrichten und Berichte von NordHessen für NordHessen