Kurden demonstrieren für die Freiheit ihrer Heimat in Köln

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„Woran Du glaubst, dafür sollst Du leben und sterben“, ist ein Satz, den es in vielen Varianten, Ausprägungen und Metaphern gibt. Es gibt ihn in fast allen Kulturen. Weltweit. Und in allen Zeitaltern der Menschheit.

Daher verwundert es nicht, dass ein Volk ohne eigenes Staatsgebiet nach dem Niedergang des despotischen Irak unter Saddam Hussein, sich im Chaos eben dieses Stück Land im Norden des Irak als seine Heimat erkämpft hat. Es gegen die Islamischen Schergen des IS verteidigt hat. Seite an Seite mit Verbündeten aus Europa und den USA.
Das autonome Kurdengebiet wurde zum Funken der Hoffnung für all die Kurden, die noch in anderen Ländern lebten. In Ländern, in die das ethnische Kurdengebiet auch reicht, aber in denen die Autonomie der Kurden weitestgehend unterdrückt wird.

Es ist auch nicht so, dass wir dafür kein Verständnis haben, wenn eine Ethnie eine eigene Nationalstaatlichkeit anstrebt. Das beobachten wir auch hier in Europa. Selbst Schottland stimmte über dem Verbleib im United Kingdom ab. Auch in Belgien gibt es zwei Ethnien. Und wie stark der Wunsch eines Volkes nach einem eigenen Staat ist und war, sieht man an Israel.

Natürlich kann so ein Staat nicht entstehen, ohne dass andere dazu etwas beitragen. In aller Regel abgeben müssen. An Land, an Ressourcen und auch an Macht. Länder entstehen nicht in luftleeren Räumen. Und bisweilen muss man für diese Chance auf einen eigenen Staat auch kämpfen. Bluten. Sterben… Nichts im Leben ist umsonst. Glaube allein reicht nicht.

So haben sich gestern die Kurden entschlossen für ihr Anliegen zu kämpfen. Mit den Mitteln, die sich ihnen in einem fremden Land bieten. Sie demonstrierten für ihr Recht auf Heimat, Autonomie und Freiheit. Für die Chance in dem Land zu leben, dass sie vor dem Chaos des zerfallenen Iraks verteidigt haben. Wo sie unter dem IS litten, ihn besiegt hatten und nun eine Demokratie aufbauen wollten.

Das passte Erdogan nicht, der das kurdische Gebiet eher als Teil dessen sieht, worauf die Türkei als Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches Anspruch hat. Gleichzeitig war dieser Landstrich auch ein mögliches Rückzugsgebiet kurdischer PKK-Rebellen, die seit vierzig Jahren in der Türkei für mehr Rechte kämpfen. Mitunter auch für ihre Gleichbehandlung als Bürger an sich kämpfen. (sic!)

Anders als in der Türkei können sie das hier in Deutschland friedlich tun. Sie haben sogar ein Recht darauf für ihr Anliegen demonstrieren zu können. Dieses ist an Auflagen gebunden, damit es auch dem entspricht, was wir als unser Recht ansehen.

So kontrollierte die Polizei beispielsweise die vom Veranstalter bereitgestellten 800 Fahnen, Plakate und Transparente.

 

 

Wie man sieht geschah das einvernehmlich. Die Organisatoren standen noch nicht einmal dabei, warteten geduldig abseits auf die Freigabe der Polizei. Warum? Es war verboten Bilder und Zeichen/Flaggen der PKK und deren Funktionäre zu zeigen. Das war bekannt und daher hielt man sich an diese Auflage.

Was dann folgte war etwas überraschend. Auf dem Ebertplatz versammelten sich ein paar tausend Kurden. Doch bevor es losging machte die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands Stimmung. Eine halbe Stunde vor der eigentlichen Demo hielt sie plötzlich Volksreden, die nur oberflächlich etwas mit dem kurdischen Anliegen zu tun hatten, und den Kapitalismus und Imperialismus anfeindeten. Die Großindustrie angingen und Deutschland als einen Ausbeuterstaat anprangerten, in dem die Polizei Vollstreckungsgehilfe war und ist.
Dass die kurdische Regierungspolitik im kurdischen Autonomiegebiet durchaus als linkslastig zu bezeichnen ist, man daher auch den Schulterschluss der sozialistischen Internationalen sucht (und findet) ist kaum verwunderlich. Doch warum man sich als kurdischer Organisator einer Demo dermaßen das Wasser von einer Partei abgraben lässt, die in ihrem jahrzehntelangen Wirken noch nicht mal das Attribut „Bedeutungslos“ erarbeiten konnte, überrascht.
Sich von diesem Gesinnungsträger marxistischer Verblendung so vereinnahmen zu lassen, war dem Anlass und auch dem Anspruch der Menschen vor Ort nicht angemessen.

Folgerichtig passierte auch das, was immer passiert, wenn politische Extremisten das Ruder übernehmen. Der Demonstrationszug der Kurden – vom Ebertplatz kommend – wurde zweimal auffällig. Beide Male wurde aus einem sich innerhalb des Demonstrationszuges abschottenden Block heraus mit Bengalos und/oder Rauchfackeln die Polizei provoziert.
Diese reagierte sofort, angemessen und ohne jede erkennbare Überreaktion. Es kam zu einer Festnahme.

Überhaupt zeigte sich die Demonstration äußerst friedlich. Man kooperierte mit der Polizei, die ihre sichtbare Stärke zu der Anzahl der Demonstranten so anpasste, dass sie niemals als unterrepräsentiert wahrgenommen werden konnte. Auch schirmte sie die Demonstration vom Restverkehr weiträumig ab, so dass der Zug ohne Probleme seinen Weg nehmen konnte. Überall zeigte die Polizei im Vorfeld sichtbar Flagge.
Der Autor konnte an keiner Stelle Übergriffe oder Randale mit Anwohnern oder türkischen Nationalisten erkennen. Letztere hielten sich komplett bedeckt.

So konnte der Demonstrationszug teilweise das Niveau eines Straßenfestes erreichen. Besonders als eine riesige kurdische Flagge ausgelassen feiernd durch die Straßen getragen wurde.

 

Am Hohenzollernring angekommen wurde dann der Abschluss der Demonstration gefeiert.

Bis auf das unwürdige, und völlig deplatzierte Gebaren der Antifa-„Aktivisten“, die selbst mit ihren Symbolen nicht geizten, war die Demonstration so, wie sie sich die Kurden vorgestellt hatten.

 

 

Dennoch müssen sich die Kurden letztlich die Frage gefallen lassen, warum sie ihr berechtigtes Anliegen, welches viele nachvollziehen können und auch unterstützen würden, dermaßen von diesen Linksradikalen haben vereinnahmen lassen. Ihnen erlaubt haben mit ihrer Symbolik an prominenter Stelle im Zug zu marschieren. Das hat viele Zuschauer gestört und mehr als einmal die Frage aufgeworfen, was das mit dem Problem der Kurden an sich zu tun hat.

Dennoch war es ein schönes Beispiel dafür, dass der Kampf für ein Anliegen auch friedlich lösbar ist. Integrierbar in das was wird hier leben. Trotz aller Spaltungsversuche eines Herrn, der den Preis seiner verfehlten Politik noch einfahren wird. Wir berichteten (HIER)…

 

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