Hohe Evidenz für ambulante Behandlung von Lungenembolien

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Berlin (ots) Die Zahl der Patienten, die in Deutschland eine Lungenembolie erleiden, steigt kontinuierlich an. Vor allem ältere Menschen, aber auch junge Frauen sind betroffen. Eine neue multinationale Studie zeigt jetzt, bis zu 30 Prozent der Patienten können heute frühzeitig entlassen und ambulant weiter behandelt werden.

Die Lungenembolie ist die dritthäufigste kardio-vaskuläre Erkrankung in Deutschland und ein potenziell tödliches Ereignis. Die Patienten müssen daher zunächst immer in einem Krankenhaus behandelt werden. Eine neue Studie am Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) am Mainzer Universitätsklinikum zeigt nun, bis zu 30 Prozent dieser Patienten können frühzeitig in die ambulante Behandlung entlassen werden.

Dieses Forschungsergebnis und die Auswirkungen für die niedergelassenen Ärzte und Patienten werden auf dem Fachsymposium des Aktionsbündnis Thrombose „Alte Zöpfe abschneiden – Lungenembolie ambulant behandeln?“ anlässlich des 6. Welt-Thrombose-Tages in Berlin diskutiert.

Derzeit liegt die Verweildauer von Patienten mit Lungenembolie in deutschen Krankenhäusern bei acht Tagen. Vor zehn Jahren waren es noch 12 Tage. „Im internationalen Vergleich sind aber auch noch diese acht Tage zu lang. Aufgrund jüngster Forschungsergebnisse können wir die Verweildauer für Lungenembolie-Patienten mit einem niedrigen letalen Risiko deutlich verkürzen“, erklärt Prof. Stavros Konstantinides, Professor für Klinische Studien und Ärztlicher Direktor am Mainzer CTH. Professor Konstantinides ist Leiter der multinationalen „Home Treatment of Pulmonary Embolism“ (HoT-PE)- Studie, die an über 500 Patienten aus Deutschland und in weiteren sieben europäischen Ländern durchgeführt wurde.

Durch moderne Antikoagulation geht’s früher nach Hause

Zentrales Ergebnis der HoT-PE-Studie: Es ist heutzutage möglich – durch moderne Antikoagulationsschemata und sehr sorgfältige Risikoeinteilung – Kriterien für eine frühe Entlassung und ambulante Behandlung festzulegen. Bei nur 0,6 Prozent der mit einem oralen Gerinnungshemmer behandelten Patienten trat eine neue symptomatische Thrombose oder Lungenembolie innerhalb der ersten drei Monate auf.

Forschungsergebnisse der HoT-PE-Studie finden Eingang in neue Leitlinie

Die Ergebnisse der HoT-PE-Studie fanden Eingang in die kürzlich durch die Europäische Kardiologische Fachgesellschaft (ESC) und die Europäische Pneumologische Fachgesellschaft (ERS) vorgestellte Leitlinie zur Behandlung von Lungenembolien. Die neue Leitlinie löst die von 2014 ab.

Ungefähr 15 Prozent aller Patienten mit leichter bis mittelschwerer Lungenembolie profitieren von den jüngsten Erkenntnissen einer leitliniengerechten Lungenemboliebehandlung. „Ihr Anteil könnte sich gar verdoppeln, wenn der Übergang von der stationären zur ambulanten Behandlung nahtloser organisiert wäre“, so Priv.-Doz. Dr. med. Christoph Kalka, Präsident der Deutschen Gefäßliga und Chefarzt Innere Medizin I Kardiologie/Angiologie am Marienhospital Brühl. „Allerdings, bei einer so ernsten Indikation wie der Lungenembolie, stehen Sicherheit und das Wohl des Patienten an erster Stelle. Wir wollen niemanden länger als nötig im Krankenhaus behalten. Die Qualität der ambulanten Weiterbehandlung muss jedoch absolut gesichert sein und kann nur erfolgen, wenn diese leitlinienkonform interdisziplinär und intersektoral gewährleistet wird.“

Ambulante Behandlung von Lungenembolie: Das Ausland ist weiter Kanada, aber auch die Niederlande sind da weiter. In „Kanada wurden bereits 2010 über die Hälfte der Lungenembolien ambulant behandelt“, erläutert Professor Rupert Bauersachs, Vorsitzender des Aktionsbündnisses Thrombose und Direktor für Gefäßmedizin am Klinikum Darmstadt. „Und auch unsere niederländischen Nachbarn versorgen einen erheblichen Teil der Patienten mit niedrigem Risiko nicht mehr stationär.“

 

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