Kolumbien letzte Zuflucht für Venezuela-Flüchtlinge / Flüchtlings-Kinder extrem gefährdet

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Bototá/München – Die politische und wirtschaftliche Krise in Venezuela wird nach Angaben der SOS-Kinderdörfer zunehmend auch zur großen humanitären Herausforderung für Kolumbien. Bereits jetzt haben 1,9 Millionen Venezolaner in Kolumbien Zuflucht gesucht. „Wir gehen davon aus, dass die Zahlen weiter in die Höhe gehen werden. Dies ist eine der größten Migrationsbewegungen, die es je in der Region gab“, sagt Lara Prölß, Lateinamerikaexpertin der Hilfsorganisation, in München.

In Venezuela verschlechtert sich die Lage nach Angaben der Organisation zunehmend, die Menschen hungern, die Versorgung ist zusammengebrochen. „In ihrer Verzweiflung machen sich die Menschen zu Fuß auf den Weg, ganze Familien mit kleinen Kindern laufen Tausende von Kilometern unter extremen klimatischen Bedingungen“, sagt Prölß. Es sei damit zu rechnen, dass die Zahl der Flüchtlinge bis zum Jahresende auf 5 Millionen steigen werde. Während aber Kolumbien seine Grenzen weiter offenhalte, hätten die anderen angrenzenden Staaten Peru, Chile und Ecuador die Einreise durch bürokratische Hürden praktisch unmöglich gemacht. „Immer mehr Venezolaner stranden deshalb in Kolumbien“, erklärt Prölß.

Immer mehr Flüchtlinge würden auch auf riskante Routen ausweichen, etwa durch den Amazonas oder per Boot über das Meer, in der Hoffnung, eine der Karibikinseln zu erreichen. „Etliche Menschen sind bereits ertrunken, auch Kinder“, so Prölß. Zusätzliche Bedrohung gehe von kolumbianischen Guerilla-Truppen aus, von denen einige den Friedensvertrag aktuell aufgekündigt hätten. „Die Banden sind bereits dabei, Kinder für den Drogenhandel, zum Kokapflücken oder zur Prostitution zu rekrutieren. Unbegleitete Kinder sind besonders gefährdet.“

Die SOS-Kinderdörfer unterstützen Venezuela-Flüchtlinge in Kolumbien mit einer Reihe von Maßnahmen. 915 Familien bekommen Schutz und Zuflucht, 4300 Kinder und Eltern werden psychologische betreut. Außerdem wurden bereits 14.600 Notfall-Pakete für die Erstversorgung verteilt.

 

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