Theaterstück „Moby-Dick“

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Moby-Dick oder der Wal

Nach dem Roman  von Herman Melville

Deutsch von Mathias Jendis in einer Bühnenfassung für das Theater von Marco Storman


Am 11. September gekostet und am Freitag dem 13. zur Premiere

Wenn man so wie ich, die Filmfassung mit Gregory Peck vor ewigen Zeiten, als Kind über das Röhrengerät hat flimmern sehen ist die Erinnerung so verblast, das eigentlich nur ab und an der Vorläufer vom weisen Hai, nämlich Moby Dick ab und an aus dem Meer auftaucht. Zum weis des Wal, das dazu gehörige Schwarz in Form von Kapitän Ahab.

Bei einer früheren Begegnung auf den Weltmeeren hat dieser ihm eines der unteren Beine genommen. Auf einem Holzstumpf schreitend ist Ahab in seinem Wahn, angetrieben voller Hass ausschließlich in See gestochen um den Pottwal aufzuspüren und auszulöschen.  

 

Jürgen Wink ist unweigerlich die Galionsfigur (so auch später am Bug des Walfängers Pequod beinahe davon schwebend zu sehen) des Einmannstücks. Er gibt nicht nur den Erzähler Ismael, sondern füllt auch alle anderen  Rollen aus., die so anfallen, einschließlich des Wales. Herman Melville’s Buch nie gelesen, zu abschreckend vor einem liegende 1000 Seiten. Dann doch die lieber  2 Stunden  Bühnenfassung, die allerdings ohne Pause schon arg das Fleisch strapaziert, auf dem man sitzt. Auch wenn Jürgen Wink, in einer Art Paraderolle sich sichtlich darin wohlfühlt, ausufernd lang geraten.

Ein riesiges farbiges  Bühnenbildgemälde, zeigt in einer Szenerie grob die Zerlegung eines erlegten Wales der Jetztzeit. Zur linken einen Schiffsrumpf, verbunden mit einem Art Kanzel die gleichzeitig als Ausguck nach dem Wal dient, wenn man mal das  eigentliche Metallgestänge verbunden mit Schellen ausblendet.

Im hinteren Bühnenbereich eine Art durchsichtige Zeltkuppel, wie sie bei Expeditionen zum Einsatz kommt. Rechte Seite ein Bassin mit Wasser.

Jürgen Wink selbst in Bermuda Shorts mit wässrigem Aufdruck. Eigentlich genau zu dem Zeitpunkt, als man nach dem Duell Wal Mensch trachtet, bricht das ganze und befindet sich plötzlich in dem Wikipedia oder sonst was Zug des Wal ABC. Aus dem Expeditionszelt werden Kistenboxen nach vorne getragen, Aktenordner/Mappen hervorgekramt und bis ins Detail zerlegt.

3 Kassetten nacheinander  in eine portable Anlage mit drei Abspielgeräten eingeführt, dürfen dabei an Deck nicht fehlen, um weiteren Ausführungen zu lauschen.

Zeichnungen von suspekten Walfischen wandern aus dem Ordner befreit durch das Meer des Publikums. Als dann die Zwiebeln auf dem Brett zugeschnitten, die Induktionsplatte mit dem fliesenden Strom der Steckdose angedockt ist, fehlt eigentlich nur noch der Fisch.

Dafür steigt der Jürgen entschlossen mit seinen Gummistiefeln ins Nass und fängt sich gleich mal einen schon fertig filetiert aus dem Nichthaifischbecken, in einem durchsichtigem Plastik. Klamauk? Weit gefehlt, eher der Realität entnommen. Wenn Plastik, die von Menschenhand hinterlassenen Algen der Moderne sind und inzwischen nicht nur der Fisch aus Plastik besteht, sondern auch die Kinder wie neueste Studien belegen. Ist das auch Teil der künstlichen Intelligenz oder einfach nur dem Kreislauf geschuldet?

 

Kleine Randbemerkung. Ja Plastik verändert die Welt, wenn auch Beuys damals nicht das Plastik bemühte, sondern die Plastik!

 

Passend zur Mythologie, Kosmologie und sonstigem Irrwitzigen, laufen auf den Monitoren im Hintergrund Videoeinspielungen mit Horrorszenarien des menschlichen Wahnsinns, der verbannt in Ländereien vielleicht aus dem Auge gerät, aber nicht aus dem Sinn. Der komplette  Unsinn/Wahnsinn der Menschheit läuft, die Zeit des überfälligen Handelns DAGEGEN ignoriert man  mit aller Konsequenz.  Natur und Wissenschaft sind zwei unterschiedliche Komplexe.  Wer denn Sinn als solches dauerhaft missachtet darf sich dann nicht wundern, wenn es im Irrsinn endet.

 

Zum Schluss  streift sich Jürgen Wink ein mit Pailletten  übersätes glitzerndes Fischkostüm über und steigt nochmal auf die Kanzel, als verkünde er den Sieger Moby Dick. Bevor die Lichter ausgehen noch ein letzter Schluck Wasser aus dem Plastikbecher um selbiges wie eine Fontane auszupusten.  So oder so ähnlich sieht es wohl aus, wenn der Wal vor einem auftaucht.

Es folgen Beifallsbekundungen für die one man show von Jürgen Wink.

 

Weitere Vorstellungen im Schauspielhaus im September am 21. als auch 28. jeweils 19:30

Probenfotos: Nils Klinger

Text: P.Brauer


 

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