„Kassel als Heimat vieler Menschen“ – innovatives Projekt mit Führungsangeboten in neun Sprachen im Stadtmuseum Kassel

image_pdfimage_print

Das Stadtmuseums Kassel will der Entwicklung, dass Kassel zur Heimat vieler Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und mit verschiedenen Sprachen geworden ist, mit speziellen Führungsangeboten Rechnung tragen. 

In der „Woche der Vielfalt“ vom 20. bis 23. August werden erstmals Führungen in neun unterschiedlichen Sprachen angeboten.

Unter dem Titel „Kassel als Heimat vieler Menschen“ erzählen die dafür geschulten muttersprachlichen neuen Museumsführerinnen und Museumsführer in arabischer Sprache, in

  • Pashto,
  • Kurmanci,
  • Sorani,
  • Türkisch,
  • Tigrigna,
  • Bulgarisch,
  • Persisch sowie in
  • Russisch,

was aus ihrer Perspektive in der Geschichte Kassels und im Stadtmuseum wichtig und interessant ist.

Kulturdezernentin Susanne Völker: „Das Projekt ‚Kassel als Heimat vieler Menschen‘ ist ein großartiges Angebot des Stadtmuseums für die Menschen unterschiedlicher Herkunft in Kassel. Durch Führungen in verschiedenen Sprachen und die Beschäftigung mit der Geschichte unserer Stadt wird die Möglichkeit zur Identifikation mit Kassel geöffnet und das Angebot im Bereich Integration und Teilhabe der Kasseler Kulturinstitutionen weiter bereichert.“

Neun Menschen aus acht verschiedenen Ländern blicken in den eigens erarbeiteten Führungen auf das Museum und die Stadt, in der sie unterschiedlich lange leben. Sie erzählen die Geschichte ihrer neuen Heimatstadt aus ihrer Sicht, ziehen Parallelen zu ihren Herkunftsländern, freuen sich über Bekanntes und stellen Fragen zu völlig Neuem. Das Stadtmuseum ist dafür der passende Ort, denn hier ist die Geschichte von Kassel verortet.

Die Auswahl der Objekte, die dabei gezeigt werden sowie die historischen Ereignisse, von denen erzählt wird, wurden gemeinsam mit dem Museumspädagogen des Stadtmuseums, Klaus Wölbling, ausgewählt. Eine zentrale Rolle nehme bei vielen der nun für die Museumsführungen Geschulten das Modell der im 2. Weltkrieg zerstörten Stadt Kassel ein, das einige der Beteiligten an Geschehnisse in ihren Heimatländern erinnere, berichtet Wölbling.

In einem Pressetermin brachte es die neu ausgebildete arabische Führerin Sabrin Yousef aus Palästina, die in Syrien geboren wurde und in ihrer Heimat Archäologie studierte, für sich auf den Punkt: „Im Stadtmuseum in Kassel haben wir gesehen, dass Krieg ein Ende haben kann und Städte wiederaufgebaut werden können.“ Zurzeit bereitet Sabrin Yousef sich darauf vor, in Deutschland ihr Studium weiterzuführen und mit einem Master abzuschließen. Fasziniert ist sie auch von der Person Sophie Henschel, die gezeigt habe, was Frauen unter für sie schweren Rahmenbedingungen leisten können.

Für die aus Russland stammende Viktoriya Tatarova, ausgebildete Journalistin, bietet das Stadtmuseum ihr und Menschen aus ihrer Heimat die Möglichkeit, ihren neuen Lebensmittelpunkt Kassel besser kennenzulernen: „Ich mache gerne mit, weil wir durch das Lernen der Kasseler Geschichte eine Zeitreise unternehmen können.“

Mesghena Zekarias aus Eritrea, der in der Sprache Tigrigna durch das Stadtmuseum führt, schätzt besonders die Darstellung der Stadtgeschichte als eine auch von den Bürgerinnen und Bürgern geprägte Entwicklung, die Höhen und Tiefen aufweise: „Ich übertrage das auf mein Heimatland und stelle Vergleiche an.“

Ein vielbeachtetes Projekt

„Kassel als Heimat vieler Menschen“ ist ein bereits in der Vorbereitungsphase vielbeachtetes Projekt, das vom Stadtmuseums Kassel gemeinsam mit der städtischen Koordinatorin des „WIR-Landesprogramms zur Förderung von Integrationsmaßnahmen im Themenfeld Zuwanderung und Migration“ Teslihan Ayalp von der Abteilung „Bildungsmanagement und Integration“ der Stadt Kassel durchgeführt wird. Bei einer hessenweiten Regionalkonferenz zum Thema „Integration gestalten – Strukturen erarbeiten“ sei das Kasseler Projekt als exemplarisches Beispiel für Integrationsarbeit vorgestellt worden und habe breite Zustimmung gefunden, erzählt sie. Das Kasseler Stadtmuseum habe sich für das Projekt geöffnet und sei eine Kooperation eingegangen.  Dabei könne man in Kassel auf insgesamt gute Strukturen in der Integrationsarbeit aufbauen.

Führungen können angefragt werden

Nach der „Woche der Vielfalt“ können die neuen Museumsführerinnen und Museumsführer weiterhin für Führungen für Gruppen in ihren jeweiligen Muttersprachen angefragt werden. Außerdem werden unter dem Motto „Begegnung der Kulturen“ Kombi-Führungen angeboten, bei denen teils langjährige und neue Museumsführerinnen und Museumsführer gemeinsam verschiedene Themen der Stadtgeschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten werden.

Schulen und Institutionen in Kassel, die mit Zugewanderten arbeiten, wurde bereits angeboten, diese Möglichkeit zu nutzen. Die bisherige Resonanz darauf ist positiv, die ersten Anmeldungen von Gruppen liegen bereits vor.

Termine der Führungen in der „Woche der Vielfalt“

  • Dienstag, 20. August, 11 Uhr: Sabrin Yousef (Palästina), Sprache: Arabisch
  • Dienstag, 20. August, 15 Uhr: Arzu Hakimi (Afghanistan), Sprache: Pashto
  • Mittwoch, 21. August, 11 Uhr: Sherin Khalil (Syrien), Sprache: Kurmancî
  • Mittwoch, 21. August 15:30 Uhr: Leila Mohtadi (Iran), Sprache: Sorani
  • Mittwoch, 21. August, 17 Uhr: Yigitan Yilmaz (Türkei), Sprache: Türkisch
  • Donnerstag, 22. August, 10 Uhr: Viktoriya Tatarova (Russland),Sprache: Russisch
  • Donnerstag, 22. August, 11:30 Uhr: Mesghena Zekaritas (Eritrea),Sprache: Tigrigna
  • Freitag, 23. August, 10 Uhr: Tsvetelina Daskalova (Bulgarien),Sprache: Bulgarisch
  • Freitag, 23. August, 14 Uhr: Zohreh Almadani (Iran), Sprache: Persisch

 

 

Weitere Führungstermine sind auf Anfrage möglich unter Telefon 0561/ 787-4405 oder stadtmuseum.aufsicht@kassel.de


 

 

NordHessen-Journal Nachrichten und Berichte von NordHessen für NordHessen