WWF-Statement zum Wald-Krisengipfel der Forstminister der Union

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Berlin: Am heutigen Donnerstag treffen sich die unionsgeführten Forstressorts der Bundesländer zum einem Wald-Krisengipfel, um über Antworten auf die massiven Schäden in Deutschlands Wäldern zu beraten. Dr. Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF Deutschland, kommentiert:

„Die aktuelle Waldkrise ist die Folge einer jahrzehntelang verfehlten Waldwirtschaft und Forstpolitik, die sich zu sehr an der schnellen Holzproduktion orientiert. Das Ergebnis sind riesige Nadelbaum-Monokulturen, die den Wald zusätzlich zur allgemeinen Klimaerhitzung austrocknen und anfällig sind für Brände, Stürme und Borkenkäfer. Dafür erhalten wir jetzt die Rechnung.

Ein reines Aufforstungsprogramm, das den Status-quo erhält, würde nur an den Symptomen kratzen, aber keines der Probleme lösen. Was wir brauchen ist die Wende zu einer naturnahen Waldwirtschaft. Hierzu müssen wir die Nadelwälder in vielfältige Laubmischwälder umwandeln, wie sie natürlicherweise in Deutschland vorkommen. Laubbäume erhöhen den Grundwasserspiegel, sorgen für ein kühleres Waldklima und beugen so Bränden vor. Gleichzeitig sind sie meist besser gegen Stürme gewappnet und weniger anfällig für Insektenfraß.

Zu einer naturnahen Waldwirtschaft gehört auch, dass die jetzt teilweise auch geschädigten Laubwälder nicht geräumt werden. Stattdessen sollte das entstehende Totholz erhalten bleiben und der natürlichen Waldverjüngung durch nachwachsende Bäume freien Lauf gelassen werden. Sowohl der Erhalt von Totholz als auch die Waldverjüngung bindet Kohlenstoff und mildert lokale Klimaextreme ab.

Die Bundes- und Landespolitik kann dafür Anreize schaffen, indem die Umwandlung in naturnahe Mischwälder gefördert wird. Gleichzeitig sollte der Staat in seinen eigenen Wäldern viel stärker mit gutem Beispiel vorangehen. Immerhin die Hälfte der deutschen Waldflächen sind im Besitz von Bund, Länder und Kommunen. Die aktuelle Waldkrise muss zum Weckruf für die Waldwirtschaft werden. Wer an der Nadelholzwirtschaft festhält, sät die Saat für die kommende große Waldkrise.“

 

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