Schwächelnde Weltwirtschaft bremst Konjunktur in Nordhessen und Marburg

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IHK Kassel Marburg

Die Zeiten der konjunkturellen Hochphase in Nordhessen und Marburg scheinen vorbei, die Wirtschaft schaltet einen Gang zurück. In der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg berichten die Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in der Summe von verhaltenen Aussichten für die Zukunft. Die Einschätzung der aktuellen Lage ist immer noch gut. Der IHK-Klimaindex, für den Lagebeurteilung und Erwartungen miteinander verrechnet werden, liegt mit 114,2 Punkten 12,5 Punkte unter dem Vorjahreswert. „Zur Einordnung müssen wir allerdings sehen, wo wir herkommen“, kommentiert Präsident Jörg Ludwig Jordan die Umfrageergebnisse. „Eine lange Phase mit steilen Wachstumsraten ist zu Ende gegangen. Zu Jahresbeginn mussten wir einen ersten Abwärtstrend verzeichnen, ausgehend von einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Dieser Trend ist jetzt gestoppt, trotzdem kann von Rezession keine Rede sein.“

Die gute Nachricht: Weiterhin 93,5 Prozent der Betriebe äußerten sich insgesamt zufrieden mit der derzeitigen Geschäftslage, bewerten diese also gut oder zumindest befriedigend. Nur 6,5 % sehen eine aktuell schlechte Geschäftslage, berichtet Jordan.

Als Wachstumsbremse für die nordhessische und Marburger Wirtschaft macht der IHK-Präsident das schwächelnde Exportgeschäft aus – traditionell ein starkes Standbein für die gerade im IHK-Bezirk wichtige Industrie. Niedrige Zinsen, steigende Einkommen und eine sehr niedrige Arbeitslosigkeit stabilisieren in der Region den privaten Konsum. Profiteur hiervon ist in der aktuellen Umfrage das Gastgewerbe.

Kehrseite der geringen Arbeitslosenquote sei jedoch ein nahezu leergefegter Arbeitsmarkt, argumentiert Jordan. Eine Erhöhung der Mitarbeiterzahl sei vor allem aufgrund fehlender Fachkräfte schwer möglich und die weniger optimistischen Aussichten bezüglich auf die zukünftigen Erwartungen machten sich im Hinblick auf den Beschäftigungsaufbau ebenso bemerkbar. Auf die Investitionsabsichten schlägt die Konjunkturabkühlung hingegen noch nicht spürbar durch: 31,6 Prozent wollen zukünftig mehr Geld in heimische Anlagen und Gebäude stecken. Für kräftigen Rückenwind sorgen dabei die nach wie vor guten Finanzierungsbedingungen. Über die Hälfte der befragten Unternehmer bewertet diese als gut bzw. befriedigend, lediglich sechs Prozent haben Schwierigkeiten, Kredite zu erhalten.

„Für die kommenden zwölf Monate sind die nordhessischen und Marburger Betriebe  verhalten optimistisch gestimmt“, fasst der IHK-Präsident zusammen. 18,4 % rechnen mit einer nochmaligen Verbesserung, 20,3 Prozent der Unternehmer in Nordhessen und Marburg gehen von einer Verschlechterung aus. „Die schwächeren Exportaussichten trüben die Stimmung. Wir haben es mit schwierigen internationalen Bedingungen zu tun. Unsere Umfrage zeigt aber auch, dass der Standort Deutschland und die politischen Rahmenbedingungen zunehmend in den Fokus geraten. Wenn alle G7-Staaten außer Deutschland Steuerentlastungen ankündigen bzw. durchführen und Deutschland perspektivisch die höchste Steuerlast hat, dann ist das ein gravierender Wettbewerbsnachteil“, so Jordan.

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