Runter mit den Phosphorwerten – 248 Kläranlagen werden optimiert

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Kassel. In NordOstHessen werden 248 Kläranlagen nachgerüstet und optimiert, um die Phosphatbelastung in den Flüssen der Region zu senken. „Damit haben wir eine bundesweite Vorreiterrolle übernommen“, sagt Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke zum Weltwassertag am 22. März. Dieser steht in diesem Jahr unter dem Motto „Niemanden zurücklassen – Wasser und Sanitärversorgung für alle“.

Das „P“ lädt zum Parken ein und freut – im Fall einer freien Lücke – jeden Verkehrsteilnehmer. In heimischen Gewässern steht das „P“ hingegen für Phosphor und damit für gewässerökologische Probleme. Waschmittel haben in den vergangenen Jahrzehnten dafür gesorgt, dass der Phosphor als Pflanzennährstoff die Flüsse regelrecht überdüngt hat. Ein spezielles Programm der hessischen Landesregierung für Kläranlagen soll die Phosphor-Konzentration nun bis spätestens 2021 halbieren.

„Bereits jetzt ist das Programm ein Erfolg, auf den vor allem die Verantwortlichen der Kläranlagen stolz sein können“, sagt der Regierungspräsident. Für dieses Großprojekt entstehen Kosten bei kleineren Maßnahmen ab 30.000 Euro und bei umfangreicheren Modernisierungen von bis zu zehn Millionen Euro für. „Das ist in jedem Falle gut investiertes Geld“, so Lübcke, „denn dies wirkt sich direkt auf die Qualität unserer Gewässer aus.“ Und Wasser sei schließlich die Lebensgrundlage.

Auch in der Fulda, dem Fluss, der den Regierungsbezirk von Süden nach Norden durchquert, sei Phosphor ein Thema. Dieses soll über die Maßnahme in den Griff bekommen werden.

Was heißt aber Überdüngung konkret? Ein Zuviel des Pflanzennährstoffs führt zu einem übermäßigen Wachstum von Wasserpflanzen, zum Beispiel von Algen. Das Wasser trübt sich, wird undurchsichtig und den Gewässern fehlt der Sauerstoff. Der Gewässerökologe spricht hier von Eutrophierung.

Diese Überdüngung ist eine der Ursachen, weshalb die meisten hessischen Oberflächengewässer das Ziel der EU-Wasserrahmenrichtlinie, das Erreichen des guten ökologischen Zustands, bisher nicht erfüllen. „Wir sind bei dem Thema Phosphor auf einem guten Weg“, sagt der Regierungspräsident. Der gute ökologische Zustand wird in erster Linie anhand des Bestandes von Fischen, Pflanzen und Kleintieren bewertet, die man natürlicherweise in dem Gewässer vorfinden müsste.

„Trotz moderner Kläranlagen und der Einführung phosphatfreier Waschmittel stammten in Hessen bis vor etwa zehn Jahren immer noch fast zwei Drittel der Phosphatbelastungen aus den gereinigten Abwässern, also aus den Kläranlagen“, berichtet Otto Wilhelm Vicum und Beatrice Geyer, die Dezernatsleitenden für Kommunales Abwasser und Gewässergüte an den beiden Standorten der RP-Umweltabteilung Kassel und Bad Hersfeld. Sie sagen: „Die Phosphoreinträge blieben insgesamt leider immer noch zu hoch.“

Hier hat sich zwischenzeitlich viel getan. „Die hessische Landesregierung hat sich in ihrem Maßnahmenprogramm für die Jahre 2015 bis 2021 zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie auf die Fahnen geschrieben, dies dauerhaft zu ändern“, berichten die Abwasserexperten aus dem RP. „Indem die Phosphor-Einträge in allen hessischen Kläranlagen für 1.000 Einwohner und mehr halbiert werden, sollen in allen Fließgewässern die pflanzenverfügbaren Phosphatkonzentrationen auf den unkritischen Wert von unter 0.07 Milligramm pro Liter gedrückt werden.“

Aufgrund der bisher umgesetzten Maßnahmen zur Ertüchtigung der Phosphorreduzierung an vielen Kläranlagen sind schon zum Teil deutliche Verbesserungen in den Gewässern erzielt worden. Trotzdem kann bei den noch ausstehenden Anstrengungen zur Umsetzung des hessischen Maßnahmenprogramms 2015-2021 nicht nachgelassen werden. Bei einer Vielzahl hessischer Gewässer sind die Ziele noch nicht erreicht.

Regierungspräsidium Kassel


 

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