14.02.19 Kinotag in Melsungen

 

Am 14. Februar 2019 kommt der nächste Bestseller von Hape Kerkeling ins Kino in der Stadthalle Melsungen

„Der Junge muss an die frische Luft“
Beginn: 19.30 Uhr
Eintritt: 7,00 € – Tickets ausschließlich an der Tageskasse

Aber auch Kinder kommen auf ihre Kosten bei

„Der kleine Drache Kokosnuss“
Beginn: 16.00 Uhr
Eintritt: 5,00 € – Karten nur an der Tageskasse


DER KLEINE DRACHE KOKOSNUSS – AUF IN DEN DSCHUNGEL

2014 lief „Der kleine Drache Kokosnuss – Feuerfeste Freunde“ nach der viel verkauften Kinderbuchreihe von Ingo Siegner erfolgreich im Kino. Jetzt folgt die unter der Regie von Tony Power („Ritter Trenk“) entstandene Fortsetzung „Auf in den Dschungel!“. Es geht abermals um Freundschaftspflege, Vertrauen und Teamwork. Darüber hinaus plädiert der  Kinderfilm dafür, dem Fremden unvoreingenommen zu begegnen. Damit gelingt ein unverkrampfter Brückenschlag zwischen Unterhaltung und Bildungsanspruch.

Der Feuerdrache Kokosnuss, sein Fressdrachenfreund Oskar und das Stachelschwein Matilda sind guter Dinge, als sie per Schaufelraddampfer zu einem Feriencamp auf den Dschungelinseln aufbrechen. Bei der Ankunft im Dschungel treffen die Ausflügler die blauen Wasserdrachen, die eine fremde Sprache sprechen und abweisend wirken. Als der Dampfer nach dem frostigen Erstkontakt kentert, brechen die Drachen zu Fuß zum Lager auf. Kokosnuss und Oskar bleiben auf der Suche nach der verschwundenen Matilda zurück – und begegnen einem Wasserdrachenkind und fleischfressenden Pflanzen.
 
Die Stärke des Abenteuers liegt im Erzählerischen. Ohne allzu didaktisch daher zu kommen, stellt der Plot die Möglichkeit der Freundschaft zwischen verschiedenen Kulturen in den Mittelpunkt. Auch wegen der Sprachbarriere wirken die Wasserdrachen anfangs bedrohlich. Doch bald wird klar, dass die unterschiedlichen Drachenvölker gut miteinander auskommen und sich mit ihren speziellen Fähigkeiten ergänzen. Eine Schlüsselrolle spielt hier der von allen Parteien gefürchtete, eigentlich aber gutmütige Riesendrache Amadeus. Matilda, die das Anderssein als einziges Stachelschwein unter Drachen kennt, fällt beim ersten Anblick des Riesen in Ohnmacht, begegnet ihm aber kurz darauf sehr wohlwollend. Sie tröstet Amadeus mit einer zumindest im Film überwundenen Erkenntnis, die das Leitmotiv der versöhnlichen Geschichte beinhaltet: „Viele haben einfach Angst vor dem, was sie nicht kennen.“ (Christian Horn)

Deutschland 2018, Regie: Tony Power, nach der Kinderbuchreihe von Ingo Siegner, Sprecher/innen: Max von der Groeben, Carolin Kebekus, Dustin Semmelrogge, 80 Min., ab 0 J.



DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT

Recklinghausen 1972: Der neunjährige Hans-Peter (Julius Weckauf) bringt die Menschen um ihn herum zum Lachen, indem er die Marotten der Erwachsenen parodiert. So unterhält der aufgeweckte Junge seine Mutter Margret (Luise Heyer), Vater Heinz (Sönke Möhring), Oma Änne (Hedi Kriegesgott) und die übrige Verwandtschaft, wenn diese an Karneval oder zur Kommunionsfeier zusammenkommen. Zwei besondere Bezugspersonen sind die Großeltern mütterlicherseits (Maren Kroymann, Joachim Król), die in der Wohnung gegenüber leben. Als Hans-Peters Mutter in eine Depression rutscht, will der Junge ihre Traurigkeit mit Humor auffangen.
 
In ihrer Adaption des autobiographischen Kerkeling-Buchs verortet Caroline Link die frühe Inspiration des späteren Berufsentertainers im Familienumfeld. Einerseits birgt die weitläufige Verwandtschaft – wie wohl jede Familie – reichlich parodistisches Potential, andererseits dient sie dem Jungen als bunt durchmischtes Testpublikum und moralische Stütze. „Du wirst berühmt,“ sagt die Großmutter.
 
Dass Hans-Peter einen ganz eigenen Blickwinkel auf die Welt hat, macht schon seine Fastnachtsverkleidung als Prinzessin deutlich, die bei Gleichaltrigen auf Unverständnis stößt (hier liegen also die Wurzeln zum Kultauftritt als Königin Beatrix). Als der stämmige Hans-Peter einmal arg unbeholfen auf ein Pferd klettert, erklärt er in einem Voice Over das Prinzip seiner Komik: Man müsse sich entscheiden, ob man unfreiwillig komisch sein oder die eigene Peinlichkeit bewusst einsetzen will. Der Junge entscheidet sich für die zweite Option. Verkehrt herum auf dem Pferd sitzend performt er für die Umherstehenden, die nicht über, sondern mit ihm lachen.
 
Ein Coup ist die Besetzung von Julius Weckauf in der Hauptrolle. Der Kinderdarsteller sieht dem realen Vorbild nicht nur ähnlich, sondern bereichert den auf ihn zentrierten Film mit jeder Menge natürlichem Charme. Ihm zur Seite steht ein gut aufgelegtes Erwachsenen-Ensemble, darunter die wie immer überzeugende Luise Heyer („Einmal bitte alles“) als überforderte Mutter, die keinen Weg aus der Depression findet.
 
Tragik und Komik liegen in diesem Film so nah beieinander wie im echten Leben. Humoristische Darbietungen, die durch das Wissen um Kerkelings spätere Karriere einige Aha-Momente erzeugen, treffen auf nachdenkliche Themen wie Krankheit, Tod und Trauer. Die Entscheidung, die Perspektive auf Julius Weckauf und seine Sicht der Dinge auszurichten, erweist sich als klug. In der emotionalsten Szene zeigt die Kamera nicht das Drama, das sich draußen abspielt, sondern bleibt konsequent bei Hans-Peter, der vom Vater auf sein Zimmer geschickt wurde.
 
Vom passenden Dialekt bis zum längst aus der Mode gekommenen Mett-Igel verströmt das von der UFA produzierte Biopic reichlich Ruhrpott-Romantik. Das erinnert an Fatih Akins ebenfalls im Ruhrgebiet angesiedeltes Familiendrama „Solino“, das wie „Der Junge muss an die frische Luft“ nach einem Skript von Ruth Toma gedreht wurde. Der berührende, etwas häufig eingespielte Score von Niki Reiser („Jenseits der Stille“) unterstreicht die warmherzige Atmosphäre, die traurige Momente zulässt, ohne allzu niederschmetternd zu sein. Ein liebenswerter, herrlich nostalgischer Familienfilm.
 (Christian Horn)

Deutschland 2018, Regie: Caroline Link, Drehbuch: Ruth Toma nach dem autobiographischen Buch von Hape Kerkeling, Darsteller/innen: Julius Weckauf, Luise Heyer, Sönke Möhring, Joachim Król, Diana Amft, Elena Uhlig, Maren Kroymann, Ursula Werner, 99 Min., ab 6 J.

 


Übrigens:

https://www.presseportal.de/pm/6106/4179527?


 

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