Anarchy of the body Tanztheater in 2 Stücken – Staatstheater Kassel

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re-recreator so der Titel des ersten Teils, des seit einem Jahrzehnt am Kasseler Staatstheater schöpferischen Tanzdirektors Johannes Wieland.

Nach und nach lichtet sich der über der Bühne liegende Nebel, gegen den antanzend blau uniformierte Tänzer auftauchen, als seien sie in ihren Bewegungen  nicht von dieser Welt. Passend dazu „Shine on you crazy diamonds“ von Pink Floyd. In der als Fernsehstudio ausgegebenen Location hängen von einem rondellartigen Metallgestänge, daran in Schrägstellung angebrachte Ventilatoren, die im grellen Schein Licht ins Dunkel werfen. Das Zusammenkommen der Tanzenden ist aber nicht mehr als ein vollkommen wirres Durcheinander. Das Wummern der Musik und der unnachgiebige Sound der Ventilatoren tun ihr übriges um die Grenzen der Erträglichkeit auszuloten, je nachdem in welchem Einfallswinkel die Ohren zu den Lautsprechern stehen.

Erholsam wenn das vorzügliche Soundediting von Donato Deliano, einen mit wieder leichteren Tönen zwischendrin entspannen läßt, um dann wieder einen neuen Spannungsbogen zu starten. Die „Choreo“ als solches zu rund, wo ein Fuß weiß, wie er dem anderen zu folgen hat, als das eine Revolte des Körpers zu vermuten wäre. Disko-Pop-Klänge untermalen ein Stück als wäre man gerade bei der Aufzeichnung für ein YOU Tube Video. Geballte Optik mit einem verzögertem  Mehrstufenspagat Alessia Rufallos. Auf dem Rücken am Boden liegend dem Publikum zugewandt mit ausgebreiteten Armen, als wäre das Jesuskind vom Kreuz abgefallen. Dafni Krazoudi wurde als die unverrückbare Warheit agierend von Teilen der Mittanzenden gen „Himmel“  gehoben, um sie alsgleich wiederholt auf den Boden der Tatsachen zu bringen.

Im Laufe der Zeit hatten sich nahezu alle Tänzer/inen  in Ekstase ihre  textilen Oberteile regelrecht  vom Leibe getanzt. Trotz noch so irrer Mimik, die in den Gesichtern auftauchte, die „Vorherrschaft“ des Geistes war dem tänzerischen Ausdruck anzusehen. Vielleicht, wenn auch das Unterbewußtsein nicht mehr am Steuer sitzt, ist der Körper bereit für Anarchie? Die Tiere jeglicher Art haben die Anarchie des Körpers evtl.zeitlebens  ausgerufen, wo doch den Tieren seitens des Menschen jeglicher Geist abgesprochen wird. Auf der Bühne nach der Weltformel suchend , zu sehen der unwiederbringliche Moment, der unaufhaltsame Untergang, die unverrückbare Wahrheit, die unentdeckte Gleichzeitigkeit, die versteckte 7. Dimension, das allwissende Universum, die unterschätzte Hoffnung, die stille Siegerin und die zukünftige Erkenntnis.

 

Ei

Ein Stück von Annamari Keskinnen und Ryan Mason

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In der ersten gemeinsamen Choreografie der beiden ehemaligen Tänzer des Ensembles Wieland ein stoisch in sich gekehrter älterer Herr (Jegor Vysotsky) auf einem Stuhl sitzend, hinter ihm ein Sputnik am Firmament. Wie ein Auge was über ihn wacht? Feiner aufsteigender Rauch hinter dem Kopf des „Alten“, als würde der Kopf in Gedanken versunken  brodeln. In den Seitenaufgängen der Bühne wandeln prächtig gekleidete Männer umher.  Auf der Bühne selbst ein Treiben außer sich Seiender mit Blicken ins Leere. Bewegungen fernab von Tanz.

Der Auftritt von Morgan Bobrow-Williams wie eine dem Holz entwachsene leibhaftige Marionette.Cineastische Bewegungen die an Zeiten erinnern, als der Film noch ohne Ton  auskam. Beim Lauf gegen die Zeit (?), durch das Leben, von A nach B ein zerhackendes Licht des Stroboskops. Ankommen, Durchkommen, zurückgeworfen werden und immer wieder, wie in einem Sog taumelndes Ankämpfen gegen verborgene Kräfte.

Die von der Proben und Trainingsleitung zur Dramaturgie gewechselte Lauren Rae Mace kommentierte das Szenario im Lichte des Stroboskops als, „ein immer wieder Beginnen und Niemals Enden.“

Einschlagend genial Alessia Ruffolo und Shafiki Sseggayi schneeweis gedresst in einem slow motion Badmintonmatch ohne Netz im Weltall.
Nach Empfangen des titelgebenden Ei’s (Solo von Cree Barnett Williams) senkt sich der Sputnik und der ältere Herr erhebt sich von seinem Stuhl, der beim Verlassen in Feuer aufgeht. Wie in einem surrealistischen Szenario tauchen von überall aus den Seiten der Bühne  Ethnien/Spezies aus längst vergessenen oder kommenden Tagen auf. Ein farbenprächtiger Hingucker zum Abschluß. (Kostüme Evelyn Schönwald). Zwischenwelt, wie ein Korridor zwischen dem Diesseits und Jenseits

Fotos: Nils Klinger

 

Weitere Aufführungen: 25. + 30. Januar         02. + 08. + 22.Februar        02.+ 10. März


 

 

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