Studie belegt Vertuschung von Straftaten in Tierkörperbeseitigungsanlagen

 

 

PETA und Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke stellen klare Forderungen an hessische Agrarministerin Priska Hinz 

Hessen/Stuttgart, 17. Juli 2018 – Tierschutzverstöße ahnden: PETA veröffentlicht seit Jahren Aufnahmen des immensen Leids der Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Untermauert werden die Bilder auch durch eine Studie der Stiftung Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover über den Zustand toter Schweine, die in Tierkörperbeseitigungsanlagen entsorgt werden: Die untersuchten Tiere mussten zu Lebzeiten länger anhaltende und erhebliche Schmerzen und/oder Leiden ertragen, sodass offensichtlich systematische Verstöße gegen Paragraf 17 Nr. 2 des Tierschutzgesetzes vorliegen. Hinzu kommen Verstöße durch eine mangelhafte Betäubung oder Tötung durch die Landwirte. Aufgrund der Straftaten wird PETA in Kürze Strafanzeige gegen die Verantwortlichen erstatten. Die Tierrechtsorganisation fordert Agrarministerin Priska Hinz auf, für die Beseitigungsanlagen vorgesehenen Tierkörper eine verpflichtende Untersuchung einzuführen und die Nachverfolgung in die Betriebe zu ermöglichen, um Straftaten ahnden zu können. Zudem sollten Landwirte in der Pflicht sein, den Grund des Todes bei der Abgabe an Tierkörperbeseitigungsanlagen anzugeben. Ihre Forderungen richtet die Tierrechtsorganisation auch in einer Petition an alle Agrarminister der Länder.

„Bei toten Tieren, die in Tierkörperbeseitigungsanlagen abgegeben werden, kann man die Spuren der schlechten Haltung oder nicht behandelte Krankheiten genauso erkennen wie Verletzungen und Erkrankungen an menschlichen Leichen“, so Kriminalbiologe Mark Benecke.

Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin und Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei PETA, sieht dringenden Handlungsbedarf: „Die Studie beweist, wie sehr Tiere in deutschen Ställen leiden. Die Zucht auf immer mehr Fleisch, Milch und Eier sowie die Haltungsbedingungen in den Ställen machen viele Tiere krank und verursachen somit psychisches und physisches Leid. Kainz erklärt: „Schockierendes Bildmaterial, dass Tierschützern zugespielt wird, versucht die Politik von der Öffentlichkeit fernzuhalten. Statt Menschen zu kriminalisieren, die Tieren helfen und Konsumenten aufklären möchten, sollten Politiker endlich handeln.“

Von den in der Studie untersuchten Schweinen wiesen 13,2 Prozent der sogenannten Mastschweine und 11,6 Prozent der Tiere aus der Zucht gravierende Befunde auf, so etwa starke Abmagerung, eitrige Gelenkentzündungen, entzündete Zehen, Bissverletzungen an Schwanz und Ohren sowie andere Hautläsionen durch Geschwüre. Diese Leiden waren der Studie zufolge äußerlich erkennbar und langanhaltend. Die Untersuchungen ergaben zudem eine teils mangelhafte Betäubung oder Tötung durch die Landwirte: Bei fast 62 Prozent der 165 untersuchten Tiere, die Anzeichen einer Tötung aufwiesen, wurden Mängel in der Durchführung eben dieser festgestellt. 

Fast 60 Millionen Schweine werden jährlich in den Schlachthöfen getötet. Laut der Studie der TiHo Hannover landen jedes Jahr 13,6 Millionen Schweine in deutschen Tierkörperbeseitigungsanlagen. Die Studie ist jedoch unabhängig von der Tierart von Belang. 3,6 Millionen Rinder werden jedes Jahr in deutschen Schlachthäusern getötet. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen geht hervor, dass 2016 insgesamt 579.111 Rinder ohne konkret erfassten Grund in den Anlagen beseitigt wurden. Damit sterben etwa 14 Prozent der Rinder bereits in den Ställen der Fleisch- und Milchbetriebe. Bislang liegen noch keine Zahlen oder Schätzungen zu Geflügel wie Hühner, Puten oder Enten sowie zu Kaninchen vor. Doch auch in diesem Bereich dürfte nach PETAs Einschätzung ein ähnlich hoher Prozentsatz an vertuschten Tierschutzverstößen vorzufinden sein.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten, wir an ihnen experimentieren oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.

 

 

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