Studie: Brexit trifft Hessen weniger hart

 

 

Der Austritt Großbritanniens aus der EU wird die exportorientierte deutsche Wirtschaft belasten. Das trifft auch Hessen. Allerdings fallen die Folgen am Bankenplatz relativ glimpflich aus.

Der starke Finanzsektor in der Frankfurter Region dämpft Ökonomen zufolge die negativen Effekte des Brexits in Hessen. Zwar sei Großbritannien, das die EU verlassen will, auch für Hessen ein wichtiger Handelspartner, hieß es in einer am Dienstag in Frankfurt vorgestellten Studie des Ifo-Instituts. Der Finanzsektor dürfte aber einen Teil der Folgen abfedern. «Es zeigt sich, dass das Bundesland Hessen und die Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main in geringerem Maße vom Brexit betroffen sein dürften als Deutschland insgesamt», heißt es in der Studie im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Frankfurt.

Banken brauchen für Dienstleistungen in der EU selbstständige Tochtergesellschaften in einem Mitgliedsstaat. In London angesiedelte Institute sind daher gezwungen, sich zumindest teilweise neu zu orientieren. Rund 20 Banken – hauptsächlich US-amerikanische und japanische Häuser – und andere Finanzdienstleister haben sich bislang entschieden, ihr Geschäft in Deutschland auszubauen – vornehmlich am Finanzplatz Frankfurt. «Hessen hat beim Brexit auch offensive Ziele», nannte Ifo-Studienleiter Gabriel Feldermayr den größten Unterschied zu anderen deutschen Regionen. Zusätzliche Arbeitsplätze im Finanzsektor werde es aber selbst bei einem harten Brexit nur im einstelligen Tausenderbereich geben.

Auf die größten Einbußen durch den britischen EU-Austritt müssen sich dem Ifo zufolge Industriefirmen einstellen. Gerade Maschinen- und Fahrzeugbauer sowie Pharmahersteller, deren Produkte den deutschen Export nach Großbritannien dominieren, seien von möglichen Handelshemmnissen betroffen. Viele Modelle der Opel-Schwestermarke Vauxhall seien bislang «Made in Hessen», sagte IHK-Präsident Mathias Müller. Da die wirtschaftliche Bedeutung der Industrie in Hessen geringer sei als in anderen Bundesländern, dürften auch die Folgen des Brexits weniger stark spürbar werden. «Wir haben in Hessen Unternehmen, die extrem erfahren international unterwegs sind», sagte Müller.

Wie der Brexit am Ende aussehen wird, ist noch unklar. Die Ifo-Experten gingen von verschiedenen Szenarien aus. Darunter ein harter Brexit, bei dem Großbritannien den EU-Binnenmarkt und die Zollunion verlässt und kein neues Freihandelsabkommen geschlossen wird. Hier wären die wirtschaftlichen Folgen am größten. Dem Ifo-Modell zufolge würde sich das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um 0,23 Prozent und in Hessen um 0,17 Prozent verringern. Bei einem umfassenden Freihandelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien betragen die Einbußen hingegen nur 0,08 Prozent für Hessen und 0,10 Prozent für Deutschland insgesamt.

 

 

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