Bad Wildungen und der Denkmalschutz

image_pdfimage_print

 

Bad Wildungen, einst Weltbad mit über 500jähriger Kurgeschichte kann leider nur wenige Gebäude von historischer Bedeutung vorweisen. Und anscheinend wird auch alles dafür getan, das Gebäude erst gar nicht in ein Alter kommen, in dem sie als historisch bezeichnet werden
können.

Lieber lässt man Gebäude verfallen, bis ein Abriss alternativlos ist. Warum empfindet man es als Last, Gebäude zu erhalten und zu schützen, fragt der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Dr. Hans Schultheis.

Denkmalschutz wie in anderen Bundesländern – Fehlanzeige. Haus Oestreich, seit Jahren in städtischem Besitz, verfällt langsam, aber sicher. Beim Heloponte wurde der schleichende Tod eingeleitet, ein gesichtsloser Kasten soll die schwungvolle und wohl durchdachte, sich
harmonisch in die Landschaft einfügende Architektur ersetzen.

Nun auch noch das Kurhaus. Wie jedes andere Gebäude ist auch dieses nur dann ein Denkmal, wenn seine Erhaltung „wegen der geschichtlichen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Bedeutung oder zur Bewahrung charakteristischer Eigenheiten des Stadtbildes im öffentlichen Interesse“ liegt.

In jeder anderen Stadt wäre dieses Interesse nicht angezweifelt worden. Ein Gebäude, dass die Architektur des gegenüberliegenden Jugendstil-Gebäudes aufgreift, sich unauffällig in die Umgebung einfügt und doch einen eigenen Charakter hat, muss nun Kommerzinteressen weichen. Statt mit einfühlsamer Architektur werden wir nun mit einer 90 m langen und 13 m hohen Fassade beglückt.

 

Die Berliner Mauer war 3,60m hoch.

Ein Renditezwang, der nichts gibt auf die Bedeutung des Grundstücks, interessiert sich nicht für Stadtbaukunst oder soziale Stadtentwicklung und nicht für die Bürger, die diese Gebäude mit ihrer Geschichte und den Geschichten erhalten möchten, kritisiert Kira Hauser. Anstatt mit Mut und Phantasie das Kurhaus zu einer Begegnungsstätte, zu einem verbindenden Element zwischen Gästen und Einheimischen, zwischen Alt und Jung, wiederzubeleben, werden nun Privatvillen und ein Hotel geplant. Gebäude in einer Architektur, die die Menschen weiter
voneinander trennt, anstatt öffentlichen Raum mit Nutzen für alle zu schaffen.

Eine Stadt, die immer und immer wieder mit einer Selbstverständlichkeit die Bedürfnisse der Menschen – nach einem Miteinander, nach Begegnungsorten, nach identitätsstiftenden Bauwerken – ignoriert, darf sich nicht wundern über Politikverdrossenheit und Resignation. Über
Bürger, die ihren gewählten Vertretern nicht ehr vertrauen. (PM K.Hauser)

 

NordHessen-Journal Nachrichten und Berichte von NordHessen für NordHessen