Richter verhandeln Fall Johanna: Angeklagter will aussagen

 

 

1999 verschwindet ein Mädchen spurlos. Bald ist klar: Das Kind wurde Opfer eines Verbrechens. Nun steht der Mann vor Gericht, der dafür verantwortlich sein soll. Er wurde erst vor sechs Monaten gefasst.

Bei der Suche nach dem Johannas Mörder wurden mehr als 500 Männer zu einem Massentest gebeten. Foto: Frank May/Archiv

Fast 19 Jahre nach der Tat hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der kleinen Johanna aus der Wetterau begonnen. Der Angeklagte werde zu den Vorwürfen «voll umfänglich Stellung nehmen und für alle Fragen zur Verfügung stehen», kündigte die Verteidigung zum Auftakt der Verhandlung am Freitag vor dem Landgericht Gießen an. Die Aussage des 42-Jährigen wurde aber erst für den nächsten Prozesstag Anfang Mai erwartet.

Der Mann soll im September 1999 die damals acht Jahr alte Johanna aus Ranstadt (Wetteraukreis) in sein Auto gezerrt, sexuell missbraucht und ermordet haben. Ein Spaziergänger findet ihre Leiche im April 2000 in einem Wald bei Alsfeld im Vogelsbergkreis.

Am ersten Prozesstag wurde nur die Anklage gegen den 42-Jährigen aus Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis) verlesen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann das Mädchen von einem Radweg aus in sein Auto gezerrt und mit Chloroform betäubt hatte. Laut der Anklageschrift packte er Johanna in den Kofferraum und fuhr sie zu einem «abgelegenen Ort», um an dem Mädchen seine pädophilen Neigungen auszuleben. Der Mann soll dem Kind mit einem Panzerband Augen und Mund verklebt und zudem den Kopf mit Klebeband umwickelt haben. Das Mädchen soll dann erstickt sein.

Angeklagt ist der 42-Jährige wegen Mordes, sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung eines Kindes mit Todesfolge sowie Besitz kinderpornografischer Schriften. Der Mann soll zahlreiche Bild- und Videodateien mit Kinder- sowie Jugendpornos besessen haben.

Ermittlungen in einem anderen Missbrauchsfall aus dem Jahr 2016 und neue Analyseverfahren hatten die Ermittler auf die Spur des Angeklagten geführt. Im vergangenen Oktober wurde der Mann festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Bei Vernehmungen räumte er die Vorwürfe nach Angaben der Ermittler teilweise ein – bestritt aber, Johanna vorsätzlich umgebracht zu haben.

Das Landgericht will den Fall nach bisheriger Planung an insgesamt 13 Prozesstagen verhandeln. Das Urteil könnte dann im August gesprochen werden.

 

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