Ära endet eher als geplant: MT trennt sich von Roth

 

 

Die MT Melsungen und Michael Roth gehen ab sofort getrennte Wege. Der Handball-Bundesligist stellte am Freitag seinen Trainer mit sofortiger Wirkung frei. Roth war im Oktober 2010 für den glücklosen Matjaz Tominec geholt worden und hat noch einen Vertrag bis Juni 2020. Nach zwei Final Four-Teilnahmen im DHB-Pokal, zwei Viertelfinals im EHF-Cup und einem vierten Platz in der DKB Handball-Bundesliga unter seiner Ägide gelang es Roth nach Einschätzung der Clubführung nicht, die Mannschaft trotz hochkarätiger Verstärkungen weiter zu entwickeln. Nachfolger auf der Chefcoach-Position wird der im Januar als Co-Trainer engagierte Heiko Grimm.

Mit Michael Roth geht bei der MT Melsungen eine Ära zu Ende. Der 56-jährige wechselte im Oktober 2010 von der HSG Wetzlar zu den Rotweissen, um dort den erst vier Monate tätigen glücklosen Slowenen Matjaz Tominec abzulösen. Auch wenn Roth nun vorzeitig von seinem Amt entbunden wird, ist er bei den Nordhessen seit deren Aufstieg in 1992 in die zweite Bundesliga der Trainer mit dem längsten Engagement.   

Nachdem der erfahrene Coach in seiner ersten Saison die MT vor dem drohenden Abstieg gerettet hat, ging es in den Folgejahren stetig nach oben. Auf zwei zehnte Plätzen folgte in 2014 Rang sechs und zum zweiten Mal in Folge mit dem Erreichen des Final Fours der Sprung unter die vier besten Pokalteams Deutschlands. Darüber hinaus qualifizierte sich die MT erstmalig für den EHF-Cup und erreichte dort in 2015 auf Anhieb das Viertelfinale. Mit dem vierten Rang in der DKB Handball-Bundesliga in 2016 bilanzierte das nordhessische Aushängeschild sein bestes Ergebnis in der fast 100-jährigen Vereinsgeschichte. Erneut stieß das Roth-Team im Jahr darauf bis ins Viertelfinale des EHF Cup vor.

“Diese sportlichen Erfolge werden untrennbar mit dem Namen Michael Roth verbunden bleiben. Er hat darüber hinaus für nachhaltig wirkende Impulse im Umfeld des Vereins gesorgt, sich zum Beispiel für eine hauptamtliche Geschäftsführung und Nachwuchsleitung eingesetzt und mit professionellem Gespür auch zu einer positiven  Aussendarstellung des Clubs beigetragen. Dafür sind wir ihm dankbar”, erklärt Barbara Braun-Lüdicke. “Aber”, fährt die Aufsichtsratsvorsitzende fort, “die letzten Monate haben gezeigt, dass er unsere Mannschaft nicht mehr in dem Maße weiterentwickeln konnte, wie sich das alle Beteiligten, er selbst eingeschlossen, erhofft und vorgenommen hatten. Der Aufwärtstrend geriet ins Stocken und es gab leider keine klaren Signale für eine baldige positive Veränderung. Insofern betrachten wir die Trennung zum jetzigen Zeitpunkt als eine für beide Seiten richtige Entscheidung”.

“Wenn im Sport Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, hat dies immer mehrere Gründe. Auf der einen Seite steht der Trainer, der die Mannschaft einstellen und motivieren muss, auf der anderen Seite müssen die Spieler die von ihnen erwartbaren Leistungen bringen. Der Trainer ist letztlich der Gesamtverantwortliche für den Bereich Sport und deshalb immer dem Risiko ausgesetzt, Konsequenzen tragen zu müssen, wenn die Entwicklung stagniert und sich keine Lösungen abzeichnen. Insofern ist eine Trennung nicht immer die fairste, aber in diesem Fall eine aus unserer Sicht alternativlose Entscheidung”, sagt Axel Geerken.

Der MT-Vorstand räumt  ein, “dass die Mannschaft durch die ständigen verletzungsbedingten Ausfälle von Spielern und durch die Schwankungen von Leistungsträgern immer wieder zurückgeworfen wurde und sich deshalb kaum stabilisieren konnte”. Geerken, der kürzlich in einem Presseinterview bereits von “Stagnation’ sprach, kritisiert: “Die Schwierigkeiten sind uns bewusst, trotzdem hätten wir aussichtsreiche Spiele nicht verlieren müssen. Das war nicht immer erklärbar”.

Durch die hochkarätigen Neuverpflichtungen zu Saisonbeginn, unter anderem kamen die drei Europameister Julius Kühn, Finn Lemke und Tobias Reichmann, waren die Erwartungen gestiegen – nicht nur bei den Fachleuten, sondern auch unter den Fans. So verzeichnet die MT in dieser Saison einen wahren Zuschauerboom, die meisten Heimspiele in der Kasseler Rothenbach-Halle sind ausverkauft. Aber unter den Anhängern wuchs aufgrund unbefriedigender Ergebnisse zuletzt die Kritik am Trainer. Die Reaktionen sind dem Verein natürlich nicht entgangen, stehen aber nicht in ursächlichem Zusammenhang mit der aktuellen Personalie.
 
Durch die Freistellung von Michael Roth wird eine Personalentscheidung vorgezogen, die eigentlich erst für 2020 vorgesehen war. Bis dahin läuft der Vertrag mit dem gebürtigen Heidelberger. Danach sollte der im Januar als Co-Trainer verpflichtete Heiko Grimm übernehmen. Nun nimmt der 40-jährige, der zuvor vier Jahre lang den Schweizer Erstligisten HC Kriens-Luzern hauptverantwortlich trainierte, bei der MT ab sofort den Cheftrainer-Posten ein. Grimm wird zunächst unterstützt von seinem Vorgänger als Co-Trainer, Mile Malesevic, der sich inzwischen in erster Linie um das Torwarttraining kümmert.   

 

MT

 

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