Trump ersetzt Außenminister Tillerson durch CIA-Chef

 

13.03.2018

Steve Holland, Roberta Rampton

Washington (Reuters) – Nach einer Reihe von Zerwürfnissen im Umgang mit Nordkorea, Russland und dem Iran hat US-Präsident Donald Trump Außenminister Rex Tillerson entlassen.

Nachfolger werde CIA-Direktor Mike Pompeo, twitterte Trump am Dienstag. Es ist die bisher größte Umbildung des Kabinetts von Trump, in dem es schon zahlreiche personelle Veränderungen gegeben hat. Mit Pompeo, der etwa das Atomabkommen mit dem Iran ebenso kritisch sieht wie Trump, sei er stets auf derselben Wellenlänge, sagte der Präsident. Pompeo werde“einen fantastischen Job machen”. Nachfolgerin als CIA-Chefin werde Vize-Direktorin Gina Haspel.“Gratulation an alle!”, schrieb Trump.

Ein hochrangiger Vertreter des US-Präsidialamtes sagte, Trump wollte ein neues Team haben, bevor die Verhandlungen mit Nordkorea und verschiedenen Handelspartnern beginnen. Er habe Tillerson bereits am Freitag zum Rücktritt aufgefordert, wollte dies aber nicht verkünden, solange Tillerson auf einer Dienstreise in Afrika gewesen sei. Hochrangige Mitarbeiter des Außenministeriums sagten, Tillerson habe nicht gewusst, warum Trump in loswerden wollte. Der frühere Chef des Ölkonzerns Exxon Mobil habe seinen Posten behalten wollen.

TILLERSON SOLL TRUMP ALS“IDIOT” BEZEICHNET HABEN

Die Entlassung Tillersons war schon im Oktober erwartet worden. Damals hatte der US-Außenminister Medíenberichten zufolge Trump als“Idiot” bezeichnet. Trump sagte am Dienstag vor dem Weißen Haus, er sei zwar gut mit Tillerson ausgekommen, es habe aber Meinungsverschiedenheiten gegeben. Als ein Beispiel nannte er das internationale Atomabkommen mit dem Iran.“Ich denke, es (das Abkommen) ist schrecklich.” Tillerson denke dagegen offenbar, dass der Vertrag“OK” sei. Die EU und andere Länder wollen an dem Abkommen mit dem Iran festhalten.

Im Herbst waren Trump und Tillerson zudem wegen der Nordkorea-Politik aneinander geraten, als Trump seinem Außenminister über Twitter in die Parade fuhr, nachdem dieser über mögliche direkte Verhandlungen mit der Regierung in Pjöngjang gesprochen hatte. Zuletzt schien Trump den 65-jährigen Tillerson außen vor gelassen zu haben, als er einem Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zustimmte.

Tillerson hatte in dieser Woche zudem Russland im Fall des vergifteten russischen Ex-Spions in Großbritannien scharf kritisiert. Trump kündigte an, mit der britischen Premierministerin Theresa May über den Fall zu sprechen, äußerte sich aber zurückhaltender als sein bisherige Außenminister zur Rolle Russlands:“Sobald wie die Fakten haben und darin übereinstimmen, werden wir Russland oder wen auch immer verurteilen.”

POMPEO GILT ALS LOYAL GEGENÜBER TRUMP

Die US-Regierung liegt darüber hinaus in Handelsfragen derzeit mit zahlreichen Ländern im Clinch, nachdem Trump Schutzzölle auf Stahl und Aluminium angekündigt hat. Mit der EU sollen diese Woche noch Verhandlungen darüber geführt werden, ob die Zölle auch für europäische Hersteller gelten.

Tillersons designierter Nachfolger Pompeo gilt als Hardliner gegenüber Nordkorea und dessen Atom- und Raketenprogramm. Zugleich spielte der 54-Jährige die mögliche Einmischung Russlands im US-Wahlkampf 2016 zugunsten Trumps herunter. Im US-Senat soll Pompeo, der als loyal gegenüber Trump gilt, im April vor seiner Ernennung angehört werden.

Die Entlassung Tillersons ist nicht der erste hochrangige Abgang in der US-Regierung, seit Trump im Januar 2017 ins Weiße Haus eingezogen ist. So mussten unter anderem Chefstratege Steve Bannon, der nationale Sicherheitsberater Michael Flynn, FBI-Chef James Comey, der Stabschef im Weißen Haus, Reince Priebus und Wirtschaftsberater Gary Cohn gehen. Als Nachfolger für Cohn zieht Trump den konservativen TV-Kommentator Larry Kudlow in Betracht.

 

Foto: REUTERS/Jonathan Ernst (L) Aaron P. Bernstein (R)

 

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