PETA-Anzeige gegen Rapper Marteria erfolgreich: 5.000 Euro Geldbuße für Fischquälerei durch Catch & Release

 

 

Würzburg / Stuttgart, 2. Februar 2018 – Fischquälerei kommt Rapper teuer zu stehen: Im Juni 2017 hatte die Tierrechtsorganisation PETA Marten Laciny, bekannt als Rapper Marteria, wegen Catch & Release, dem Angeln und wieder Freilassen von Fischen, angezeigt.

 

Die Staatsanwaltschaft Würzburg teilte nun mit, dass das Verfahren mit Einverständnis Marterias gegen eine Bußgeldzahlung in Höhe von 5.000 Euro eingestellt wurde.

 

In einem Video vom Mai 2017 zieht der Sänger Karpfen zu seiner Belustigung aus dem Wasser, posiert mit den deutlich um Sauerstoff ringenden Fischen für die Kamera und setzt sie später wieder zurück.

 

In mehreren Interviews gab Marteria bereits zu, regelmäßig Catch & Release zu betreiben. Nach Auffassung der Tierrechtsorganisation und der Staatsanwaltschaft Würzburg verstößt er damit gegen § 17 Nr. 2b des Tierschutzgesetzes. Demnach dürfen keinem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt werden.

 

„Könnten Fische ihre Schmerzen wie Hunde oder Katzen durch laute Schreie ausdrücken, würde niemand mehr behaupten, Angeln sei ein sportliches und erholsames Hobby“, so Dr. Tanja Breining, Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Catch & Release bedeutet für Fische enormen Stress und Verletzungen – viele der so traumatisierten Tiere sterben infolge dieser Tortur.“ [1]

 

In der Strafverfolgung besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass Catch & Release gegen das Tierschutzgesetz verstößt. PETA verweist auf das rechtskräftige Urteil  des Amtsgerichts Lemgo vom 31. März 2011 (Az.: 25 Cs-22-Js 86/10-194/10), in dem ausdrücklich festgestellt wird, dass es sich beim Catch & Release um eine strafbare Handlung handelt, sowie auf die Ausführungen des Oberverwaltungsgerichts Münster vom 3. Juli 2015 (Az.: 20 B 209/15), denen zufolge beim Ausüben der Catch-and-Release-Praxis kein vernünftiger Grund besteht, den Tieren Schmerzen und Leiden zuzufügen und somit gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wird. Vergangenen Dezember wurde ein Catch-and-Release-Angler aus Thüringen zu einer Geldbuße von 200 Euro herangezogen. Bereits 2016 zahlte Ex-Fußballprofi Klaus Augenthaler in einem vergleichbaren Fall mehr als 3.000 Euro Geldbuße.

 

Die britische Biologin Lynne Sneddon wies nach, dass Fische im Kopf- und Mundbereich, also genau da, wo der Angelhaken das Gewebe durchbohrt, zahlreiche Schmerzrezeptoren haben [2]. Fische zeigen auch durch ihr Verhalten, dass sie Schmerzen haben: Sie bewegen sich ruckartig, reiben ihren Mund am Beckenrand, stellen die Nahrungsaufnahme ein und ihre Atemfrequenz erhöht sich. Gibt man ihnen Schmerzmittel, stellen sie dieses Verhalten wieder ein [3].

 

Neben internationalen wissenschaftlichen Studien, die bestätigen, dass Fische Schmerzen spüren, kommt auch das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, in seiner Stellungnahme für die Bundesregierung zu dem Schluss, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten“ [4]. PETA spricht sich generell gegen Fischfang aus und unterstützt die 2017 ins Leben gerufene Weltkampagne zur Abschaffung der Fischerei [5].

 

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen, sie uns unterhalten, wir an ihnen experimentieren oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.

 

[1] Recreational Postrelease Mortality of Lake Trout in Lakes Superior and Huron.

North American Journal of Fisheries Management, 37: 4, 789 – 808 (https://www.researchgate.net/publication/316976066_Recreational_Postrelease_Mortality_of_Lake_Trout_in_Lakes_Superior_and_Huron)

[2] Sneddon, L. U., Braithwaite, V. A., & Gentle, M. J. (2003): Do fishes have nociceptors? Evidence for the evolution of a vertebrate sensory system. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 270(1520), 1115–1121. http://doi.org/10.1098/rspb.2003.2349.

[3] Sneddon, L. U. (2003): The evidence for pain in fish: the use of morphine as an analgesic. Applied Animal Behaviour Science, 83(2), 153-162. DOI: 10.1016/S0168-1591(03)00113-8.

[4] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.

[5] https://www.end-of-fishing.org/de.

PeTA

 

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