Die Sprachforscher ziehen übers Land – Sauerländer und Waldecker werden flächendeckend erfasst

 

Marsberger und Diemelstädter Plattdeutsch-Sprecher gaben im Archiv der Oesdorfer Ortschronistin Magdalene Breidenbach den Startschuss für das Sprachforschungsprojekt im Altkreis Brilon und dem Waldecker Land – v. l. n. r. Karl Heinemann (Rhoden), Karl-Heinz Vahle (Dehausen), Magdalene Breidenbach (Oesdorf), Dr. Werner Beckmann (Cobbenrode), Josef Wiegers (Oesdorf), Barbara Meyer-Ramme (Marsberg) und Andreas Karl Böttcher (Obermarsberg). Foto: Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.

Altkreis Brilon / Waldeck. – Marsberg / Diemelstadt. – Oesdorf / Meerhof / Rhoden / Dehausen. Ein interessantes Forschungsfeld zur Sicherung eines wichtigen Kulturgutes unserer ländlichen Region: Flächendeckend, also nach Möglichkeit auf jeder Ortschaft, wollen die Sprachforscher den Altkreis Brilon und grenzübergreifend das Waldecker Land erfassen. Hierzu führen sie mit „Gewährsleuten“ Interviews und vertonen Vokabellisten und Sätze. Geographisch gesehen findet dieser Schritt von Nord nach Süd im gemeinsamen Sprachraum über zwei Bundesländer statt. Die Forscher des Sauerlandes und aus Marburg ziehen hier praktisch „Hand in Hand“ übers Land. Die Koordination vor Ort hat der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ für beide Gebiete übernommen. Startschuss war in Oesdorf im Archiv der Ortschronistin Magdalene Breidenbach. Hier hatten sich Marsberger und Diemelstädter eingefunden, um vom Fachmann Dr. Werner Beckmann Plattdeutsch befragt zu werden. Beckmann ist anerkannter, überregionaler Sprachforscher. Er ist u. a. in Bundesorganisationen, in der LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung, als Mitglied der Fachstelle Niederdeutsch im Westfälischen Heimatbund und als Leiter des Sauerländer Mundartarchivs tätig. Als Erstes führte Beckmann mit Barbara Meyer-Ramme aus Marsberg in ihrer Meerhofer Muttersprache das rund eine Stunde dauernde Interview zur eigenen Lebensgeschichte durch. Auf Platt versteht sich. Über die Kind- und Schulzeit, Bräuche, Traditionen, Feste, Kirchliches, Veranstaltungen, bis hin zur Berufs- und Arbeitswelt wird nicht nur das Plattdeutsche hierbei aufgezeichnet, sondern auch eine ganze Menge örtliche Volkskunde, Kultur und Geschichte dokumentiert. Nach dem plattdeutschen Interview werden auf Hochdeutsch Begrifflichkeiten und Vokabeln vorgesprochen und die plattdeutsche Gewährsfrau musste diese in ihrem örtlichen Mundart-Dialekt wiedergeben. Das Gleiche folgte später mit Sätzen, den sogenannten „Wenker-Sätzen“, nach anerkanntem Sprachforschungsstandard. Auf Barbara Meyer-Ramme folgten die befreundeten Diemelstädter Sprecher Karl-Heinemann aus Rhoden und Karl-Heinz Vahle aus Dehausen. Gleiches galt auch hier zu bewältigen. Ortschronistin Magdalene Breidenbach und Josef Wiegers, beide aus Oesdorf, waren ebenfalls mit von dieser Sprachforschungspartie. Weitere Ortstermine im Marsberger, Briloner, Diemelstädter, Volkmarser und Arolser Raum sind bereits für die nächsten Tage vorterminiert. In der Zwischenzeit wertet Dr. Beckmann die Aufzeichnungen aus und verschriftlicht diese ins Plattdeutsche und in einem weiteren Schritt als Gegenüberstellung ins Hochdeutsche. Auch filtert er besondere, örtliche Begrifflichkeiten aus dem Interview für Wörterbücher heraus. In weiteren Forschungsetappen durchleuchtet er u. a. die Varietäten im Gespräch, also in welcher Situation, falls dieses in einem Interview vorkommen sollte, ein Plattsprecher aus Versehen ins Hochdeutsche verfällt.

Für weitere Interview-Termine sucht, der Koordinator für den Altkreis Brilon und das Waldecker Land:

Andreas Karl Böttcher (Vorsitzender der „Marsberger Geschichten“ und Leiter des plattdeutschen Arbeitskreises im Waldeckischen Geschichtsverein – Bezirksgruppe Bad Arolsen) noch plattdeutsche Sprecher. Telefon: 0151-15815361 oder unter info@Marsberger-Geschichten.de                   

 

Andreas Karl Böttcher

 

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