Junge Ärzte aufs Land locken: “plan b” im ZDF über neue Anreize

 

Im kommunalen Ärztezentrum Büsum arbeiten junge und ältere Kollegen zusammen im Team, ganz rechts im Bild der Bürgermeister Hans-Jürgen Lütje.
Quelle: “obs/ZDF/Frank Zintner”

Mainz (ots) – Der Mangel an Ärzten auf dem Land wird seit einigen Jahren immer vernehmbarer beklagt: Tausende Landärzte fehlen – und Rezepte sind gefragt, wie das anders werden kann. Die “plan b”-Dokumentation “Lockruf aufs Land – Wie junge Mediziner wieder Hausarzt werden” stellt am Samstag, 20. Januar 2018, um 17.35 Uhr im ZDF einige Lösungsansätze vor – etwa aus dem dünn besiedelten Norwegen, wo Medizinstudenten auf das Landleben vorbereitet werden.

Im norwegischen Hammerfest, kurz vor dem Nordkap, verbringen die Medizinstudenten Lars Rødland und Ingvild Elverud ihr komplettes letztes Studienjahr. Sie sollen sich dadurch darauf vorbereiten können, dort später als Landärzte zu arbeiten. Hammerfest und die ganze Region Finnmark gehören zu einer Sonderförderungszone: Wer dorthin umsiedelt, bekommt einen Teil seines Studienkredits erstattet. Man bezahlt weniger Einkommensteuer, bekommt mehr Kindergeld, und der Strom ist von der Mehrwertsteuer befreit. Die Stadt braucht jeden Einwohner – und diese wiederum brauchen Ärzte. Doch neben finanziellen Anreizen steht auch die praktische Ausbildung im Fokus.

Die Ärztin Ingrid Petrikke Olsen, Dozentin an der Arktischen Universität Tromsø, hat das Projekt entwickelt, Studenten gezielt aufs Landarztleben vorzubereiten. Dazu angeregt wurde sie von eigenen Erfahrungen als junge Medizinerin: “Ich habe schnell festgestellt, dass mein letztes Studienjahr besser gelaufen wäre, wenn ich es gleich direkt auf dem Land hätte machen können.” Seit August 2017 bekommt eine Gruppe von vier Studenten ein Jahr lang einen Intensivkurs, abgestimmt auf die Bedürfnisse der Region, mit Hausbesuchen bei Patienten, Notfallübungen und regulärem Sprechstundendienst in einer Hausarztpraxis.

In Deutschland fehlen im Moment 2700 Hausärzte – auch hier sind neue Konzepte gefragt. Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen unterstützt beispielsweise junge Ärzte bei der Praxisgründung. So hat sie eine verwaiste Praxis im 2800-Einwohner-Ort Gräfenthal aufgekauft und die Ärztin Sabine Kuhnen dort für zwei Jahre in Teilzeit fest angestellt. Die Mutter von drei Kindern, Mitte 30, hätte den Schritt noch nicht gewagt, eine Praxis zu übernehmen und sich in Schulden zu stürzen. Jetzt hat Sabine Kuhnen Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, ob sie sich selbstständig machen und die Praxis übernehmen will.

Noch einen Schritt weiter geht die Gemeinde Büsum an der Nordsee. Als der letzte Arzt zu verschwinden drohte, hat die Kommune einfach selbst ein Ärztehaus eröffnet und dort fünf Mediziner fest angestellt. Eine Verwaltung übernimmt die administrativen Aufgaben, Ärzte müssen sich nicht hoch verschulden, um eine Praxis zu übernehmen, die Mediziner können im Team arbeiten, und Teilzeitmodelle sind jederzeit möglich.

ZDF

 

Print Friendly, PDF & Email

NordHessen-Journal Nachrichten und Berichte von NordHessen für NordHessen