Tierversuche an der Universität Duisburg-Essen: Graumulle leiden für fragwürde Forschung

 

 

 

Der Deutsche Tierschutzbund und der Tierschutzverein Groß-Essen üben scharfe Kritik an Tierversuchen, welche die Universität Duisburg-Essen an Graumullen durchführt. Wie aus Projektzusammenfassungen hervorgeht, entfernen die Forscher den Tieren die Augen bzw. durchtrennen einen Sehnerv. Danach folgen Verhaltensversuche mit den verstümmelten Mullen. Diese grausamen Praktiken sind weder mit Tier- und Artenschutz vereinbar, noch haben sie einen erkennbaren Nutzen. Die Tierschützer sind morgen – anlässlich des zweiten Jahrestags der Eröffnung des „Mullariums“, in dem die Mulle gehalten werden – in Essen, um die Bevölkerung über die fragwürdigen Tierversuche an der Universität zu informieren.

 

„Die Versuche an der Universität Duisburg-Essen sind ethisch nicht vertretbar“, sagt Tilo Weber, Fachreferent für Alternativmethoden zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund. „Hinzu kommt, dass die Eingriffe aus unserer Sicht reine Grundlagenforschung sind, bei der das Leiden und der Tod der Mulle in Kauf genommen werden – ohne dass ein Nutzen für Mensch oder Tier erkennbar ist.“ Die Versuche sind aus Sicht der Tierschützer ein weiteres Beispiel dafür, dass in Deutschland auch fragwürdige Tierversuche viel zu oft genehmigt werden. Eine Folge davon ist auch, dass die Zahl der jährlich fast drei Millionen Versuchstiere nicht zurückgeht – wie die kürzlich vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlichten Zahlen zeigen.

 

Laut den Forschern stellt die operative Entfernung eines Auges „keine große Beeinträchtigung“ für die Graumulle dar. Der Sehsinn der Tiere sei reduziert und auch dessen Verlust durch die Entfernung beider Augen spiele „kaum eine Rolle“ – obwohl dieselbe Arbeitsgruppe bei diesen Tieren bereits 2004 visuelle Besonderheiten entdeckt hatte, die auf eine Spezialisierung für das Leben unter der Erde hindeuten. Hinzu kommt, dass die Forscher die Verwendung der Graumulle damit rechtfertigen, dass diese Tiere angeblich weniger Schmerzen empfinden. „Eine unfassbare und für uns nicht nachvollziehbare Aussage“, kritisiert Weber.

 

Auch Wildfänge kommen zum Einsatz

Aus Veröffentlichungen der letzten Jahre geht hervor, dass bei „Versorgungsproblemen“ auch Wildfänge aus Afrika für Tierversuche verwendet wurden. Aus Sicht des Tier- und Artenschutzes ist dieses Vorgehen nicht tragbar, denn die Graumull-Art, die in den Versuchen zum Einsatz kommt, gilt wegen ihres kleinen Verbreitungsgebiets als potenziell gefährdet. Zudem werden die Tiere so ihrem Familienverband und ihrem natürlichen Lebensraum entrissen.

 

 

Hinweise zur Aktion in Essen: Der Tierschutzverein Groß-Essen informiert am 16.1.2018 zwischen 13 und 17 Uhr, gemeinsam mit einem Fachexperten des Deutschen Tierschutzbundes, in der Essener Fußgängerzone (Kettwiger Straße am Essener Dom) über die Graumull-Versuche.

 

Deutscher Tierschutzbund e.V.

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