Signale des Vierbeiners richtig deuten: PETA-Expertin gibt Tipps für die gelungene Kommunikation zwischen Hund und Mensch

 

 

Stuttgart, 4. Januar 2018 – Der Hund ist für viele Menschen enger Begleiter und treuer Freund. Gut 8,6 Millionen der Tiere wohnen in deutschen Haushalten. Um sich zu verständigen und sein Befinden mitzuteilen, nutzt der Vierbeiner Körpersprache, Laute und Gerüche. Häufig werden die Signale des Hundes jedoch fehlinterpretiert. Durch Missverständnisse zwischen Tier und Halter kommt es immer wieder zu Problemen und im schlimmsten Fall sogar zu gefährlichen Beißvorfällen. Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA, gibt Tipps, damit die Kommunikation zwischen Hund und Mensch gelingt.

 

„Für Hundehalter ist es essenziell, dass sie die Signale ihres Vierbeiners verstehen. Das gelingt am besten, wenn sie sich die Zeit nehmen, um ihr Tier in Ruhe zu beobachten“, so Jana Hoger. „So wird das Zusammenleben um einiges einfacher und für beide Seiten schöner. Gerade bei vermeintlich aggressiven ‚Problemfällen’ handelt es sich oft um Hunde, mit denen schlichtweg falsch umgegangen wurde.“

 

Folgende Aspekte sollten beachtet werden, um die Körpersprache des Hundes richtig zu interpretieren:

 

Schwanzwedeln: Entgegen der landläufigen Meinung bedeutet das Wedeln mit dem Schwanz nicht immer, dass ein Hund sich freut. Tatsächlich wird hierbei ein Erregungszustand ausgedrückt – positiver oder negativer Art. Schwanzwedeln mit erhobener Rute signalisiert meist Freude, das Wedeln mit heruntergezogener Rute hingegen Angst. Da es Hunde gibt, die beißen, wenn sie sich bedroht fühlen, ist in solchen Fällen Vorsicht geboten. Zusätzlich zum Schwanzwedeln sollte außerdem immer die gesamte Körperhaltung des Hundes beachtet werden.


Beschwichtigungssignale: Die sogenannten Beschwichtigungssignale gehören zu den wichtigsten Zeichen, die der Hund tagtäglich aussendet. Sie dienen ihm dazu, Anspannung abzubauen, Konflikte zu entschärfen oder zu vermeiden, sich selbst zu beruhigen und das Gegenüber freundlich zu stimmen. Häufig eingesetzte Signale sind gähnen, den Kopf abwenden, Bewegungen verlangsamen (trödeln), Mund oder Nase lecken, auf dem Boden schnüffeln, einen Bogen gehen, sich kratzen und beim Spaziergang urinieren. Hierbei sollte der Tierhalter unbedingt Geduld für seinen vierbeinigen Freund aufbringen. Zu beachten ist, dass diese Signale situationsabhängig auch etwas anderes bedeuten können – denn natürlich gähnen Hunde auch, weil sie müde sind, oder lecken sich nach dem Essen über den Mund.

Knurren: Auch bei dem zutraulichsten Vierbeiner kann es vorkommen, dass er seinen Menschen einmal anknurrt. Die möglichen Gründe sind vielfältig: von Schmerzen oder Unwohlsein bis hin zu Angst, Beuteverteidigung oder Frust. Hundehalter sollten die Situation ernst nehmen, nicht mit dem Tier schimpfen und nach der Ursache forschen. Knurrt der Hund zum Beispiel, weil er Essen oder einen Gegenstand verteidigen will, der eigentlich für ihn verboten ist, so kann man ihm zum „Tausch“ ein Leckerli oder sein Lieblingsspielzeug anbieten. Bei größeren Problemen, die sich nicht alleine lösen lassen, sollte ein professioneller Hundetrainer hinzugezogen werden, der mit positiver Verstärkung arbeitet.

Signale von Unwohlsein bei Streicheleinheiten: Schütteln, angelegte Ohren, weit aufgerissene Augen, bei denen das Weiße zu sehen ist, oder geschlossene Augen und ein weggedrehter Kopf, gähnen sowie Mund und Nase lecken – all das sind Arten des Hundes zu zeigen, dass ihm etwas nicht behagt. Leider übersehen Halter, die ihrem Tier ihre Zuneigung zeigen wollen, solche Signale oftmals. So empfinden Hunde zum Beispiel Umarmungen häufig als Geste der Dominanz und fühlen sich eingeschüchtert. Ebenfalls mögen die meisten Tiere es nicht, wenn man ihnen Kopf und Gesicht streichelt – auch wenn sie die Situation oft erdulden. Wird der Kopf beim Hundetraining als „Belohnung“ getätschelt, wird dies dementsprechend als Bestrafung empfunden und die vorausgehende Handlung folglich nicht mit positivem Verhalten assoziiert. Will der Halter seinen Hund streicheln, geht er am besten in die Hocke und krault ihn seitlich am Hals, am Rücken und an der Schwanzwurzel. Wichtig ist, darauf zu achten, ob der Hund die Zuwendung genießt, und es zu akzeptieren, wenn er sich abwendet. Liebevolle Zuneigung sollte dann auf andere Weise vermittelt werden. Dies kann beispielsweise durch eine Extra-Spieleinheit oder durch eine Belohnung mit dem Lieblingsleckerli geschehen.

 


Drohgesten gegenüber Welpen: Es wird häufig angenommen, dass Welpen und Junghunde grundsätzlich einen gewissen Schutz unter ihren Artgenossen besitzen. Dies ist falsch: Eine erhöhte Toleranz genießen Welpen nur im eigenen Rudel. Deshalb sollten Halter bei der Zusammenkunft mit einem anderen Hund immer wachsam sein. Ältere Tiere fühlen sich durch die neugierigen Welpen zum Teil gestört oder bedrängt, sie wenden sich ab oder versuchen auszuweichen. Dies sowie die folgenden Drohgesten, wie Zähne fletschen und knurren, versteht das Jungtier häufig nicht. Gerät es in Bedrängnis, muss daher unbedingt eingegriffen und der Welpe aus der Situation genommen werden – zumal nicht darauf vertraut werden kann, dass jeder Hund gut sozialisiert ist.

 

PeTA

 

 

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