Wie der digitale Wandel den Einzelhandel beeinflusst

 

 

Wie beeinflusst die Digitalisierung den deutschen Einzelhandel? Das haben haben 41 Industrie- und Handelskammern (IHK) – darunter auch die IHK Kassel-Marburg – und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zusammen mit Forschern von ibi research an der Universität Regensburg untersucht. Bundesweit haben sich mehr als 2000 Einzelhändlern beteiligt. Die Ergebnisse für Nordhessen und dem Altkreis Marburg decken sich mit den grundlegenden Erkenntnissen.
„Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass der Einzelhandel sein klassisches Geschäftsmodell überdenken muss“, berichtet Dr. Georg Wittmann von ibi research, der das Forschungsprojekt leitet. Der Handel beschäftige sich bereits mit dem Thema Digitalisierung, stehe diesem aber in vielen Feldern noch zurückhaltend beziehungsweise skeptisch gegenüber. Es gelte den Handel aufzuklären und ihm zu zeigen, wie er sich auch mit kleinen Investitionen Vorteile verschaffen kann. Die IHK Kassel-Marburg bietet dazu kostenlose Informationsveranstaltungen, Beratungsangebote und Workshops an. Seit 2016 ist „Wirtschaft DIGITAL“ Schwerpunktthema der IHK.

Verkaufen heute 54 Prozent der Händler ihre Produkte ausschließlich stationär, wollen 37 Prozent von diesen in fünf Jahren auch im Online-Vertrieb aktiv sein. „Wie die verbleibenden 63 Prozent reagieren werden, bleibt abzuwarten“, sagt Wittmann. 14 Prozent der heute ausschließlich online aktiven Händler planen zudem, in fünf Jahren offline zu verkaufen, was den Handlungsdruck auf die stationären Akteure zusätzlich erhöht.

Die gleiche Entwicklung zeigt sich auch bei einem Blick auf die erwartete Verteilung der Umsätze: In den nächsten fünf Jahren rechnet fast ein Viertel der stationär aktiven Händler damit, dass die im Ladengeschäft erwirtschafteten Umsatzanteile zurückgehen. Für den Vertriebskanal Online-Shop erwarten dagegen lediglich vier Prozent ein Minus, 13 Prozent rechnen mit einem Zuwachs. 83 Prozent rechnen damit, dass die Online-Umsatzanteile gleich bleiben.

Aus Sicht der rein stationären Händler gibt es einen Lichtblick. Immer mehr Ladengeschäfte, die auch online aktiv sind, verbinden die Kanäle und setzen zum Beispiel Services wie Online-Reservierung und eine Vor-Ort-Abholung ein. Ein virtuelles Regal, das der Sortimentserweiterung dient, haben nur fünf Prozent im Einsatz. Auch kostenloses WLAN findet sich bisher nur in gut einem Drittel der Geschäfte. Lediglich zwölf Prozent der Unternehmen haben ein ausgewiesenes Budget für Investitionen in die Digitalisierung.

Letztendlich zeigt die Studie aber auch, dass der Handel die wesentlichen Treiber für die Veränderung bereits identifiziert hat: Marktplätze wie Amazon, eBay und Co. sowie die Kunden. Nun gilt es die richtigen Antworten darauf zu finden, um langfristig im Wettbewerb bestehen zu können.

Auf der Website www.ihk-kassel.de/wirtschaftdigital erfahren Unternehmer in den Rubriken „Informieren“, „Umsetzen“ und „Gestalten“ kostenlos mehr darüber, wie sie den digitalen Wandel gestalten können.

Die vollständige Studie „Der deutsche Einzelhandel 2017“ steht kostenlos zum Download zur Verfügung unter: www.ibi.de/Handelsstudie

IHK

 

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