Herbstumfrage bei den nordhessischen Mitgliedsunternehmen im Arbeitgeberverband HESSENMETALL Nordhessen

 

 

v.l.: AGV Geschäftsführer Jürgen Kümpel, Vorstandsvorsitzender Dipl.-Wirtsch.-Ing. Carsten Rahier und stellv. Vorstandsmitglied Dr. Hans-Friedrich Breithaupt

Die Auslastung in der nordhessischen Metall- und Elektro-Industrie ist stabil. Die Perspektiven für das nächste Halbjahr sind befriedigend bis gut. Digitalisierung wird zukünftig hohe Investitionen erfordern.

 

Kassel. „Die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie in Nordhessen stehen robust da. Auftragsbestände, Umsätze und Exportzahlen stimmen. Das veranlasst die Unternehmen dazu, in die Zukunft zu investieren; und zwar verstärkt in neue Maschinen und innovative Produkte. Die Digitalisierung ist bei den Unternehmen angekommen. Aber nur die Hälfte der befragten Betriebe hat eine Strategie für diese umfassende Transformation. Klar ist hingegen: Die Digitalisierung wird zukünftig hohe Investitionen erfordern. Die Arbeitswelt wird sich grundlegend verändern. Dazu braucht es nicht nur viele personelle und finanzielle Ressourcen, sondern auch ein zukunftsfähiges Arbeitszeitrecht. Die Politik sollte hier entsprechende Rahmenbedingungen schaffen und insbesondere beim Ausbau der Breitbandnetze und bei der Entwicklung von IT-Sicherheitsstandards volle Unterstützung leisten“, fasst Dipl.-Wirtsch.-Ing. Carsten Rahier, Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbandes HESSENMETALL Nordhessen, die Ergebnisse der Herbstumfrage zusammen.

 

Mit Blick auf die aktuelle Tarifrunde ergänzt Jürgen Kümpel, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes in Nordhessen: „Die aktuelle Forderung der IG Metall nach einer 28-Stunden-Woche mit Teillohnausgleich, Rückkehrrecht und einer gleichzeitigen 6-prozentigen Entgelterhöhung konterkariert diesen fundamentalen digitalen Wandel in unserer Arbeitswelt. Unsere Mitgliedsunternehmen benötigen nicht nur das Geld für die Investitionen, sondern auch für die Qualifizierung der Beschäftigten, die diesen Wandel mit gestalten. In einer digitalisierten Arbeitswelt brauchen wir flexible Arbeitszeiten, die den individuellen Bedürfnissen der Beschäftigten Rechnung tragen. Weniger Arbeiten für mehr Geld wird es nicht geben.“

 

Die Forderungen der Arbeitgeber seien vielmehr

  • die Möglichkeit nach individuellen Arbeitszeitvereinbarungen ohne Quotenbeschränkung auch oberhalb von 35 Stunden pro Woche,
  • die Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf betrieblicher Ebene durch Betriebsvereinbarungen ohne Mehrarbeitszuschlag,
  • die Anpassung von Zeitzuschlägen an besondere Situationen der selbstbestimmten Arbeitszeit sowie
  • die tarifliche Regelung von sachgrundlosen Befristungen über zwei Jahre hinaus zu ermöglichen.

Kümpel weiter: „Das Angebot der Arbeitgeberseite liegt seit dem 6. Dezember vor. Es sieht eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro für die Monate Januar bis März 2018 und eine Tabellenerhöhung in Höhe von 2 Prozent ab 1. April 2018 für weitere 12 Monate vor. Bei diesem Angebot gehen wir davon aus, dass der Tarifabschluss die Möglichkeiten für eine bedarfsorientierte und bezahlte Ausweitung des Arbeitszeitvolumens beinhaltet. Damit würde sich das jährliche durchschnittliche Bruttoeinkommen der Metaller, das nach insgesamt rund 20 % Lohnerhöhungen seit 2012 bereits bei 56.000 Euro liegt, für 2018 auf 57.320 Euro erhöhen.“

 

Umfrageergebnisse im Detail

 

Die aktuelle Geschäftslage wird von 69% der Befragten mit „gut“ und von 27% mit „befriedigend“ eingeschätzt. In den kommenden 6 Monaten rechnen 79% mit einer „vergleichbaren“ Geschäftslage. Ca. 18% schätzen sie sogar als „besser“ ein.

 

Die Auftragsbestände sind für 42% „verhältnismäßig groß“, für 48% „ausreichend“. Knapp 13% der befragten Unternehmen rechnen mit „eher abnehmenden“ Aufträgen.

Die wertmäßigen Umsätze sind „befriedigend“ (40%) bis „gut“ (54%), 67% rechnen mit gleichbleibenden Umsätzen. Die Erträge hinken teilweise hinter den Umsätzen hinterher. Das wird auch in den nächsten 6 Monaten so bleiben.

 

Die zufriedenstellende Performance der Unternehmen hat Auswirkungen auf die Investitionsfreudigkeit: für 52% der Befragten sind die Investitionen „verhältnismäßig hoch“, für knapp 38% immerhin noch „ausreichend“. Allerdings fallen bei 10% der Mitgliedsunternehmen die Investitionen derzeit zu gering aus. Bei 21% wird die Investitionstätigkeit in den nächsten sechs Monaten fallen, bei 56% „eher gleich bleiben“ und bei 23% „steigen“.

 

Ersatzinvestitionen machen mit 36% den größten Teil aus, gefolgt von innovativen Produkten (16%) und Rationalisierungsmaßnahmen (21%). Dies vollzieht sich vorrangig im Euroraum (69%) und im übrigen Europa (12%). Auslandsinvestitionen in Nordamerika (7%) und Asien (12%) belegen die Internationalisierung der heimischen M+E-Unternehmen. Der Exportanteil beträgt unverändert über 40%. Schwerpunkte: Euroraum (46%), übriges Europa (16 %) und Asien (18%).

 

Die Beschäftigungslage ist weiterhin zufriedenstellend mit leichtem Beschäftigungszuwachs bei gleichzeitigem Abbau von Zeitarbeitnehmern. Es ist davon auszugehen, dass Zeitverträge in Arbeitsverhältnisse umgewandelt werden, um Fachkräfte zu sichern.

 

 

Zusatzfrage 2017: „Digitalisierung“

 

Dr. Hans-Friedrich Breithaupt, stellvertretendes Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbandes HESSENMETALL Nordhessen, berichtet: „Zirka die Hälfte der befragten Unternehmen hat eine Strategie zum digitalen Wandel. Sie sind auf dem richtigen Weg. Allerdings ist vielen Unternehmen offensichtlich nicht hinreichend klar, wie rapide und unaufhaltsam sich unsere Arbeits- und Produktionswelt verändern wird. Unser Umfrage hat ergeben, dass der Digitalisierungsanteil der Endprodukte bereits heute bei durchschnittlich bei 26 Prozent liegt. Gut 8 Prozent der Unternehmen haben selbstlernende Maschinen im Produktionsprozess und der Anteil selbstlernender Maschinen im Produktionsprozess beträgt schon heute knapp 9% (8,75%).

Ein sehr geringer Teil der Unternehmen (2,1%) stellt Produkte mit „Künstlicher Intelligenz“ her. Der Anteil hergestellter „Produkte mit Künstlicher Intelligenz“ liegt im Durchschnitt bei 5%. Dies alles sind Indizien, dass der Digitalisierungsprozess bei einigen Unternehmen bereits in vollem Gang ist und weiter an Fahrt aufnimmt. Andere hingegen fühlen sich davon wenig betroffen. Immerhin sind unserer Umfrage zufolge 16% der Befragten der Ansicht, dass die Digitalisierung einen Einfluss auf ihr Geschäftsmodell habe. 37% der Befragten geben an, dass sie in der Individualisierung der Produkte nach Kundenwunsch (Customizing) sowie in der Verringerung von Losgrößen in der Produktion einen Vorteil sehen. Die IT-Sicherheit hat für 85% eine hohe Bedeutung.“ Dies sei nachvollziehbar, denn ein Datenverlust, in welcher Form auch immer, gehe oft unmittelbar einher mit Umsatz- und Imageverlust. „Welch hohen Stellenwert die Digitalisierung hat, wird u. a. auch deutlich bei der Frage, ob die Politik bessere Rahmenbedingungen für den Ausbau des Breitbandnetzes schaffen sollte: 97,9% der Befragten halten den Ausbau für „wichtig“ (37,5%) bis „sehr wichtig“ (60,4%), so Breithaupt.

 

 

 

Hintergrund

Der Verband der Metall- und Elektro-Unternehmen in Nordhessen ist eine von fünf Bezirksgruppen des Arbeitgeberverbandes HESSENMETALL, bei dem über 550 Unternehmen mit rund 130.000 Beschäftigten organisiert sind. Die Bezirksgruppe in Nordhessen hat 149 Mitgliedsunternehmen mit 24.000 Beschäftigten und vertritt diese in den klassischen Feldern des Arbeits- und Sozialrechtes, ist Tarifpartner und betreibt aktive Bildungs- und Gesellschaftspolitik. Die M+E Industrie in Nordhessen bildet 4.150 Jugendliche aus und schließt jährlich über 1.250 neue Ausbildungsverträge ab.

 

Zwölf Branchen sind unter dem Dach der deutschen Metall- und Elektro-Industrie versammelt. Mit 3,8 Millionen Beschäftigten erwirtschaftet die Metall- und Elektro-Industrie einen Jahresumsatz von knapp einer Billion Euro, bildet mehr als 270.000 Menschen aus und schließt ca. 70.400 neue Ausbildungsverträge jedes Jahr. Die hessische M+E Industrie erwirtschaftet mit 213.000 Beschäftigten und 12.000 Auszubildenden einen Jahresumsatz von 56 Milliarden Euro.

 

Die „Arbeitsgemeinschaft M+E MITTE“
M+E MITTE spricht und handelt in Tarifverhandlungen für die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie Hessens (HESSENMETALL), der Pfalz (PFALZMETALL), Rheinland-Rheinhessens (vem.die arbeitgeber) und des Saarlandes (ME Saar). In den drei Bundesländern umfasst die M+E-Industrie rund 1.400 Unternehmen mit 400.000 Beschäftigte. M+E MITTE verhandelt mit der IG Metall Bezirksleitung Mitte.

 

Verband der Metall- und Elektro-Unternehmen Hessen, Bezirksgruppe Nordhessen e. V.

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