Augen auf beim Gebrauchtwagenkauf

 

 

Etwa 7,5 Millionen Gebrauchtwagen wechseln pro Jahr ihren Besitzer. Möglichst umfangreiche Ausstattung, wenig Kilometer und nur einen Vorbesitzer, so stellt sich manch ein Gebrauchtwageninteressent sein neues Fahrzeug vor. Der durchschnittliche Gebrauchte ist laut Statistik (DAT-Report 2016) im Schnitt 6,2 Jahre alt, hat zirka 74.000 Kilometer auf dem Tacho und kostet 10.620 Euro. Wie auch immer, ob der geforderte Preis für das Fahrzeug gerechtfertigt ist, das kann vielfach nur ein Fachmann begutachten, schildert Philip Puls von TÜV SÜD in München seine Erfahrungen. Er rät, auf Nummer sicher zu gehen und sich fachkundig unterstützen zu lassen.

Doch auch als Verkäufer sollte man in eine fachkundige Prüfung investieren. „Lassen Sie den Zustand Ihres Gebrauchten vor dem Verkauf von Experten überprüfen und durch eine ausführliche Dokumentation bescheinigen. So kann man sich etwa mit dem Auto Privat Check – wie ihn beispielsweise TÜV SÜD anbietet – als unabhängiges Qualitätszeichen von anderen privaten Fahrzeugverkäufern abheben und potenziellen Käufern Sicherheit geben“, erläutert Puls. 

Mehr als 90 Prozent der Gebrauchtwagen werden inzwischen im Web gehandelt. Entsprechend gut lässt sich dort ein Überblick über Angebot und Preisgefüge gewinnen. „Schnäppchen sind allerdings selten“, schildert der TÜV SÜD-Fachmann seine Beobachtungen: „In den großen Internetbörsen sind die Preise sehr ähnlich.“ Zeitungsinserate aus regionalen Tageszeitungen oder lokalen Anzeigeblättern sind für die Suche nach Fahrzeugen im unteren Preissegment meist die bessere Wahl. Als wahrer Geheimtipp stellen sich oft auch die Kleinanzeigen in regionalen Internetbörsen heraus. Grundsätzlich immer wichtig: eine ausgiebige Probefahrt und Inaugenscheinnahme. 

In einigen Gegenden gibt es wegen vieler Werksangehöriger ein Überangebot an Fahrzeugen bestimmter Marken. Das führt regional wiederum zu niedrigeren Preisen. Werksangehörige erhalten zumeist sehr hohe Rabatte auf Neuwagen. Eine Inzahlungnahme ist meist nicht üblich. Wer also in der Nähe eines Autowerks kauft, kann profitieren.

Bei der Suche im Netz empfiehlt es sich, immer das Angebot auf Plausibilität untersuchen, bevor man weiter zu Werke geht. Oftmals klaffen Realität und schöne-Bilder-Welt auseinander. Manches verlockende Angebot dient lediglich dem Zweck, Interessenten zu ködern. Besonders beliebt sind Tachobetrügereien. Sind auf den Verkaufsbildern etwa ein abgegriffener Lenkradkranz oder abgewetzte Pedalgummis erkennbar, dann passt das beispielsweise kaum zu einer vorgeblichen Laufleistung von 80.000 Kilometern. Deshalb legt der TÜV SÜD-Fachmann Wert auf einen lückenlosen Servicenachweis: „Fehlt der oder redet sich der Anbieter heraus, sollte man die Finger von dem Fahrzeug lassen.“ Noch besser ist es, wenn die dazugehörigen Rechnungen der Servicearbeiten vorliegen, bestenfalls von einem Kfz-Meisterbetrieb. Das gilt ebenso für den letzten Prüfbericht von Haupt- und Abgasuntersuchung, der bei der Zulassung vorgelegt werden muss „Erst wenn diese Kriterien geklärt sind, macht es Sinn, sich näher mit dem Fahrzeug zu befassen“, rät Puls.

 

TÜV SÜD

 

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